Jahrgang 
1910
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III. Jahresbericht.

Das Schuljahr begann am 19. April 1909 und endet am 19. März 1910. Die PFerien hatten folgende Dauer: Pfingsten: Freitag den 28. Mai bis Montag den 7. Juni; Sommer: Freitag den 16. Juli bis Dienstag den 17. August; Herbst: Sonnabend den 2. Oktober bis Donnerstag den 14. Oktober; Weihnachten: Donnerstag den 23. Dezember 1909 bis Freitag den 7. Januar 1910; Ostern: Sonnabend den 19. Mär, bis Montag den 4. April. Der Sommer bot nur einmal Anlals der Hitze wegen den Unterricht auszusetzen; im Winter fiel einigemal der Nachmittags-Unterricht aus, damit die diesjährigen kärglichen Winterfreuden von den Schülern wenigstens nach Möglichkeit genossen werden konnten.

Das Lehrerkollegium erfuhr bedeutende Anderungen in seiner Zusammensetzung. An Stelle des in Ruhestand übergetretenen Herrn Professors Range trat Herr Dr. Bickel,*) der zum Ober- lehrer ernannt wurde. Die durch das Ausscheiden des Herrn Lehrers Paul erledigte Stelle wurde mit Herrn Gesanglehrer Barsch**) wiederbesetzt. Aber auch der Tod rils plötzlich eine schmerz- liche Lücke in das Lehrerkollegium. Am 19. September verschied jäh an einem Herzschlage Herr Lehrer Güll,**) der bei allen Lehrern und Schülern gleich beliebt, nun durch seinen Tod die lebhafteste Trauer erweckte. Unter Beteiligung der ganzen Schule und eines ungewöhnlich grolsen Trauergefolges wurde er am 22. September auf dem Nordfriedhofe beigesetat. Welche Stellung er sich in seiner fast 30 jährigen Lehrertätigkeit am Gymnasium errungen hat, wie hoch seine lautere, treue und tüchtige Persönlichkeit geschätzt wurde, das kam bei dieser Peier zu innigem Ausdruck. Das Lehrerkollegium hat ihm folgenden öffentlichen Nachruf gewidmet: Seit Ostern 1870 im Lehr- amt tätig, hat er seit dem Jahre 1880 dem Lehrerkollegium unserer Austalt angehört. In dieser langen Zeit har er, vorbildlich durch Pflichteifer, durch Zuverlässigkeit und Gradheit des Charakters, durch Wärme und Klarheit der Gesinnungen, mit Freudigkeit stets die ganze Kraft eingesetzt für seinen schönen, aber schweren Beruf. Vielen Generationen von Schülern hat er mit glücklichem Erfolge Liebe und Verständnis für die Natur in ihren unendlichen Erscheinungen und Schönheiten eingeflöſst; mit einem Herzen voll tiefen Glaubens hat er sie zum Guten erziehen helfen und mit Segen gewirkt aus der Kraft seines vielseitigen Wissens und seiner sicheren UÜberzeugungen. Auch für die körperliche Wohlfahrt und Kräftigung der Jugend hat er als Purnlehrer unermüdlich geschafft. Uns war er allezeit ein lieber Mitarbeiter und getreuer Freund... An seine Stelle wurde Herr Lehrer A. PhilippiJ†) von der hiesigen Gutenbergschule berufen.

Auch den Tod zweier wackerer und hoffnungsvoller Schüler hatten wir zu beklagen; der eine, der Untersekundaner Eduard Worbs starb am 24. April nach langem qualvollen Leiden, der andere, der Quartaner Udo Graf Uxküull-Gyllenband stürzte am 6. November mit dem Pferde und war wenige Stunden darauf eine Leiche. Beiden gaben Lehrer und Kameraden das letzte Geleite.

Der französische Lehramtsassistent Herr Grémilly setzte seine Sprechübungen mit den Schülern bis zum Herbste fort und wurde dann durch Herrn Guilpin ersetzt, der aber leider schon nach einem Monate aus Gesundheitsgründen séine Tätigkeit aufgeben muſste.

*Ernst Bickel, geboren am 8. 10. 1880 zu Wiesbaden bestand die Reifeprüfung am Kgl. Kaiser- Friedrichs-Gymnasium in Frankfurt a. M., erwarb den Doktorgrad in Marburg, wo er auch die Staatsprüfung ablegte. Seine Vorbereitungszeit verbrachte er an den Gymnasien von Cassel und Wiesbaden.

**) Ludwig Barsch geboren am 26. 7. 1880 zu Gertzen in Hannover, hat seine Lehrerprüfungen an den Seminaren in Alfeld und Northeim, seine Turnlehrerprüfung in Göttingen, seine Prüfung für den Gesaugs- unterricht an höheren Lehranstalten an der Akademie in Charlottenburg abgelegt; Lehrer war er in Waake bei Göttingen.

rn) Jacob Güll, geboren am 10. 4. 1851 zu Holzappel im Unterlahnkreis, hat seine Lehrerprüfungen an dem Seminar in Usingen, seine Turnlehrerprüfung an der Zentralturnanstalt in Berlin abgelegt. 3 Semester lang war er Zuhörer am Chemischen Laboratorium Presenius hier. Lehrer war er an den Volksschulen in Esch, Biedenkopf, Wiesbaden und seit dem 1. April 1880 am hiesigen Kgl. Gymnasium.

) Adolf Philippi, geboren am 23. 8. 1878 zu Usingen, hat auf dem Seminar in Usingen seine Lehrerprüfungen, auf der Turnlehrer-Bildungsanstalt in Berlin die Turn- und Schwimmlehrerprüfung bestanden. Als Lehrer war er tätig in Usingen, Dörscheid, Altweilnau, Biebrich, Wiesbaden.