1. Religionslehre: a) Erangelische.
3. Übersicht über die während des Schuljahres 1888/89 durchgenommenen Lehrpensa.
Oberprima.
Ordinarien: Cötus A: Im Sommer: Direktor Dr. Paehler.
Im Winter: Prorektor Prof. Otto. Cötus B: Gymnasiallehrer Klau.
2 St.— Gelesen wurde im Urtexte der erste Brief des Johannes und die Bergpredigt.— Beendigung der Glaubens- lehre und das Wichtigste aus der Sittenlehre.— Repetitionen aus allen Gebieten der Religionslehre. Spiefs. b) Katholische. 2 St.(komb. mit I2). Zweiter Teil der Glaubenslehre nach Wedewers„Grundrifs der Glaubenslehre“ S. 75— 192.— Die wichtigsten Fragen aus der Sittenlehre wurden besprochen.— Der Anfang der Apostelgeschichte wurde in der Vulgata gelesen. Wedewer.
2. Deutsche Sprache: 3 St.— C. A: Litteraturkunde:
Goethe, Schiller und die bedeutendsten Dichter der neueren Zeit, im Anschlufs an das Hilfsbuch von Herbst. Repetition der früheren Abschnitte.— Lektüre: Shakespeares Macbeth; Schillers Braut von Messina sowie einige seiner philosophischen Gedichte; Goethes Lyrik mit Auswahl; Goethes Iphigenie auf Tauris und des Euripides gleich- namiges Drama in deutscher Übersetzung.— Die Poetik des Aristoteles mit Auswahl, sowie einige Abschnitte aus G. Freytags Technik des Dramas.— Zahlreiche, teils schriftliche, teils mündliche Dispo- sitionsübungen, namentlich im Anschlufs an Sen- tenzen der Klassiker.
Themata der Aufsätze:
1. Woher nimmt Homer den Stoff zu seinen Gleichnissen, und wie verwertet er denselben? 2. Warum ist es kein unbedingtes Lob, recht viele Freunde zu besitzen?(Klassenaufsatz.) 3. Der Gedankengang in Goethes„Zueignung“. (Ein Entwurf.) 4. a) Mit welchem Rechte dürfen wir den Charakter Macbeths einen tragischen nennen? b) Wie urteilt Horaz über den Charakter seiner Lyrik?(Prüfungsaufsatz.) 5. Warum sollen wir uns dem Anblicke des Leidens nicht entziehen?(Klassenaufsatz.) 6.„Der Name bleibt allein, wenn alles muss zerstieben; O, lass dem Toten das, was ihm allein geblieben.“ Fr. Rückert. 7. Wie schildert Goethe den Charakter Iphigeniens? 8. Eine ausführliche Lebensbeschreibung. 9. Die beiden Tugendwege. Zwei sind der Wege, auf welchen der Mensch zur Tugend emporstrebt; Schliefst sich der eine dir zu, thut sich der andre dir auf. Handelnd erringt der Glückliche sie, der Leidende duldend. Wohl ihm, den sein Geschick liebend auf beiden geführt!(Klassenaufsatz.)
10.„Hoffnung und Mälsigung, euch verehr' ich auf einem Altare; Jene nur wecket die Kraft, diese nur sichert den Sieg.“ Herder. (Prüfungsaufsatz.) spiefs.
C. B: Einführung in die zweite Blüteperiode der deutschen Litteratur im Anschlufs an das„Hilfsbuch“ von Herbst: Goethe, Schiller und die Dichter der Befreiungskriege. Lektüre: Lessings Hamburgische Dramaturgie I, 29— 32, 36— 50, II, 73— 83 und im Anschlufs daran das Wichtigste über die Theorie der antiken Tragödie nach Aristoteles' Poetik. Die schwereren philosophischen Gedichte Schillers und Goethes; Iphigenie von Goethe(Vergleich mit der Euripideischen), dessen Torquato Tasso; Shakes- peares Julius Cäsar und Koriolan. Vorträge aus dem Gebiete der Litteraturgeschichte und Lektüre. Dispositionsübungen. Die verschiedenen Kunst- formen der Poesie.
Themata der Aufsätze:
1. Welche Bedeutung hat die Person des Grafen Appiani in Lessings„Emilia Galotti“?
2. Inwiefern tadelt Lessing Corneilles Rodogüne?
3. Entspricht der Homerische Achill den An- forderungen, welche Aristoteles in seiner Poetik an den Charakter des tragischen Helden stellt?
4. Unglück selber taugt nicht viel,
Doch hat's drei gute Kinder: Kraft, Erfahrung, Mitgefühl.(Klassenarbeit.)
5. Welche Bedeutung hat die Kunst für die Kultur- geschichte der Menschheit?(Nach Schillers Künstlern.)
6. Wer früh erwirbt, lernt früh den Wert Der holden Güter dieses Lebens schätzen.
(Klassenarbeit.)
7. Inwiefern drückt Goethe den Grundgedanken
seiner„Iphigenie“ in den Worten aus: Alle menschlichen Gebrechen Sühnet reine Menschlichkeit?
8. Ausführliche Lebensbeschreibung.
9. Bescheidenheit Für junges Blut Ein schön Geschmeid Und groſses Gut.
10. Hoffnung ist ein fester Stab Und Geduld ein Reisekleid, Da man mit durch Welt und Grab Wandert in die Ewigkeit.
(Prüfungsaufsatz.)
(Klassenarbeit.)
Adam.
3. Latein: 8 St.— a) Poetische Lektüre: C. A u. B:
Horaz Carm. lib. I und II. 2 St. Paehler.
b) Prosaische Lektüre: 4 St. C. A: Cicero de oratore I, Tacit. histor. lib. IV. Extemporieren aus Livius XXXI ff. Otto.
C. B: Tacitus Germania; Cicero Tuscul. I und II. Extemporieren aus Livius VII und VIII.
Adam.


