Jahrgang 
1894
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von Turnstunden dadurch ermöglicht werden könne, dass die Zahl gleichzeitig turnender Schüler vermehrt würde, doch haben wir geglaubt von diesem Auswege absehen zu sollen, da wir dann eine Art des Turn- betriebes hätten aufgeben müssen, die sich bei uns durchaus bewährt und günstige Ergebnisse gebracht hat. Unser Turnen ist Klassenturnen, bei welchem der Turnlehrer zugleich Vorturner für die ganze Abteilung ist und die turnerische Ausbildung jedes einzelnen Schülers stets im Auge behalten kann. Nur beim Kürturnen und bei den UÜbungen des Turnvereins(s. oben S. 15) bedient er sich der Hilfe von Vorturnern, die er aus den Schülern ausgewählt hat. Es liegt auf der Hand, dass bei einem wohl eingerichteten Klassenturnen bessere Resultate erzielt werden als bei dem Massenturnen; auch wird dabei die Aufrechthaltung von Zucht und Ordnung erleichtert, und endlich ist die Gefahr in verdorbener Luft zu üben wesentlich verringert. Nach unserer Ansicht ist es empfehlenswerter, dass die Schüler wöchentlich nur zwei Stunden turnen, wenn die Abteilungen von mäſsigem Umfange sind und die Übungen bei guter Ordnung und in reiner Luft vorgenommen werden, als dass die dritte Stunde hinzugefügt wird, sofern das nur unter einer Verschlechterung der genannten Bedingungen geschehen kann. Hierin liegt der Grund, weshalb unsere Schüler die vorgeschriebene Zahl von Turnstunden bis jetzt noch nicht erhalten. Nur für die Klassen Sexta bis Tertia war es möglich, im Sommersemester drei Wochenstunden anzusetzen, indem dann zwei Klassen gleichzeitig turnten, von denen die eine in der Halle, die zweite unter Leitung eines anderen Lehrers auf dem der Halle vorliegenden kleinen Hofraum beschäftigt wurde. Natürlich war dies aber bei eintretendem Regen und während des ganzen Winterhalbjahres nicht angängig.

Wir haben uns für verpflichtet gehalten, den Eltern von dieser Sachlage Kenntnis zu geben, da wiederholt Anfragen an uns ergangen sind, weshalb seitens der Anstalt nicht die vorgeschriebene Zahl von Turnstunden erteilt werde. Die Notwendigkeit, in der Sorge für die leibliche Ertüchtigung der uns anvertrauten Jugend noch weiter zu gehen als bisher, erkennen wir rückhaltlos an. Wenn irgendwo, so ist es gerade in unserer Stadt bei der Eigenart des hiesigen Lebens dringend geboten, der Verweichlichung und Verwöhnung des heranwachsenden Geschlechtes entgegenzutreten, auf die Stählung seiner körperlichen Kraft und Frische bedacht zu sein und deshalb Turnen und Bewegungs- spiel nachdrücklich zu fördern. Dies ist jedoch nur dann ausführbar, wenn der Platz dazu vorhanden ist und die erforderlichen Einrichtungen getroffen sind. Der Berichterstatter wird nicht aufhören dem bezeichneten Ziele nachzustreben, obwohl sein Plan vorderhand gescheitert ist. Er würde es freudig und dankbar begrüssen, wenn auch die Eltern und Freunde der Jugenderziehung der Sache ihre Teilnahme schenken und mitwirken wollten, dass die Erwerbung eines Turn- und Spielplatzes wie die Erbauung einer zweiten Turnhalle zustande kommt.

5) Die Pfingstferien dauerten vom 21. bis zum 29. Mai.

6) Am 15., 16., 19. und 20. Juni, am 3. und 7. Juli und am 11. August wurde der Nachmittags- unterricht wegen grosser Hitze ausgesetzt.

7) Am 27. Juni wurde der Anstalt durch den Tod Hans v. Schouler, ein Schüler der Quarta, entrissen, der durch gutes Betragen, lobenswerten Fleiſs und reiche Begabung zu den schönsten Hoffnungen berechtigte. Er starb an den Folgen von Gelenkrheumatismus und Herzerweiterung. Seine Lehrer und Mitschüler gaben ihm am 29. Juni das Geleit zur letzten Ruhestätte.

8) Mitte Juli erkrankte der Elementarlehrer Schmitt an einem ernsten Nervenleiden, das ihn zwang sich zunächst bis Schluſs des Sommersemesters, dann bis 1. Januar und endlich bis Ostern Urlaub zu erbitten. Mit seiner Vertretung wurde vom 1. Oktober ab der Lehrer L. Paul beauftragt, der bis dahin zu Steineberg im Unterlahnkreise angestellt war.

9) Der Oberlehrer Seipp und der unbesoldete Hilfslehrer Steubing waren vom 31. Juli bis 25. September zu einer militärischen Dienstleistung als Reserve-Offiziere eingezogen.

10) Die Herbstferien dauerten vom 14. August bis zum 19. September.

11) Am ersten Oktober schied aus dem Lehrerkollegium der Hilfslehrer Dr. Koch, da er zum Oberlehrer am Realprogymnasium in Biedenkopf befördert war. Zu seinem Nachfolger ernannte das Provinzial- Schulkollegium den Hilfslehrer Bosse in Marburg. Der Zeichenlehrer Kreutzer wurde auf seinen Antrag zum 1. Januar in Ruhestand versetzt und zugleich vom 1. Oktober an beurlaubt. Es gelang erst vom 1. November ab einen Vertreter für ihn zu finden und zwar in der Person des Lehrers Karl Jacobi von der Elementarschule an der Bleichstrasse. Derselbe übernahm den Zeichenunterricht in den Klassen Quinta, Quarta und Untertertia. In der Obertertia und Selecta muſste der Unterricht ausfallen. Die erledigte Stelle hat das Provinzial-Schulkollegium von Ostern d. J. ab dem Zeichenlehrer Karl Schmidt in Rinteln übertragen.

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