— 22—
Ein letzter Wechsel im Lehrerkollegium steht mit dem Sehlusse des gegenwärtigen Schul- jahrs bevor. Herr Oberlehrer Professor Schmitthenner fühlte schon seit Jahren seine angegriffene Gesundheit den Anstrengungen des Dienstes nicht mehr gewachsen. Er erbat Ur- laub zunächst für den Sommer, dann weiter für den Winter und gleichzeitig seine Versetzung in den Ruhestand zum 1. April 1894, welchem Gesuche inzwischen durch die Verfügung des Kgl. Provinzial-Schulkollegiums vom 16. Dezember v. J. entsprochen worden ist. Die Vertretung war wie im Sommer 1892 dem wissenschaftlichen Hilfslehrer Herrn Wilhelm Schmidt übertragen. Seine beste Kraft hat Herr Professor Schmitthenner seit dem Jahre 1869 unserer Anstalt gewidmet, nachdem er zuvor als Collaborator am hiesigen Gelehrten-Gymnasium(1857 bis 1864) und am Gymnasium zu Weilburg(1864 bis 1869) thätig gewesen war. Ausgezeichnet durch eine seltene, geradezu peinliche Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue, die ihn auch in schwierigen Verhältnissen aufrecht erhielt, hat er sich in gleichem Maasse die Achtung seiner Schüler wie die Anerkennung seiner Kollegen erworben. Möge er sich, frei von den Lasten seines Amtes, eines freundlichen Ruhestandes und einer besseren Gesundheit noch lange zu er- freuen haben.— Für die durch sein Ausscheiden erledigte Stelle ist Herr Karl Pagen- stecher, Oberlehrer am Realprogymnasium zu Remscheid, vom Kuratorium gewählt worden.
Auch unter den übrigen Mitgliedern des Lehrerkollegiums ist der Gesundheitszustand zeit- weise ein recht ungünstiger gewesen, namentlich waren durch die im November heftig aufge- tretene Grippe mehrere Lehrer gleichzeitig von der Erteilung ihres Unterrichts abgehalten. Wegen Krankheit mussten aussetzen die Herren Prof. Güth fünfzehn, Schmidt dreizehn, Dr. Kadesch zehn, Deubner und Usener je acht, Dr. Diehl fünf, Dr. Degenhardt und Gut je vier, Dr. Wickel und Schauss je zwei Tage, Dr. Schweigel, Caplan Gruber, Dr. Mahlinger, Feld- hausen je einen Tag. Zu einer militärischen Ubung waren eingezogen die Herren Dr. Kitze vom 6. bis 19. Juli, Dr. Schweigel über die Herbstferien vom 28. Juli bis 23. September. In beiden Fällen wurde der sprachliche Unterricht von dem Probekandidaten Herrn Dr. Bauer über- nommen. Als Mitglied der Kgl. Prüfungskommission für Einjährig-Freiwillige war Herr Usener am 27. und 28. September, als Schöffe beim Gericht Herr Dr. Kitze am 16., 17. und 19. Januar an der Erteilung seines Unterrichts verhindert. In persönlichen Angelegenheiten waren beur- laubt der Direktor fünf, die Herren Usener und Effelberger zwei Tage, die Herren Dr. Diehl Escher, Schneider, Gut, Henrich je einen Tag. In dienstlichen Angelegenheiten war der Direktor vom 13. bis zum 20. Februar abwesend. Am 16. Mai, 19. Juni, 3., 4. und 7. Juli wurde der Nach- mittagsunterricht der Hitze wegen ausgesetzt. Am 15. und 24. Juni, sowie am 31. Oktober musste der Unterricht ausfallen, weil die Schulräume für die Reichstags- bezw. die Wahlmänner- wahl in Anspruch genommen wurden.
Am 25. Juli wurde die Turnfahrt in der üblichen Weise unter Führung der Klassenlehrer unternommen. Die Höhen des Rheingau- und des Taunusgebirges, das Nahe- und das Morgen- bachthal bildeten wie alljährlich die Ziele der Wanderung.
Einen festlichen Tag hatte die Anstalt bei Gelegenheit des fünfzigjährigen Dienstjubiläums ihres ältesten Lehrers, Herrn Jung, zu begehen. Am 1. Oktober waren fünfzig Jahre ver- flossen, seitdem Herr Jung als Lehrvikar zu Willingen im Oberwesterwaldkreis in den Schul- dienst getreten ist. Obgleich der Jubilar bescheidenen Sinnes den Wunsch geäussert hatte, diesen Gedenktag still im Kreise der Seinigen zu begehen, so durfte doch die Anstalt, deren Kollegium er seit nun siebzehn Jahren angehört, die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, dem unermücdlichen, in seinem Berufe heute noch jugendfrischen Lehrer ihre freudige Teil-


