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Am 7., 8. und H. Dezember unterzog Herr Geheimer Regierungs- und Provinzial- schulrat Dr. Kaiser die Anstalt einer eingehenden Revision. Sie bildete die Einleitung zu dem wichtigsten Ereignis dieses Schuljahres, der Vollendung des Ausbaus der Anstaltzu einer neunstufigen Oberrealschule. Denn mit Beginn des neuen Schuljahres war die bisherige Unterprima zur Oberprima vorgerückt, und diese mußte nun die erste Reifeprüfung ablegen. Nachdem die Genehmigung des Herrn Ministers zu deren Abhaltung eingetroffen war, fand die schriftliche Prüfung der 14 Oberprimaner in den Tagen vom 24. bis 29. Januar statt. Die mündliche Prüfung wurde am 22. und 23. Februar unter dem Vorsitz des Herrn Geheimen Regierungsrats Dr. Kaiser als Königlichen Kommissars und in Gegenwart des Herrn Geheimen Baurats Winter als Vertreters des Kuratoriums abgehalten. Da Befreiungen von der mündlichen Drüfung bei dieser ersten Prüfung nicht statthaft sind, so mußten sämtliche 14 Schüler in allen Fächern geprüft werden; das erfreuliche Ergebnis war, daß alle die Reifeprüfung bestanden. Auf Grund des Ausfalls dieser Prüfung und der vorhergegangenen Revision hat die vorgesetzte Be- hörde nunmehr bei dem Herrn Minister die Anerkennung der Anstalt als neunstufige Oberrealschule mit der Berechtigung zur Erteilung des Reifezeugnisses beantragt. Wird diesem Antrag stattgegeben, woran nach Lage der Verhältnisse nicht zu zweifeln ist, so ist damit der Ausbau der Anstalt vollendet, und diese wird fortan die einzige Ober-— realschule der Stadt sein, da die Oberrealschulklassen des Reformrealgymnasiums an der Oranienstraße mit diesem Jahre wegfallen. Über die persönlichen Verhältnisse der Abiturienten s. S. 19.
Zu der Schlußprüfung, die dieses Jahr zum letzten Male in der ausgedehnten Form einer besonderen schriftlichen und mündlichen Prüfung abgehalten wurde, meldeten sich 45 Untersekundaner, die vom 25. Februar bis 1. März die schriftliche Prüfung ablegten. Die mündliche fand am II1. März unter dem Vorsitz des Direktors statt. Mit Ausnahme dreier Schüler konnte sämtlichen Prüflingen die Reife für Obersekunda und damit die wissenschaftliche Befähigung zum einjährig-freiwilligen Dienst zugesprochen werden. Von diesen 42 Schülern beabsichtigen 25 zu einem praktischen Berufe überzugehen, während 17 in die Obersekunda übertreten wollen.
4. Das Lehrerkollegium.
Infolge des weiteren Ausbaus der Anstalt traten mit Beginn des Schuljahres 3 Ober- lehrer neu in das Kollegium ein und zwar die Herren Dr. Meyer:) von Duisburg-Ruhrort, Mager²) von Gummersbach und Bleisch⁴) von hier, sodaß die Zahl der festangestellten Lehrkräfte an der Anstalt 27 beträgt.
¹) Ernst Meyer, 1876 zu Rinteln geboren, besuchte das Gymnasium daselbst bis Ostern 1894. Darauf studierte er in Marburg Philologie, wurde dort 1898 zum Doktor promoviert und bestand 1899. die philologische Staatsprüfung. Nach Ableistung der beiden Vorbereitungsjahre war er ein halbes Jahr als wissenschaftlicher Hilfslehrer an dem jetzigen Reform-Realgymnasium in Wiesbaden tätig und genigte dann seiner militärischen Dienstpflicht als Einjähriger bei dem Schützenregiment in Dresden. Nach weiterer einjähriger Tätigkeit als wissenschaftlicher Hilfslehrer in Boppard und St. Wendel wurde er auf ein halbes Jahr zu Sprachstudien nach Frankreich beurlaubt. Im Herbst 1905 als Oberlehrer an dem Realgymnasium zu Duisburg-Ruhrort angestellt, wurde er Ostern 1909 an die Oberrealschule zu Wiesbaden berufen.
²) Theodor Mager, geb. 1874 zu Cassel, besuchte von 1884 bis 1893 das Friedrich-Wilhelmsgymnasium zu Cöln, studierte von 1893— 1897 in Bonn evangelische Theologie und legte die beiden theologischen


