3. Übersicht über die während des Schuljahres 1893/94 durchgenommenen Lehrpensa.
Oberprima.
Ordinarien: Cötus A: Prof. Dr. Müller. Cötus B: Oberlehrer Seipp.
1. Religionslehre: a) Eoangelische. C. A u. B kom-
biniert. 2 St. Glaubens- und Sittenlehre im An- schluss an die Augustana und an das apostolische Glaubensbekenntnis. Erklärung des Evangeliums nach Johannes unter Heranziehung synoptischer Parallelen, besonders der Bergpredigt. Gelegent- liche Wiederholung früherer Pensa. Spiefs.
b) Katholische. 2 St.(zusammen mit I, 2): Übersicht über die Glaubenslehre. Erster Teil der Glaubenslehre ausführlicher nach Wedewers Grund- riss. Wedewer.
2. Deutsche Sprache: C. A und B je 3 St.— C. A:
Litteraturkunde: Goethe und Schiller nebst deren berühmtesten Zeitgenossen, sowie bedeutendere neuere Dichter. Lektüre: Lessings Hamburgische Dramaturgie mit Auswahl, im Anschluss daran das Wichtigste aus der Aristotelischen Poetik, Shakespeares Macbeth, Schillers Wallenstein und Goethes Torquato Tasso.— Wiederholung der auf Unterprima gelernten Gedichte; neu memoriert wurden einzelne Stellen aus dem Lesestoff, Vor- träge über Leben und Werke der Dichter nach eigener Ausarbeitung. Aufsätze; mündliche und schriftliche Dispositionsübungen.
Themata der Aufsätze:
1. Unglück selber taugt nicht viel, Doch hat's drei gute Kinder: Kraft, Erfahrung, Mitgefühl.(Klassenaufsatz.)
2. a) Die Treue im Nibelungenliede.
b) Die Treue in der Gudrun.
3. Das Leben ist ein Kampf.
4. Inwiefern besteht ein Unterschied zwischen dem Charakter Macbeths und dem seiner Gattin?(Nach Shakespeares Macbeth.)
5. Dass wir Menschen nur sind, der Gedanke
beuge das Haupt dir, Doch dass Menschen wir sind, hebe dich freudig empor.(Klassenaufsatz.)
6. Welches sind die Folgen der Unordnung?
7. Inwiefern gleichen sich Schillers Wallenstein und Shakespeares Macbeth?
8. Lebensbeschreibung.
9. Worin bestand die Wiedergeburt Preulsens nach der Schlacht bei Jena und Auerstädt? (Prüfungsaufsatz.) Schlaadt.
C. B: Litteraturkunde: Lebensbilder Goethes und Schillers und ihrer berühmtesten Zeitgenossen, sowie bedeutenderer neuerer Dichter.— Lektüre: Lessings Hamburgische Dramaturgie mit Auswahl, im Anschluss daran das Wichtigste aus der Aristo- telischen Poetik; Shakespeares Koriolan; Goethes Torquato Tasso und Abschnitte aus Goethes Faust und dessen Dichtung und Wahrheit; Schillers Wallenstein und dessen Vorlesung über Universal-
geschichte; Proben aus der Prosa unserer be- deutendsten Klassiker.— Wiederholung der auf Unterprima gelernten Gedichte; neu memoriert wurden einzelne Stellen aus dem Lesestoff.— Vorträge über Leben und Werke deutscher Dichter nach eigener Ausarbeitung.— Aufsätze. Es wurde die Lehre von der Gedankenordnung in Verbindung mit den Grundlehren der Logik behandelt. Münd- liche und schriftliche Dispositionsübungen.
Themata der Aufsätze: 1. Was einmal sein mufs, wird nie zu früh ge-
than.(Aus Rückerts Makamen.) 2. Gedankengang im Prolog zu Schillers Wallen- stein.
3. a) Warum ist Schillers Wallenstein ein tragischer Charakter? b) Warum gehört zur Bildung eine Vertraut- heit mit der vaterländischen Geschichte? (Klassenaufsatz.)
4. Licht- und Schattenseiten des Winters.
5. Es ist kein mittelmäfsiges Los im Mittel- stande zu sein.(Shakespeares Kaufmann von Venedig.)(Klassenaufsatz.)
6. Wie hat Goethe in seinem Torquato Tasso die dramatischen Einheiten beobachtet?
7. Wie erklären sich die Widersprüche in Koriolans Charakter?
8. a) Eine Lebensbeschreibung.
b) 2 Dispositionen.
9. Inwiefern war Napoleon I. selbst der Urheber
seines Sturzes?(Prüfungsaufsatz.) Spiefs.
3. Lateinisch: 6 St.— Lektüre a) poetische. C. A u. B zusammen 2 St. Horaz Oden, Buch I und II. Satir. I, 9 und II, 1. Epist. I, 1 und 2.
Paehler. b) prosaische: 3 St.— C. A: Ciceros Rede für Sestius, Tacitus Histor. B. I.— Extemporieren aus Livius B. 33— 36. Müller.
C. B: Ciceros erste und zweite philippische Rede, Tacitus Annalen B. II. Extemporieren aus Livius B. 27— 30. Otto.
Schriftliche Ubungen: 1 St.— Alle 14 Tage ein Extemporale, Exercitium oder Übersetzung aus dem Lateinischen; bisweilen eine lateinische Inhalts- angabe von einem gelesenen Abschnitte. Münd- liche Übungen und Wiederholungen.
Müller. Otto.
4. Griechisch: 6 St.— Lektüre: a) poetische: Im Sommer: Sophokles Ajax. Das Wichtigste aus der Metrik. UÜbersicht über die Geschichte des
griechischen Dramas. Paehler. Im Winter: C. A: Homers Ilias Buch 13—24. Müller.
C. B: Homers Ilias B. 16—24. Otto.


