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Auch in der Geschichte unserer Anstalt wird das Jahr 1914/15 denkwürdig bleiben. Nach einem Vierteljahr ruhiger Friedensarbeit, inmitten der Sommerferien, erfolgte der Ausbruch des Weltkrieges. Die Erregung jener Augusttage wird jedem unvergeßlich sein, die fluchtartige Heimkehr aus der Sommerfrische, die Sorge um das von mächtigen Feinden bedrohte Vaterland und trotzdem die Zuversicht, daß unserer gerechten Sache und unserer Tüchtigkeit der Sieg beschieden sein müsse. Die rasch und planmäßig sich vollziehende Bereitstellung unserer Streitkräfte trug dazu bei, unsere Siegeshoffnung zu er- höhen. Auch unser Schulhaus glich in jenen Tagen einem Feldlager. Nach den Bestimm- ungen der Mobilmachung dienten seine Räume der Einkleidung eines Teils der Mann-— schaften des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 80, dann war es bis zum 23. August von dem Landsturmbataillon belegt. Erst am 25. August waren wieder die nötigen Räume frei geworden, sodaß der Unterricht beginnen konnte, allerdings nicht in vollem Umfange, denn mit der Mobilmachung waren die Herren Direktor Prof. Dr. Walther, Prof. Dr. Roßmann, Oberlehrer Dr. Szymanski, Oberlehrer Kaiser, Oberlehrer Wetzell, Vorschullehrer Evelbauer und Vorschullehrer Kappus, ferner die Kandidaten Fisch- bach und Dr. Schmidtborn sofort zum Militärdienst einberufen worden. In einer am 5. August stattfindenden Versammlung der ortsanwesenden Lehrer und Schüler konnte sich der Direktor und ein Peil der ins Feld ziehenden Lehrer verabschieden, denen der stellvertretende Direktor die herzlichen Wünsche der Zurückbleibenden zum Ausdruck brachte. Leider hat jedoch die Anstalt schon in den ersten Kriegswochen einen schweren Verlust erfahren. Herr Direktor Walter, der als Oberleutnant der Landwehr ein Land- wehrbataillon befehligte, hat am 3. September in den Waldgefechten bei Maudrey(Lothringen) den Heldentod gefunden. Die Nachricht von dem Hinscheiden dieses hochverdienten Mannes hat Schüler wie Lehrer mit aufrichtigem Bedauern erfüllt. Noch nicht 2 Jahre hat der Verstorbene an der Spitze der Austalt gestanden, doch hat er sich nicht nur im engeren Kreise der Schule sondern auch in der Wiesbadener Bürgerschaft und bei den vorgesetzten Behörden Achtung und Vertrauen erworben. Seine Liebe zur Jugend, deren körperliche und geistige Förderung ihm vor allem am Herzen lag, seine umfassende allgemeine Bildung befähigten ihn vortrefflich zu dem schweren Amt, dem er sich mit Eifer und unermüdlichem Fleiß widmete. In einer Versammlung der Lehrer und Schüler am 8. Sept. gab der stellvertretende Direktor den Gefühlen der Trauer Ausdruck, die alle um das frühe Hinscheiden ihres Direktors bewegten.
Weitere Opfer des Kriegs beklagt die Anstalt in dem wissenschaftlichen Hilfslehrer Dr. Felix Konze, der im Winter 1913/14 vertretungsweise an der Anstalt gewirkt hat, in dem Kandidaten des Höheren Schulamts Paul Bernreuther, der im Sommer 1913 die erste Hälfte des Probejahres an der Aunstalt ablegte, in dem israelitischen Religionslehrer Benjamin Rosenstock, ferner in den früheren Schülern Fritz Begeré, Heinrich Grütz- macher, Gustav Herzog, Hans Hoepiner, Emil Klöwer, Hans Laupus, Ernst Nöldechen, Paul Stein, Emil Stroh. Ehre ihrem Andenken!
Wie überall im deutschen Vaterland gaben ein erhebendes Zeugnis opferwilliger Vaterlandsliebe die Schüler unserer Oberklassen, die sich sofort nach Ausbruch des Krieges als Freiwillige einreihen liessen. Aus O I sind sechzehn, aus UI vier, aus O II zwei, aus UII einer dem Rufe des obersten Kriegsherrn gefolgt. Auf Grund der am 7. u. 15. Aug. stattgefundenen Notreifeprüfung konnte sämtlichen ins Heer eintretenden Oberprimanern und 2 Unterprimanern das Zeugnis der Reife, ferner auf Grund eines Konferenzbeschlusses


