66
Kassel, den 21. November 1885. Mitteilung einer Ministerialverfügung vom 12. No- vember 1885, welche die Pflichten der Schule gegenüber der Schwerhörigkeit von Schülern bezeichnet.
Kassel, den 14. Dezember 1885. Mitteilung der Ministerialverfügungen vom 23. No- vember 1885 und vom 12. Dezember 1885, wodurch es bezüglich der Lehranstalten und Schulen als selbstverständlich betrachtet wird, daſs bei dem Wiederbeginn des Unterrichts nach den Weihnachtsferien zur Feier der 25 jährigen Regierung Seiner Majestät des Kaisers und Königs eine der hohen Bedeutung des Jubiläums entsprechende Schulfeier stattfinde.
III. Chronik der Schule.
Das Schuljahr wurde am 17. April morgens 7 Uhr, nachdem tags vorher die Aufnahme- prüfung abgehalten worden war, in den einzelnen Klassen durch Gebet und Vorlesen der Gesetze eröffnet. Eine Eröffnung in gemeinsamer Versammlung erschien bei der in Wiesbaden herrschen- den Masernepidemie, während noch die Entscheidung darüber schwankte, ob zu der gedachten Zeit überhaupt die Schulen Wiesbadens wieder eröffnet werden sollten, bedenklich.
Deshalb wurden auch die neueintretenden wissenschaftlichen Hülfslehrer, Dr. Pfeiffer und Lautz, sowie Probandus Dr. Lehmann nur in denjenigen Klassen vorgestellt, in welchen ihnen Unterricht zugewiesen worden war. Der dem wissenschaftlichen Hülfslehrer Gerlach erteilte Auftrag zur Versehung einer Lehrerstelle wurde auf das Sommersemester 1885 ausgedehnt.
Vom 24. bis 28. April 1885 untersuchte der Professor der Augenheilkunde Herr Dr. Schmidt-Rimpler aus Marburg im Auftrag Sr. Excellenz des Herrn Kultusministers die Augen sämtlicher Schüler. Die Resultate dieser Untersuchung sind von Herrn Professor Sch.-R. in einer besonderen Schrift niedergelegt.
Am 4. Juni fiel der Unterricht wegen des Fronleichnamfestes aus.
Die Lage der Hauptferien mulste infolge der in Wiesbaden herrschenden Nervenfieber- epidemie verändert werden. Auf Anordnung der vorgesetzten Behörde wurden die Schulen am 9. Juli geschlossen und erst am 17. August die Wiedereröffnung gestattet. Dann wurden noch anderthalb Wochen Ferien vom 28. September bis 7. Oktober genehmigt.—
Unter den Schülern unserer Anstalt haben die vorgekommenen Krankheitsfälle das ge- wöhnliche Mals nicht erheblich überschritten. Doch hat die Anstalt den Tod eines wohlgearteten. hoffnungsvollen Knaben, des Quartaners Paul Platzhoff zu beklagen, der am 14. Juli 1885 am Typhus verstarb. Wenige Tage später traf eine andere Trauerbotschaft ein, daſs der Ober- tertianer Ernst Dieterich, ein gutbegabter und gutgearteter Schüler, beim Baden in der Mosel am 18. Juli 1885 ertrunken war. Endlich starb am 29. März an Lungenenzündung der Untersekundaner Otto Flindt, ein durch Fleils und gutes Betragen ausgezeichneter Schüler.
Vom 18. pis 25. August wurde die schriftliche und
am 18. September unter dem Vorsitze des Herrn Provinzialschulrats Dr. Lahmeyer die mündliche Maturitätsprüfung abgehalten.


