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Beim Scheiden aus dem Dienst wurden den beiden verdienten Männern auch Allerhöchste Anerkennungen zuteil: Herr Geheimerat Breuer erhielt den Roten Adler-Orden 3. Klasse mit der Schleife, Herr Professor Henrich den Kronen-Orden 3. Klasse.
Die Leitung der Anstalt wurde mit dem 1. Oktober 1910 dem unterzeichneten Professor Sachse¹) übertragen, als Lehrer der Chemie trat in das Kollegium Herr Oberlehrer Hertlein²) ein.
Der Gesundheitszustand des Lehrerkollegiums war, von der langen Erkrankung des Herrn Professor Ruppel im Sommer 1910 abgesehen, im allgemeinen günstig. Ihn vertrat Herr Dr. Szymanski. Die sonstigen Ausfälle von Lehrkräften konnten durch das Kollegium gedeckt werden. Auch der Gesundheitszustand der Schüler wich nicht vom Durchschnitt ab. Durch den Tod verloren wir in sehr jugendlichem Alter einen braven Schüler der VI, Willy Manske. Er starb am 13. Juli 1910 an den Folgen eines Armbruchs mit hinzu- getretener Blutvergiftung. Die in den Ferien anwesenden Kameraden und Freunde und bis- herigen Lehrer gaben ihm das letzte Geleit.— Am 5. Februar 1911 starb der frühere lang- jährige Pedell Giegerich hochbetagt; am Begräbnis beteiligten sich Lehrer der Anstalt, denen er aus seiner Dienstzeit her wohlbekannt war.
Im Sommer 1910 wurden von den einzelnen Klassen grössere und kleinere Ausflüge und Märsche unternommen. In Begleitung des Direktors gingen am 25. und 26. Juni zwölf Schüler der OI zum Laacher See, wo ihnen Pater Willibrord vom Kloster Maria-Laach wieder ein liebenswürdiger Führer durch Kirche, Kloster und Okonomie war. Am 27. August machte der Turnverein seine Rheinfahrt nach Aſsmannshausen und Rüdesheim mit Mittagessen im Jagdschloſs, begleitet von Freunden und Lehrern der Anstalt. Am 15. September gingen die Klassen OI und 0II nach der Bergstraſse(Felsberg), UI an die Nahe nach Kirn und Kreuznach, UIla nach der Bergstraſse(Frankenstein), UIIb nach Hohenstein, O III auf den Feldberg., UIII nach der Eisernen Hand, IV auf die hohe Kanzel, V über die Platte nach der Eisernen Hand, VI nach dem Altenstein. Auſserdem unternahmen die verschiedenen Wandervögel zahlreiche Sonntagsausflüge, anch 10 mehrtägige Fahrten bis zu 28 Tagen Dauer(Lüneburger Heide und Ostsee, Schwarzwald), an denen sich Schüler aller hiesigen höheren Lehranstalten beteiligten, am regsten die 14 bis 16 jährigen. Es ist sehr erfreulich,
1) Karl Sachse, geboren am 5. März 1866 zu Hechingen in Hohenzollern, besuchte Michaelis 1878 bis Michaelis 1884 das Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin, studierte in Berlin und Tübingen Mathematik und Naturwissenschaften, bestand Januar 1891 das Examen pro facultate docendi in Berlin, genügte seiner Dienstpflicht beim 3. Garde-Regiment z. F. in Berlin vom 1. April 1891 bis dahin 1892. Das Seminarjahr legte er am Königstädtischen Realgymnasium zu Berlin 1892/93, das Probejahr am Realgymnasium zu Pots- dam 1893/94 ab. Am 1. Juli 1893 wurde er Hauslehrer der Prinzen Söhne Seiner Majestät des Kaisers und Königs, ging als solcher Ostern 1896 mit diesen nach Plön in Holstein an die Prinzenschule zu Plön, an der er bis Herbst 1910 tätig war. Michaelis 1906 wurde er am Königlichen Kaiserin Auguste Viktoria-Gymnasium zu Plön angestellt und unterrichtete dort gleichfalls bis Herbst 1910. 1896 erhielt er den Titel Oberlehrer, 1904 das Prädikat Professor. Er ist Oberleutnant im 3. Garde-Landwehr-Regiment.
²) Georg Hertlein, geboren am 14. Dezember 1881 zu Hersfeld, erwarb das Reifezeugnis am Gym- nasium zu Hersfeld Ostern 1900, studierte 1900 bis 1904 in Marburg Mathematik und Naturwissenschaften, bestand die Lehramtsprüfung Juli 1905 zu Marburg; das Seminarjahr, Herbst 1905/06, legte er an der Ober- realschule in Kassel, das Probejahr zur Hälfte dort, zur andern am Gymnasium in Hersfeld Herbst 1906/07 ab, blieb als Hilfslehrer in Hersfeld bis Sommer 1909, kam als solcher Sommer 1909 nach Diez, von dort als Oberlehrer am 1. Oktober 1910 an die Anstalt.


