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IV. Geſundheitszu ſtand.
Im verfloſſenen Schuljahr waren die Verſäumniſſe ganz außerordentlich zahlreich; namentlich im letzten Semeſter kam es nicht ſelten vor, daß der vierte Theil einer Klaſſe fehlte. Mag auch der ungewöhnlich ſtrenge Winter zuweilen eine Entſchuldigung geboten und Rückſichten auferlegt haben, ſo will es doch dem Unterzeichneten ſcheinen, als ob in manchen Fällen ohne beſonders zwingende Gründe die Kinder zu Hauſe behalten worden wären. Wie ſtörend dieſes auf den Unterricht wirken muß, und wie wenig dadurch im Kinde ſelbſt der Begriff von der Wichtigkeit der Schule erhalten wird, iſt jedem Einſichtigen klar; die Bitte möge aber erlaubt ſein, einerſeits nur in dringenden Fällen zu geſtatten, daß die Schule verſäumt wird, und anderentheils das Zurückbleiben, welches bei längeren und wiederholten Verſäumniſſen nothwendig eintreten muß, nicht der Schule zur Laſt legen. Ernſthafte Krankheiten oder Todesfälle kamen im verfloſſenen Schuljahre bei keiner Schülerin vor; in dieſer Beziehung waren wir alſo beſonders glücklich. Einzelne wenige längere Verſäumniſſe wurden außerdem dadurch bewirkt, daß die Wohnhäuſer der betreffenden Schülerinnen während der Pockenepidemie für inficirt erklärt waren; auch ein Lehrer mußte deßhalb ſeinen Unterricht eine Zeit lang ſiſtiren und durch Uebernahme ſeiner Stunden von Seiten der Herren des Lehrercollegiums erſetzt werden.
Im Lehrercollegium hatten wir ein lang anhaltendes Leiden des Lehrers Diehl zu beklagen; derſelbe mußte für einen großen Theil des Sommers und nach den Herbſtferien bis zum 1. Januar be⸗ urlaubt werden, hat auch von da an erſt wieder einen, indeß den größten Theil ſeines Unterrichts über⸗ nommen; die dadurch eingetretene Lücke konnte bei der Bereitwilligkeit der übrigen Collegen, Lehrer wie Lehrerinnen, ſo wie der mit lobenswerthem Eifer geleiſteten Hülfe der Aſpirantinnen ohne Mühe, wenn auch nicht ohne bedauernswerthe Zertheilung einzelner Fächer unter mehrere Lehrkräfte, ausgefüllt werden. . Am 26. Dec. 1870 ſtarb Frau Wittwe Scheuer, unſere langjährige Induſtrielehrerin, plötz⸗ lich an einem Schlaganfall; ſie hatte noch bis zur letzten Stunde vor Jahresſchluß unterrichtet; um ſo tiefer mußten die Schülerinnen ihren Verluſt fühlen, als ſie mit Beginn des neuen Jahres ſo unerwartet ihre Stelle verwaiſt fanden.— An der Töchterſchule wirkte ſie ſeit Beginn des Schuljahrs 1858/59 mit unermüdlichem Eifer und treuem Fleiß; ihre Freudigkeit in Ausübung ihres Berufes, ihre Bereit⸗ willigkeit, alle Schülerinnen nach Kräften zu fördern und zu unterſtützen, erwarben ihr die Liebe der⸗ ſelben; das Andenken an ſie wird von allen, die ihr nahe ſtanden, Lehrern wie Schülerinnen, treu be⸗ wahrt bleiben. 3
nachſchrift. Am 22. März ſtarb nach nur zweitägigem Krankenlager Cornelie v. Hadel, Schülerin der III. Kl. Lehrer wie Mitſchülerinnen fühlen ſchmerzlich ihren frühzeitigen unerwarteten Tod; ſie war ein vor⸗ trefflich beanlagtes fleißiges Mädchen, tadellos in ihrem ganzen Verhalten. Ihr Andenken wird uns unvergeßlich ſein.—


