III. Jahresbericht.
Das Schuljahr nahm am 4. April seinen Anfang. Die Ferien dauerten Pfingsten vom 9. bis 20. Mai, im Sommer vom 18. Juli bis 19. August, Michaelis vom 27. September bis 10. Oktober, Weihnachten vom 20. Dezember bis zum 3. Januar.:
Im Personalbestande des Lehrerkollegiums traten mehrfache Veränderungen ein. Die wissen- schaftlichen Hilfslehrer 1. Herr Thiemeyer, 2. Herr Aumüller, 3. Herr Ohly und 4. IHerr Dr. Mirgel wurden an das Gymnasium 1. in Limburg, 2. in Montabaur, 3. in Oberlahnstein, 4. an die hiesige Studienanstalt überwiesen. Als unbesoldeter Hilfslehrer kam Herr Dr. Faltin an das Königliche Gymnasium. Ihr Probejahr begannen Ostern 1913 Herr Dr. Minor und Herr Dr. Raudnitzky. Hilfslehrer Herr A. Schnell erhielt die in eine etatsmäßige ilfslehrerstelle umgewandelte letzte Oberlehrerstelle, Zeichenlehrer Herr Philipp Eymer vertrat von Ostern an den beurlaubten Zeichenlebrer Herrn K. Schmidt, und Ililfslehrer Herr Dr. Krämer im September den zu einer militärischen Ubung einberufenen Hilfslehrer Herrn Schnell. Im Winterhalbjahr waren beurlaubt die Herren: Prof. Dr. Adam, Prof. Bücheler, Prof. Selvers und Prof. Seipp; von Neujahr an Prof. Dr. Heymach. Mit ihrer Stellvertretung waren beauftragt die Herren Hilfslehrer E. Becker, Kolb, Dr. Krämer, A. Köhler und Gotthardt. Am 1. Oktober schied nach segensreicher Wirksamkeit Zeichenlehrer Herr Karl Schmidt aus dem Dienst. Seine Majestät verlieh ihm den Kronenorden IV. Klasse. An seine Stelle trat Zeichenlehrer Herr Görsch ¹). Am 1. April 1914 treten die Herren Professoren Dr. Adam und Bücheler in den Ruhestand, nachdem sie durch eine Kabinettsordre vom 19. März zu Geheimen Studienräten ernannt worden sind.
Der erstere war 47 Jahre als Kollaborator, Gymnasiallehrer, Oberlehrer, Professor und stell- vertretender Direktor— zuletzt als Senior der Professoren in Hessen-Nassau— an unserer Anstalt, der letztere nach rühmlicher Teilnahme an den Feldzügen von 1866 und 1870/71 mit dem 7. bzw. 8. Feld-Artillerie-Regiment als Mathematiklehrer am Kölner Marzellen-Gymnasium, von 1872— 1878 im Elsaß und dann ohne Unterbrechung in Wiesbaden tätig. Beide erfreuten sich großzer Wert- schätzung; sie waren beliebte Amtsgenossen und pflichteifrige Lehrer. Möge ihnen ein recht langes otium cum dignitate beschieden sein!
Der Gesundheitszustand des Lehrerkollegiums war nicht immer befriedigend, Vertretungsstunden und Verschiebungen im Unterrichtsverteilungsplan störten wiederholt den regelrechten Schulbetrieb. Die Schüler blieben im allgemeinen von Krankheiten verschont. Zwei schwere Verluste sind zu beklagen: Der stellvertretende Zeichenlehrer Herr Philipp Eymer, ein lebensfroher, hoffnungs- voller junger Mann, wurde wenige Wochen vor dem Eintritt in das hiesige Infanterie-Regiment am 16. September vom unerbittlichen Tod dahingerafft, und am 26. Oktober starb der Untersekundaner Fritz Hees, heralich betrauert von seinen Angehörigen und der Schule.
Eine günstige Gelegenheit zur Übung in den neueren Sprachen bot sich bei dem fremdsprach- lichen Vortragscyklus in der Städtischen Oberrealschule.
Ausflüge und Schulfeste brachten Abwechslung in das Alltagsleben.
Auf Allerhöchsten Befchl führte im April ein Pionierkommando in der Nähe der Saalburg Verschanzungsarbeiten nach römischem Muster auf. Die oberen Klassen besichtigten am 18. April diese Anlagen und erhielten in liebenswürdigster Weise von den Herren Offizieren schätzenswerte Aufklärungen. Besonderer Dank sei dem Herrn Hauptmann Stille vom Pionier-Bataillon 21 hier ausgesprochen.
¹) Görsch, Alfred, geb. 24. April 1877 zu Werdershausen in Anhalt, evangelisch, besuchte das Kgl. Seminar zu Delitzsch, war von 1900— 1901 an der deutschen Schule zu Neapel, einer Realschule und Höheren Töchterschule, dann in Halle a. S. und Cassel beschäftigt, wo er nach einem Studium von 6 Semestern an der Kgl. Kunstakademie zu Cassel die Zeichenlehrer-Prüfung für Höhere Lehranstalten ablegte. Von 1910 bis 1. Oktober 1913 wirkte er als Zeichenlehrer an der Städt. Oberrealschule zu Erfurt.
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