— 18—
VI. Chronik der Anstalt.
Theodor Sebastian
Schüler der Obertertia.
geboren am 15. August 1914— gestorben am 3. Juni 1929
Wenige Tage nach den Pfingstferien, am 3. Juni 1929 erhielt unsere Schulgemeinde die schmerz- liche Nachricht, daß der Obertertianer Theodor Sebastian, den wir in blühender Gesundheit hatten in die Ferien gehen sehen, infolge einer Blinddarm-Entzündung nach einem Leiden von wenigen Tagen verschieden sei. Der so früh Verstorbene, ein treuer Kamerad und ein tüchtiger, strebsamer Schüler, der noch in den letzten Stunden seines Lebens an seine Schulpflichten dachte, war Lehrern und Mit- schülern in gleicher Weise ans Herz gewachsen. Die Schule versammelte sich am 5. Juni, nach der 3. Stunde, in der Aula zu einer Gedächtnisfeier, in der sein Ordinarius Studienrat Zahn ein Bild von seinem Lebensgang und seinem Charakter zeichnete. Am Nachmittage gaben wir ihm auf dem schön gelegenen Friedhof seines Taunusdörfchens Wildsachsen die letzte Ehre. Mitglieder des Lehrer- kollegiums, sämtliche Klassengenossen und eine große Zahl von Vertretern der anderen Klassen stan- den an seinem Grabe. Der Direktor sprach ein Abschiedswort, seine Mitschüler sangen einen Choral, und sein Klassengenosse Weber sprach ein von ihm selbstverfaßtes Gedicht. Die Klassengefährten haben dem Bild ihres verstorbenen Kameraden in ihrer Klasse einen Ehrenplatz gegeben. Wir alle werden den lieben Entschlafenen in treuem Andenken behalten.
Lehrer und Schüler.
Das Schuljahr begann am Mittwoch, dem 10. April 1929 und endete am Mittwoch, dem 9. April 1930.
Vorträge und Führungen.
Wie in den Vorjahren wurde der Unterricht durch Führungen und Vorträge ergänzt und ver-— tieft. Herr Zeichenlehrer Jäckel setzte seine kunstgeschichtlichen Führungen und Besichtigungen fort. Herr Studienrat Dr. Manns besuchte mit den Schülern der Obersekunda mehrere Male das hiesige Altertumsmuseum im Rahmen des Geschichtsunterrichts.
Am 7. Dezembar bot sich den Schülern der Oberprima unter Leitung des Herrn Studienrat Zahn eine Gelegenheit, neuzeitliche Stellwerksanlagen kennenzulernen. Herr Eisenbahnoberingenieur Dressel hatte sich in liebenswürdiger Weise dazu bereit erklärt, in einem damals im Bahnhof Wies- baden-Biebrich stehenden Lehrwagen der Reichsbahn an einem betriebsfähigen Modell die Wirkungs- weise der Stell- und Verriegelungsvorrichtungen der Weichen und die Abhängigkeit zwischen Weichen- und Signalstellhebeln vorzuführen. Ein kurzer Besuch in einem Stellwerk des Bahnhofs Wiesbaden- Biebrich bildete den Abschluß der lehrreichen Ausführungen des Herrn Oberingenieurs Dressel, dem auch an dieser Stelle der aufrichtige Dank der Teilnehmer an der Besichtigung ausgesprochen sei.
Am 4. Juli 1929 hielt Herr A. Kosler aus Berlin den Schülern der vier oberen Klassen einen Lichtbilder-Vortrag über Farbenphotographie.
Am 14. September 1929 sprach Herr Pfarrer Dr. Koth aus Hermannstadt aus Anlaß der Werbe- woche des V. D. A. über Land und Leute in Siebenbürgen.
Am 17. Februar 1930 hielt der Unterprimaner Grossmann einen Lichtbilder-Vortrag über die Ostpreußenfahrt rheinischer Schüler, an der er teilnehmen durſte.
Am 20. März 1930 hielt Herr Astronom Dr. Kaiser, ein früherer Schüler unserer Schule, in
dankenswerter Weise einen Lichtbilder-Vortrag über Kosmische Welten, zu dem der Verein ehemaliger Schüler und die Oberklassen unserer Schule geladen waren.


