Jahrgang 
1907
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II. Die Eleonorenſchule zu Worms.

Von Stadtbaurat Metzler.

Am 18. Oktober 1906 hat die höhere Mädchenſchule zu Worms ihr neuerbautes Heim, die nach Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin benannte Eleonorenſchule, bezogen.

Als Bauplatz war ein im einſpringenden Winkel des Waſſerturmplatzes gelegenes, der Stadt Worms gehöriges Grundſtück gewählt worden. Der Waſſerturmplatz liegt inmitten eines in lebhafter Entwickelung begriffenen neuen Stadtteils weſtlich der Altſtadt. Als einziges Ge⸗ bäude wies er bisher den im Jahre 1886 errichteten Waſſerturm auf. Der Bauplatz der Schule grenzt unmittelbar an den mächtig aufſtrebenden Waſſerturm an, und der Neubau ſollte mit dem Waſſerturm zuſammen in die Platzwand hineingeſtellt, den geſchloſſenen Ausbau des Waſſerturm⸗ platzes mit Monumentalgebäuden anbahnen. Neben dem Schulgebäude iſt noch ein Eckplatz frei gelaſſen, auf dem vorausſichtlich eine Kirche zur Aufſtellung kommen wird, die in einheitlicher Baugruppe mit Schule und Waſſerturm dem neugeſchloſſenen Stadtplatz ein charakteriſtiſches, künſtleriſches Gepräge verleihen und ihn zu einem hervorragenden architektoniſchen Mittelpunkt in dem neuen Stadtviertel geſtalten werden.

Die Stadtverordnetenverſammlung hat ihr lebhaftes Intereſſe an dem Ausbau des Waſſerturmplatzes dadurch bekundet, daß ſie für dieſe neben der geſchloſſenen Bauweiſe für das Aeußere der Gebäude beſtimmte Vorſchriften durch Ortsbauſtatut feſtlegte, ſo daß auch hier eine charakteriſtiſche Bebauung erwartet werden darf.

Selbſtverſtändlich mußte die küuſtleriſche Abſicht der Schaffung eines Städtebildes und die Vereinigung des Gebäudes mit dem Waſſerturm zu einer geſchloſſenen Baugruppe einen maß⸗ gebenden Einfluß auf die Geſtaltung des Aufbaues, die Wahl der Baumaterialien und ins⸗ beſondere auch auf die Grundrißentwickelung der neuen Schule ausüben. Da mehr als drei Stockwerke für den Schulbetrieb nicht erwünſcht und die Gebäudehöhe alſo beſchränkt war, wurden der aufſtrebenden Maſſe des Waſſerturms hohe dunkelblaue Schieferdächer entgegen geſtellt. Gegen⸗ über der in's Vertikale gerichteten Maſſe des Turmes bildet die zwar ebenfalls vertikal ent⸗ wickelte, dabei aber doch durch Flächenbehandlung und einen unter den Feuſtern des zweiten Obergeſchoſſes durchlaufenden Maßwerkfries die Horizontale ſtark betonende Architektur des Schul⸗ gebäudes mit ihrem horizontal durchlauſenden, kräftig wirkenden Hauptgeſims einen wohltuenden Gegenſatz. Die hervorragende Lage des Gebäudes bedingte die Verkleidung der Hauptfaſſaden in Sandſtein, für welche mit Rückſicht auf die zwar mit rotem Material gemiſchte, im weſent⸗