Jahrgang 
1913
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Am 25. August beging Ilerr Professor Dr. Adam in ungebrochener Frische des Geistes und Kraft des Körpers seinen 70. Geburtstag. Der Direktor sprach ihm im Namen des Kollegiums herzliche Glückwünsche und den Dank der Anstalt aus. Er hat scit dem Jahre 1867 am Gymnasium gewirkt. Seinen Mitarbeitern war er stets ein Vorbild gewissenhafter und getreuer Pflichterfüllung; wissenschaftlich selbst tätig war er unablässig bemüht sich weiterzubilden. Von den Früchten seiner ausgebreiteten und vielscitigen Bildung haben viele IIunderte von Schülern Gewinn und Anregung empfangen.

Am 28. September 1912 erhielt der scitherige Leiter der Anstalt, Herr Dr. Alwin Schmidt, den ehrenvollen Ruf als Provinzialschulrat nach Magdeburg. Sein Weggang bedcutet einen schweren Verlust für die Anstalt. Von Anbeginn seiner siebenjährigen, segensreichen Tätigkeit hat er, erfüllt, von idealem Streben, unermüdlich in der Arbeit, scharfen Auges und vornehmer Gesinnung nach vielen Richtungen hin anregend gewirkt. Vor allem ist es ihm gelungen, dem Lchrerkollegium die Berufsfreudigkeit zu erhalten und zu stärken, in den Schülern die Lust zum Lernen zu wecken. Die dankbare Jugend ehrte den väterlichen Freund durch einen stattlichen Fackelzug. Die guten Wünsche des Lehrkörpers gelciteten den Scheidenden in den neuen Wirkungskreis. Möge er auch in dem jetzigen Amte, das ihm noch höhere und verantwortungsvollere Aufgaben stellt, ein dankbares und befriedigendes Arbeitsfeld für die reichen, ihm verliehenen Gaben finden.

Die feierliche Einführung des neuen Direktors) fand am 3. Januar 1913 durch den Direktor des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums, Ilerrn Ober- und Geheimen Regierungsrat Dr. Paehler statt.

Am 27. Januar wurde durch einen Festakt in der Turnhalle Kaisers Geburtstag gefeiert Die Festrede hielt Professor Spamer.

Am 10. März fand die vaterländische Gedenkfeier zur Erinnerung an die ruhmreiche Er- hebung unseres Volkes vor 100 Jahren statt. Die Festrede hatte der Berichterstatter übernommen.

*) Melchior Thamm, geboren am 6. Januar 1860 zu Schlaupitz, Kr. Reichenbach i. Schlesien, besuchte das evangel. Gymnasium zu Schweidnitz und studierte alsdann 4 Jahre klassische Philologie, Archäologie und Germanistik auf den Universitäten Tübingen, Breslau und Halle. An der zuletzt genannten Hochschule erwarb er sich im Sommer 1885 den philosophischen Doktortitel und bestand am 4. und 5. Februar 1887 das Examen pro fac. doc. Mitte März trat er am Bischofl. Gymnasium in Strafsburg das Probejahr an und wirkte an derselben Anstalt als Hilfslehrer bis Ostern 1890 und als Oberlehrer bis Neujahr 1900. Gleichzeitig hörte er an der Kaiser-Wilhelms-Universität neusprachliche, geschichtliche, erdkundliche, rechts- und staats- wissenschaftliche Vorlesungen. Am 22. Mai 1897 unterzog er sich mit Erfolg der ersten juristischen Staats- prüfung am Oberlandesgericht in Colmar, nachdem ihn ein Jahr vorher die rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Würzburg geprüft und zum Doktor beider Rechte ernannt hatte. Neujahr 1900 wurde er als Lehrer der neueren Sprachen an das Kadettenhaus Bensberg berufen. Ostern 1902 beantragte er seine Versetzung an das Kadettenhaus in Karlsruhe, um im dortigen General-Landesarchiv das reiche Quellenmaterial zur kurpfälzischen und badischen Geschichte benutzen zu können. Am 25. Mai 1902 wurde ihm der Charakter als Professor verliehen. Am 17. Juli 1903 erfolgte seine Wahl zum Direktor des Städtischen Kaiser Wilhelms Gymnasiums in Montabaur. Diese Anstalt leitete er bis zum 31. Dezember 1912. Vom 1. Oktober 1909 bis 31. März 1910 war er zu einer Studienreise nach Kleinasien, Griechenland und Italien beurlaubt.

Am 21. Oktober wurde er zum Königl. Gymnasialdirektor ernannt und am 3. Januar 1913 als Direktor des Kgl. Gymnasiums in Wiesbaden eingeführt.