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Fortsetzung des Probejahres und gleichzeitig zur Vertretung des für längere Zeit erkrankten Herrn Professors Ruppel kam der Kandidat Herr Dr. Szymanski am 22. April an die Anstalt. Mit dem Schluſs der Sommerferien verlieſs Herr Zeichenlehrer Clausen, der den beurlaubten Zeichenlehrer Herrn Braband seit Michaelis 1909 während seines Aufenthalts an der Malerakademie zu Düsseldorf vertreten hatte, unsere Anstalt, Herr Braband kehrte zurück. Gleichzeitig trat zur Fortsetzung seines Probejahres und zur Vertretung des beurlaubten Herrn Professors Henrich Herr Dr. Schindehütte in das Lehrerkollegium ein. Dieser und der seit Michaelis 1909 hier tätige Probekandidat Herr Wickensack beendeten Michaelis ihr Probejahr und gingen nach Ems und Dortmund. Der Kandidat Herr Dr. Szymanski muſste am 1. Oktober sein Probejahr unterbrechen, um seiner einjährig-freiwilligen Dienst- pflicht beim hiesigen Füsilierregiment v. Gersdorff zu genügen.
Die wichtigste Anderung brachte der l. Oktober 1910 für die Anstalt durch das gleich- zeitige Scheiden des bisherigen langjährigen Herrn Direktors, des Geheimen Regierungsrats Professor Heinrich Breuer und des ältesten Lehrers, des Herrn Professor Ferdinand Henrich. Beide traten in den wohlverdienten Ruhestand.
Herr Geheimerat Breuer hatte sein Amt als Direktor Anfang Januar 1895, im Jubiläumsjahr des Königlichen Realgymnasiums, anzutreten. Aulser den laufenden Dienst- geschäften hatte er die umfangreichen Vorbereitungen für das Jubiläum Pfingsten 1895 zu leiten und seiner Anregung und seinem rührigen Werben verdanken wir das Bestehen der Jubiläums-Stiftung zur Unterstützung würdiger Abiturienten des Realgymnasiums. Die wachsende Schülerzahl der beiden königlichen Anstalten machte bald die Prrichtung einer neuen Turnhalle erforderlich, sie wurde im Jahre 1898 infolge der Bemühungen des Direktors bewilligt, am 6. Mai 1900 konnte sie dem Gebrauche übergeben werden. Auch für den dringend nötigen Umbau des chemischen Laboratoriums setzte er sich ein, und im Winter 1900/1901 wurde das jetzige Laboratorium, das grolse Verbesserungen prachte, mit erheblichem Kostenaufwand hergestellt. In den nächsten Jahren wurden unter seinem Direktorat die Aula und das Lehrerzimmer neu hergerichtet und der Fuſfspodenbelag in allen Schulräumen erneuert. Wie Herr Geheimerat Breuer so für die Verbesserung der Schulräume stets eifrig bemüht war, hat er auch für seine Schüler mit nimmer müder Liebe gesorgt, er war ihnen allen stets ein väterlicher Freund. In seiner rüstigen Kraft und steten Arbeitsfreudigkeit war er seinen Schülern und Kollegen immer ein starker Führer, ein leuchtendes Vorbild.
Aufs engste mit der Geschichte der Anstalt verknüpft war mehr als ein Menschenalter lang das Wirken des Herrn Professors Ferdinand Henrich. Am 1. Januar 1865 trat er als Reallehrer in das Lehrerkollegium des Realgymnasiums ein und hat somit länger als 45 Jahre als Lehrer der Mathematik und Naturwissenschaften an ihm gewirkt. Von seinem hohen wissenschaftlichen Streben zeugen eine Reihe verdienstlicher Veröffentlichungen aus den Gebieten der Physik, Chemie, Mineralogie und Geologie. Getreu den stolzen Überlieferungen des nassauischen Realgymnasiums führte er seine Schüler tief hinein in den reichen Schatz und die exakten Methoden naturwissenschaftlicher Forschung, sein chemisches Institut in der Anstalt war sein besonders vertrautes und geliebtes Wirkungsfeld. Wie es die Spuren seiner jahrzehntelangen ernsten wissenschaftlichen und lehrenden Arbeit stets bewahren wird, so werden auch viele Generationen von Schülern in dankbarer Erinnerung und Verehrung an das zurück denken, was sie in seinem Reiche lernen und arbeiten durften.


