3. Übersicht über die während des Schuljahres 1892/93 durchgenommenen Lehrpensa.
Oberprima.
Ordinarien: Cötus A: Oberlehrer Bücheler. Cötus B: Professor Otto.
1. Religionslehre: a) Erangelische. C. A und B je
2 St.— C. A: Glaubens- und Sittenlehre im An- schluss an die Augustana, Art. I—XVI, XVIII u. XX. Kurze Erläuterung der drei alten Symbole. Kirchengeschichtliche Wiederholungen. Gelesen wurden ausgewählte Abschnitte der Paulinischen Briefe. Kirchenjahr, Lieder, Sprüche. Lohr. C. B: Glaubens- und Sittenlehre im Anschluss an die Confessio Augustana und an das apostolische Glaubensbekenntnis. Erklärung des Hebrüerbriefs sowie einiger in der Sittenlehre angezogenen Ab- schnitte des neuen Testaments. Gelegentliche Wiederholungen früherer Pensa. Spiefs. b) Katholische. 2 St.(zusammen mit I, 2): Zweiter Teil der Glaubenslehre nach Wedewers Grundriss. Wiederholungen. Wedewer.
2. Deutsche Sprache: C. A und B je 3 St.— C. A:
Litteraturkunde: Goethe und Schiller nebst deren berühmtesten Zeitgenossen sowie bedeutendere neuere Dichter im Anschluss an das Hilfsbuch von Herbst. Lektüre: Lessings Hamburgische Drama- turgie, Einleitung und Schluss sowie Stück 29—33; 36— 50 und 73—83. Im Anschluss an die letzt- genannten Stücke wurde das Wichtigste aus des Aristoteles Poetik mitgeteilt. Gelesen wurden ferner die schwereren philosophischen Gedichte Schillers und Goethes, Schillers Braut von Messina, Goethes
Iphigenie auf Tauris und Torquato Tasso, Shakespeares Julius Cäsar und Koriolan.— Memoriert wurden: Goethes Zueignung, aus
Iphigenie der Anfangsmonolog und einzelne Stellen aus Tasso. Wiederholung der in I, 2 gelernten Gedichte. Freie Vorträge über Leben und Werke unserer bedeutendsten Dichter. Übersicht über die verschiedenen Arten der Dichtung. Dispositions- übungen.
Themata der Aufsätze:
1. Welche Redekünste wendet Antonius in Shakespeares Julius Cäsar an, um das Volk gegen die Mörder Cäsars aufzustacheln?
2. Aus welchen Gründen bekämpft Lessing Corneilles Rodogüne?(nach der Hamburgischen Dramaturgie.)
3. Klassenaufsatz: Inwiefern bestätigt die neuere deutsche Geschichte des Dichters Spruch: Der Jungen That, der Alten Rat
Macht Krummes grad?
4. Ein Vollendetes hienieden Wird nie dem Vollendungsdrang;
Doch das Herz ist nur zufrieden, Wenn es nach Vollendung rang.
5. Inwiefern ist der Grundgedanke von Goethes Iphigenie in den Worten enthalten: Alle menschlichen Gebrechen Sühnet reine Menschlichkeit? 6. Warum wendet sich Iphigenie schmerzerfüllt an die Götter mit den Worten: Rettet mich und rettet Euer Bild in meiner Seele? (Klassenarbeit.) 7. Charakter Tassos, nach Goethes Torquato Tasso. Lebensbeschreibung. Prüfungsaufsatz: Sagt Goethe mit Recht: Was gelten soll, muss wirken und muss dienen? Adam. C. B: Litteraturkunde: Lebensbilder Goethes und Schillers und ihrer berühmtesten Zeitgenossen sowie bedeutenderer neuerer Dichter.— Lektüre: Lessings Hamburgische Dramaturgie mit Auswahl, im Anschluss daran die wichtigsten Kapitel der Aristotelischen Poetik; Shakespeares Koriolan; Schillers Braut von Messina; Goethes Iphigenie auf Tauris und Torquato Tasso sowie der Anfang des Faust.— Memoriert wurden Goethes Zueignung, der Anfangsmonolog und das Parzenlied aus dessen lphigenie; einige Chorlieder aus der Braut von Messina sowie einzelne Abschnitte aus Schillers philosophischen Gedichten; die in der vorigen Klasse gelernten Gedichte wurden wiederholt.— Vorträge: Uber Leben und Werke deutscher Dichter nach eigener Ausarbeitung.— Aufsätze: Ls wurde die Lehre von der Gedankenordnung in Verbindung mit den Grundlehren der Logik behandelt.
Themata der Aufsätze:
SgG
1. Inwiefern ist die Entbehrung die Schule grofser Männer?(Klassenaufsatz.) 2. Wilhelm I. ein Vorbild für die deutsche Jugend. 3. Was lehrt Lessing in seiner Dramaturgie über die Fabel der Tragödie? 4. Unaufhaltsam enteilet die Zeit. Sie sucht das Beständ'ge. Sei getreu, und du legst ewige Fesseln ihr an. (Klassenaufsatz.) 5. Die erhebenden Lebensbilder nach den Chor- liedern in Schillers Braut von Messina. 6. Worin besteht der Segen der Arbeit? 7. Lebensbeschreibung. 8. Der Siege göttlichster ist das Vergeben. (Grössere Disposition.) 9. Sagt Goethe mit Recht: Heilig sei dir der Tag; doch schätze das Leben nicht höher Als ein anderes Gut, und alle Güter sind trüglich?(Prüfungsaufsatz.) Spiefs.
3. Lateinisch: C. A u. B je 6 St.— Lektüre a) poetische:
2 St. Horaz' Oden, Buch I und II. Epist. I, 1 und 2. Paehler.


