VII. Geſchichte der Anſtalt.
. Beginn des Sommerſemeſters und Aufnahme der neu eintretenden Schülerinnen: Mon⸗— tag, den 2. Mai. Die Pfingſtferien dauerten vom 3. bis 13. Juni. Am 1. Juni trat Herr Lautz, am 4. Juli Fräulein Bader in die Anſtalt ein und verließ dieſelbe Fräulein Kreidel, die in der kurzen Zeit ihrer Wirkſamkeit verſtanden hat, ſich die Achtung der Schülerinnen in hohem Grade zu erwerben..
Die Herbſtferien dauerten vom 7. September bis 4. October, am 5. Oktober begann das Winterſemeſter.
— Am 9., 10. und 11. November wurde von den Herren Regierungs⸗ und Schulräthen Kretſchel aus Kaſſel und Bayer in Wiesbaden und der dazu beſtellten Prüfungscommiſſion das Lehrerinnenexamen abgehalten. Es hatten ſich gemeldet und beſtanden dieſe Prüfung 6 Candidatinnen des Lehramtes; eine von ihnen, eine Schülerin der Töchterſchule, mit Nr. 1. Dieſe Prüfung wird von nun ab laut Erlaß des Königl. Provinzial⸗Schulkollegii vom 6. Juli 1870 ſtändig im Herbſte zu Wiesbaden an der Töchterſchule ſtattfinden. 7
Die Weihnachtsferien dauerten vom 23. December bis 3. Januar.
Am 26. December ſtarb Frau Wittwe Scheuer, Induſtrielehrerin der Anſtalt; die Lehrer geleiteten ſie zum Grabe; von einer Theilnahme der Schülerinnen am Leichenbegängniß mußte wegen der ungünſtigen Witterung Abſtand genommen werden.
Vom 9. bis 13. Februar wurde die jährliche Schulviſitation durch Herrn Schulinſpektor Rektor Polak abgehalten.
An den Tagen, welche uns die Kunde jener großen Ereigniſſe, der Capitulationen von Sedan und Paris, brachten, wurde die Schule freigegeben; zur Feier des Friedens wurde am 3. März eine kleine Feſtlichkeit mit Geſang der Schülerinnen und Anſprache des Rektors veranſtaltet.
Am 22. März wurde der Geburtstag Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs von der Anſtalt mit Geſang, Deklamationen der Schülerinnen und Rede des Rektors über„die Stellun Elſaß⸗Lothringens in der deutſchen Geſchichte“ feſtlich begangen. Alle übrigen, ſonſt üblichen Schulfeſte unterblieben theils des Kriegs, theils der beſchränkten Räumlichkeiten wegen; dagegen betheiligten ſich die Schülerinnen fleißig bei der Anfertigung von Lazarethgegenſtänden und Sammlungen, indem ſie ſo ihren beſcheidenen Tribut der Dankbarkeit denen abzutragen ſuchten, die mit Gottes Hülfe ſo Großes für das Vaterland erkämpft haben.


