144—
Schülerselbstverwaltung. Gegen das vorige Jahr sind keine wesentlichen Ande- rungen eingetreten, es kann daher auf den Bericht des Jahres 1924/25 verwiesen werden- Im allgemeinen neigen unsere Schüler dazu, ihre eigenen Interessen selbst zu wahren und sie nicht besonders gewählten Ausschüssen zu übertragen; auch haben sie glücklicherweise so viel] Vertrauen zu ihren Lehrern, daß sie sich gern an ihren Klassenleiter, in besonderen Fällen an ihren Berater unter den Lehrern oder an den Direktor wenden. Im übrigen wurde jede Gelegenheit benutzt, namentlich bei den Schülern der oberen Klassen, sie zu selb- ständigem Handeln für die Interessen der Gesamtheit zu erziehen.
Die aufgabenfreien Nachmittage wurden mit Wanderungen, Spiel, Schwimmen und Wintersport(Eislauf, Rodeln, Schneelauf) ausgefüllt. Ihre Durchführung wird stark be- einträchtigt durch den Mangel an geeigneten Spielplätzen in Wiesbaden. Erschwerend kommt hinzu, daß die Verteilung der Plätze durch die Städt. Schulverwaltung geschieht, wobei wir als staatliche Anstalt ins Hintertreffen kommen. Im Sommerhalbjahr hatten wir nur einen Nachmittag einen gänzlich unzureichenden Spielplatz, im Herbst war es besser, da wir an einem Nachmittag einen guten, an einem anderen Nachmittag einen weniger günstigen erhielten. Ganz schlimm ist es für uns seit Februar geworden, als die Engländer einen großen Teil der Sportplätze beschlagnahmten. Augenblicklich haben wir einen Platz nur an zwei Vormittagen von 11—1 Uhr, an Nachmittagen überhaupt nicht mehr, sodaß, soweit das Spielen in Frage kommt, von einer Durchführung der Bestimmungen nicht mehr die Rede sein kann. Ganztage wurden im Berichtsjahre 6 freigegeben.— Zu den Reichsjugend- Wettkämpfen im Juli stellten wir 3 Kampfrichter, 3 Riegenführer und 29 Bewerber. Von letzteren wurden 25 Sieger, davon 5, welche die Ehrenurkunde mit der Unterschrift des Reichspräsidenten von Hindenburg erhielten.
Das Schulschwimmen wird am staatlichen Realgymnasium seit Dezember 1923 regelmäßig gepflegt. An jedem Mittwoch, Sommer und Winter, wurden Schwimmnachmittage im städtischen Hallenbad bezw. in der Schwimmsportanlage des Schwimm-Klub Wiesbaden 1911,(im Schiersteiner Hafen) dessen Jugendabteilung 85 Schüler(über ⅛ der gesamten Schülerzahl der Anstalt) angehören, abgehalten. Die Schwimmsportanlage wurde im Juni 1925 eröõffnet.
Der Trockenschwimmunterricht wurde jeweils zu Beginn des neuen Schuljahres von den Turnlehrern der Anstalt in einigen Turnstunden erteilt. Die Ausbildung im Wasser erfolgte dann durch den stellvertretenden Zeichenlehrer der Anstalt, Herrn Christ, unter dessen Leitung im letzten Schuljahr 42 Schüler, meist aus IV und III, das Schwimmen er- lernten. Die Beteiligung der Schule an schwimmsportlichen Veranstaltungen war äußerst rege. Zum Schwimmunterricht, der freiwillig mitgenommen werden kann, wurden in diesem Jahre bereits 14 Schüler der neuen Sexta(9—10 Jahre) zugelassen.
Die Schülerspeisungen wurden durch Vermittlung des städtischen Wohlfahrtsamts bis Pfingsten und dann vom 21. Oktober 1925 bis Ende März 1926 aus städtischen Mitteln durchgeführt. Gereicht wurde Kakao oder warme Milch und Brötchen. Es nahmen im Sommer- 29, im Winterhalbjahr 27 Schüler teil, deren jeder als Entgelt 5 Pfg. für die Mahl- zeit entrichtete.
Der Schulgeldsatz betrug für Einheimische und Auswärtige 120 Mk. Eintrittsgeld 5 Mk. Ausländer zahlten das Doppelte. Für besonderen Unterricht im chemischen Labo- ratorium von Primanern 30 M. Das Schulgeld ermäßigte sich für das zweite der eine höhere Schule(einschl. Hochschule) besuchenden Kinder des gleichen Erziehungsberechtigten um


