Jahrgang 
1912
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Mit groſser Freude darf ich von der Gründung einer neuen Stiftung berichten, welche die Anstalt in die Lage setzt, ärmeren Schülern kleine Unterstützungen zuteil werden zu lassen. Bisher verfügte das Gymnasium nur über die Otto-Stiftung(vgl. Abschnitt VI), eine seltsame Dürftigkeit, wenn man das Alter, die Gröſse der Anstalt und die Wohlhabenheit der Kreise berücksichtigt, aus denen ein groſser Teil ihrer Schüler stammt. Nun hat die Mutter eines früheren Schülers hochherzig ein kleines Kapital geschenkt mit der Bestimmung, dals aus ihm bei Ausflügen aller Art, die von der Anstalt unternommen werden, ärmere Schüler kleine Beihilfen zu den Unkosten erhalten sollen. Im Anschluſs an diese willkommene Gabe hat der Unterzeichnete an die Eltern früherer Schüler, die an der Anstalt das Reifezeugnis erlangt haben, die Bitte gerichtet, durch einen freundlichen Betrag diese Summe verstärken zu helfen. Eine Anzahl von ihnen hat dieser Bitte entsprochen und zum Teil recht stattliche Zuwendungen gemacht. Insbesondere sei die reiche Spende freudig hervor- gehoben, die aus Coblenz uns übersandt worden ist. Allen gütigen Spendern sei im Namen der Anstalt herzlichst gedankt. So ist schon jetzt die Gymnasialleitung in der Lage, manchem ärmeren Schüler die Teilnahme an grölseren Klassenausflügen zu erleichtern, und die Hoffnung besteht, dals die Stiftung von Jahr zu Jahr wachsen wird.

Auch die Otto-Stiftung hat wiederum, wie schon in den vorhergehenden Jahren, von gleicher Seite eine freundliche, mit herzlichem Dank erwiderte Gabe empfangen.

Im Laufe des Jahres durfte das Lehrerkollegium an bedeutsamen Jubiläumsfeiern mehrerer hochverehrter Mitglieder teilnehmen. Am 1. April 1911 waren 30 Jahre verflossen, seitdem Herr Professor Spamer zunächst als wissenschaftlicher Hilfslehrer an unserer Anstalt angestellt worden ist, der er von da an ununterbrochen seine reiche Kraft gewidmet hat; und am 1. Oktober 1911 konnte Herr Professor Dr. Thomae sein 30 jähriges Jubiläum als Oberlehrer der Anstalt feiern, der er schon vom 1. Oktober 1879 an als Hilfslehrer angehört hatte. Die volle Hingabe, die von groſsem Erfolge begleitete sachliche Tüchtigkeit, die edle Humanität ihrer Gesinnung, womit beide unermüdlich ihren schönen, aber schweren Beruf ausgeübt haben, spiegeln sich so recht in der herzlichen Zu- neigung und Verehrung wieder, die ihnen von Kollegen und Schülern gleichmälsig gezollt werden; und so fanden die innigen Glückwünsche des Lehrerkollegiums für Vergangenheit und Zukunft der hochgeschätzten Männer ein vielseitiges Echo.

In diesem Zusammenhange sei in dankbarer Verehrung noch eines Ereignisses gedacht, das zwar nur mittelbar mit der Jahresgeschichte der Anstalt zusammenhängt. Am 21. März dieses Jahres beging der Direktor des Kgl. Provinzial-Schulkollegiums in Cassel Herr Ober-Regierungsrat Geheimrat Dr. Paehler in vollendeter Frische des Geistes und Körpers seinen 70. Geburtstag. 20 Jahre lang, von 1874 bis 1894, war er der Direktor des Wiesbadener Gymnasiums. Ihm hat er die volle Kraft, seiner blühenden Mannesjahre, seine vielseitige geistige Begabung, zumal seine ungewöhnliche pädagogische Befähigung in rastloser Hingabe gewidmet und einen hohen, überall anerkannten Auf- schwung der Anstalt herbeigeführt. Als Provinzial-Schulrat, insbesondere als Dezernent über die Angelegenheiten des Wiesbadener Gymnasiums und als Leiter des gesamten höheren Schulwesens der Pprovinz Hessen-Nassau hat er nicht aufgehört, die Interessen der Anstalt auf das tatkräftigste zu fördern. So ist diese ihm wegen seiner über ein Menschenalter sich erstreckenden grolsen Verdienste um sie zu innigstem Danke verpflichtet; und wenn das Lehrerkollegium schon an seinem Geburtstage selbst seinen Gefühlen und Wünschen warmen Ausdruck verliehen hat, so sei dem hochverehrten Manne doch auch an dieser Stelle mit dem geziemenden Danke der herzliche Wunsch geweiht, dals seinem bisherigen hochverdienten, arbeits- und wirkungsreichen Leben noch eine lange gleichartige Fortsetzung beschieden sein möge.