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Die Veränderungen, die infolge der Umwandlung der höheren Bürgerſchule in eine Großh. Realſchule ſtattfanden, ſind folgende: 3 Durch Allerhöchſtes Decret vom 4 Mai wurde der ſeitherige Lehrer an der Realſchule zu Alsfeld, Wilh. Friedrich Landmeſſer zum Lehrer an hieſiger Realſchule ernannt. Wilhelm Friedrich Landmeſſer, geboren am 22. Mai 1855 zu Worms a. Rhein, beſuchte von ſeinem ſechsten bis zehnten Jahre die Vorſchule des dortigen Gymnaſiums; von Oſtern 1865 bis Herbſt 1872 das dortige Gymnaſium, welches er Herbſt 1872 mit dem Zeugnis der Reife zum Beſuch der Univerſität verließ. Auf den Univerſitäten Heidelberg und Gießen widmete er ſich dem Studium der Mathematik und der Naturwiſſenſchaften. Auf letzterer Hochſchule beſtand er Sommer 1877 die Staatsprüfung und trat ſofort ſeinen Acceß am Gymnaſium zu Bensheim an. Herbſt 1877 wurde ihm die Verwaltung einer Lehrerſtelle an der Realſchule zu Groß⸗Umſtadt übertragen. Von Herbſt 1878 bis Herbſt 1879 genügte er ſeiner Militärpflicht. Von Herbſt 1879 bis Auguſt 1880 verwaltete er eine Lehrerſtelle an der Realſchule zu Alsfeld, welche Stelle ihm durch Allerhöchſtes Decret vom 14. Auguſt 1880 definitiv übertragen wurde. Im Mai 1885 wurde derſelbe an hieſige Realſchule verſetzt. Seen An demſelben Tage wurde durch Verfügung Großh. Miniſteriums der proviſoriſche Reallehrer Victor Geißner zu Wimpfen in gleicher Eigenſchaft an das Gymnaſium nach Mainz verſetzt. An demſelben Tage wurde dem proviſoriſchen Gymnaſiallehrer Johannes Eck die Verwaltung einer Lehrerſtelle an der hieſigen Realſchule übertragen. Johannes Julius Eck, geb. am 5. Dezember 1848 zu Heidelberg, beſuchte das Gym⸗ naſium zu Darmſtadt. Er machte den Feldzug 1870/71 in Frankreich mit und war dann mehrere Jahre Lehrer an einer Privat⸗Anſtalt in Homberg a/O. und dann in Gießen. Nach beſtandener Staatsprüfung machte er ſeinen Acceß am Gymnaſium in Darmſtadt, war hierauf proviſoriſch verwendet am Realgymnaſium und am Gymnaſium zu Mainz und ſeit 16. Mai 1885 an hieſiger Realſchule. Durch Allerhöchſtes Decret vom 28. Juli 1885 wurde ihm dieſe Stelle definitiv übertragen. Am 5. Mai wurde durch Verfügung Großh. Miniſteriums dem proviſoriſchen Reallehrer Carl Dorfeld die Verwaltung einer Lehrerſtelle an der hieſigen Anſtalt übertragen. Carl Dorfeld wurde am 14. März 1861 zu Offenbach am Main geboren. Von 1873 beſuchte er das Gymnaſium zu Gießen, aus welchem er 1880 mit dem Zeugniß der Reife zum Beſuch der Univerſität entlaſſen wurde. Er widmete ſich hierauf an der Landesuniverſität dem Studium der romaniſchen und germaniſchen Philologie und beſtand Oſtern 1884 die Staatsprüfung. Er machte ſeinen Acceß als ordentliches Mitglied des pädagogiſchen Seminars am Gymnaſium zu Gießen. Am 13. April 1885 wurde er zum proviſoriſchen Lehrer am Realgymnaſium zu Gießen ernannt, am 5. Mai ds. Is. an die Realſchule zu Wimpfen a. B. verſetzt. Während des Sommer⸗ ſemeſters 1885 erlangte er an der Univerſität Gießen die philoſophiſche Doktorwürde. Durch Allerhöchſtes Decret vom 16. Mai wurde der Lehrer an der ſeitherigen höheren Bürgerſchule Leopold Ensgraber zum Lehrer an der Realſchule ernannt. Durch Allerhöchſtes Decret vom 19. Mai wurde der proviſoriſche Lehrer an der ſeitherigen höheren Bürgerſchule Heinrich Steuerwald zum Lehrer an der Realſchule ernannt. Durch Allerhöchſtes Decret vom 28. Juli wurde der proviſoriſche Reallehrer Johannes Eck zum Lehrer an der Realſchule ernannt. Durch Allerhöchſte Entſchließung vom 17. Februar ds. Jahres wurde der Schulverwalter Heinrich Engel zum Lehrer an unſerer Anſtalt unter Belaſſung in der Kategorie der Volks⸗ ſchullehrer ernannt.— 8 Am 25. November ſtarb plötzlich der iſraelitiſche Religionslehrer Herr Salomon Jaffé. Die iſraelitiſchen Schüler und einige Lehrer der Anſtalt gaben ihm in Kochendorf das letzte Ge⸗ leite. Die Anſtalt wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Am 12. März ds. Jahres ſtarb nach längerem Leiden, aber unverhofft, der Direktor unſerer Anſtalt, Herr Karl Landgraf, der langjährige Leiter der früheren höheren Bürgerſchule, der Begründer unſerer Realſchule, der Mann, ohne deſſen unermüdliche und aufopfernde Thätigkeit Wimpfen nie in den Beſitz einer Realſchule gelangt wäre. Wir alle ſind noch zu ſehr erſchüttert, um ihm hier einen längeren Nachruf widmen zu können. Aber eins iſt gewiß: Sein Name iſt zu eng mit der Geſchichte unſerer Schule verknüpft, als daß derſelbe jemals aus unſerem Gedächtnis und dem Gedächtnis aller derer, welche ein Herz für unſere Schule haben, verſchwinden könnte. Friede ſeiner Aſche!


