— 1—
Für Spiel und Sport standen der Anstalt zur Verfügung: der Boseplatz und die beiden plätze an der Kaiserstraße und an der Frankfurterstraße. Während des Sommers wurde an dem aufgabefreien Nachmittag oft im Biebricher Strandbad, im Winter hin und wieder im Viktoriabad Wassersport getrieben. Der diesjährige eis- und schneereiche Winter bot Schülern wie Lehrern will- kommene Gelegenheit, auf dem Kurhausweiher und den sonstigen Eisbahnen der Stadt den Eislauf zu pflegen und in nächster Umgebung Wiesbadens sich mit Rodelschlitten und Skiern zu berätigen.
7 Tageswanderungen führten unsere Schüler in das nähere und weitere Khein- und Taunus- gebiet. 3 dieser Wanderungen waren mit Wintersport(KRodel- und Skisport) verbunden.— Der schönste Tagesausflug fand am 10. Juli statt: eine Rheinfahrt nach St. Goarshausen und daran an- schließend eine Wanderung nach der Lorelei. Von sonnigem Vetter begünstigt, wurde die Fahrt auf dem von der Schule gemieteten Dampfer„Undine“ ausgeführt. Sämtliche Schüler der Anstalt und etwa 300 Eltern und sonstige Angehörige der Schüler nahmen an der Veranstaltung teil. Unter den Klängen einer Musikkapelle, die deutsche Märsche und Volksweisen, besonders Rheinlieder, zum Vor- trag brachte, fuhr der Dampfer, auf dem sich angesichts der herrlichen Rheinlandschaft bald ein fröhliches Treiben entfaltete, in etwa 3 Stunden bis St. Goarshausen(11 Uhr vorm.). Von hier ging es zu Fuß durch das Schweizer Tal bis zum Gipfel der Lorelei, wo für einige Zeit Rast gemacht wurde. In seiner Ansprache wies der Direéktor auf die Schönheit und die geschichtliche Bedeutung unseres lieben deutschen Rheines hin. Seine Ausführungen schlossen mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf das deutsche Vaterland. Alle Anwesenden sangen hierauf stehend das Deutschlandlied. Nachdem sich jung und alt ausgiebig erfrischt hatte, trug der Chor unter der Leitung des Studienrats P. Tie de- mann einige Lieder vor. Während dann die unteren Klassen auf den Wiesen in der Nähe der Lorelei noch einige Stunden bei Sport und Spiel verbrachten, kehrten die mittleren und oberen Klassen mit der Mehrzahl der Eltern nach etwa 2-stündiger Rast nach St. Goarshausen zurück. Hiier hatte sich inzwischen das Hotel„Hohenzollern“ zu ihrem Empfang gerüstet. Der große Saal vermochte kaum alle Gäste aufzunehmen. Theateraufführungen(„Vorspiel auf dem Theater“ aus Goethes„Faust“) (Schüler der Oll) und ein hessisches Dialektstück(Schüler der Ol) und musikalische Vorträge ließen die Zeit nur allzuschnell dahingehen. Um 5 Uhr trafen sich sämtliche Lehrer, Schüler und Angehörige wieder auf dem Dampfer, der dann in 4'stündiger wunderbarer Bergfahrt alle Teilnehmer glücklich in Wiesbaden-Biebrich landete. Ein gehaltvoller Tag hatte sein Ende erreicht: Eltern, Lehrer und Schüler hatten gemeinsam schöne Stunden verbracht. Die Fahrt wird den Beteiligten noch lange eine liebe Erinnerung sein.
Vom 31. August bis zum 4. September unternahmen die Ol und Ul unter der Führung der Klassenleiter Studienfahrten[Ol nach Eisenach, der Wartburg, dem Inselberg, Weimar, Ilmenau, Würzburg, Ul nach Würzburg, Rothenburg ob der Tauber, Dinkelsbühl, Nürnberg], über deren Verlauf 2 Teilnehmer folgendes berichten:
Studienfahrt der OI: Als wir am Freitag, dem 31. Au- gust, morgens den Wiesbadener Haupthahnhof verließen, war alles in bester Stimmung, lagen doch fünf Tage vor uns, in denen wir viel Neues schen und in uns aufnehmen sollten. Am Nachmittag erreichten wir nach wechselvoller Fahrt unser Ziel, Eisenach. In der städtischen Jugendherberge legten wir unsere Rucksäcke ab und machten uns gleich wieder auf den Weg. Bald waren wir auf der schönen und geschichtlich so bedeutenden Wartburg angelangt. Bei der Führung machten die Wandgemälde von Schwind, der Sängersaal und die Luther- stube den tiefsten Eindruck. Von der Burg aus bot sich uns eine herrliche Aussicht auf das umliegende Thüringer Land.
Schon früh am nächsten Morgen verließen wir unsere Herberge. Durch die malerische, enge Drachenschlucht und frischen Laubwald ging der Weg hinauf zur„Hohen Sonne“, von wo wir rückschauend noch einmal die Wartburg sahen. Ein tüchtiger Marsch brachte uns zu Mittag hinauf auf den Inselberg, wo wir ein kräftiges Mahl einnahmen. Auch hier hatten wir von einem Turm aus einen wunderbaren Rund- blick. Weiter ging's nach Friedrichsroda, wo wir gegen 6 Uhr ankamen. Von dort benutzten wir bis Weimar den Zug. Nach einem Marsch durch einen großen Teil der Stadt er- reichten wir spät abends unsere Jugendherberge, die man nicht gerade leer nennen konnte.
Völlig ausgeruht gingen wir am Sonntagmorgen daran, die Sehenswürdigkeiten Weimars zu besichtigen. Viele schöne Gebäude und die zahlreichen Denkmäler erregten unser In- teresse. Dann betraten wir das Schillerhaus, das in seiner Einfachheit einen tiefen Eindruck auf uns machte. Durch die schlichten Wohnräume gelangten wir an das Totenbett des Dichters, auf dem er von seinem langen Leiden erlöst wurde. Bilder und Erinnerungen brachten uns den Dichter näher. Welchen Gegensatz hierzu empfanden wir, als wir die viel reicher ausgestatteten Räume des Goethehauses betraten! Sie gaben uns ein Bild von dem Geschmack und dem Kunstsinn Goethes. In den umfangreichen Sammlungen der verschie- densten Gebiete sahen wir einen Ausdruck seines gewaltigen Geistes. Hierauf besuchten wir die Fürstengruft, in der Goethe und Schiller, im gleichen Gewölbe mit ihrem großen Gönner Karl August, bestattet sind. Am Nachmittag unternahmen wir einen Ausflug nach Belvedere, dem Lustschloß der wei- marischen Herzöge, dessen Schönheit inmitten der gepflegten Parkanlagen so recht zur Geltung kam. Mit einem fröhlichen Beisammensein endete dieser inhaltsreiche Tag.
Am nächsten Morgen um 10 Uhr verließen wir Wei- mar. Der Zug brachte uns nach IUmenau, dem Lieblings- aufenthalt Goethes. Wir bestiegen den Gickelhahn, hielten aber auf halber Höhe an, um mit dem Blick auf dieses
Aufgaben- freier Nachmittag.
Wandertage, Studien- und Erholungs- fahrten.


