3. Übersicht über die während des Schuljahres 1885/86 durchgenommenen Lehrpensa.
Oberprima.
Ordinarien: Cötus A: Direktor Dr. Paehler. Cötus B: Professor Otto.
1. Religionslehre: a) Eoangelische. 2 St.— C. A:
Beendigung der Glaubenslehre, Grundzüge der Sittenlehre.— Gelesen im Urtext das Evangelium des Johannes. Repetitionen aus dem ganzen Ge- biete der Religionslehre. Spiefs.
C. B: Neuere Kirchengeschichte und Repetition der früheren Teile. Das Wichtigste aus der Glaubens- und Sittenlehre. Bibelkunde. Lieder und Sprüche. Lektüre des ersten Korintherbriefes. Lohr.
b) Katholische. 2 St.(komb. mit I 2.) I. Teil der Glaubenslehre: Gottes Einheit und Dreipersön- lichkeit. Die Lehre von der Schöpfung und von der Erlösung.— Neuere Kirchengeschichte.— Wiederholungen aus der Kirchengeschichte und
Apologetik. Wedewer.
2. Deutsche Sprache: 3 St.— C. A: Einführung in die
erste Blüteperiode der deutschen Litteratur. Lek- türe: Das Nibelungenlied wurde ganz gelesen und erklärt; Walther von der Vogelweide mit Auswahl den Schülern vorgeführt; Goethes Iphigenie sowie die Euripideische in deutscher UÜbersetzung; privatim unter Kontrolle des Lehrers: Shake- speares Julius Cäsar und König Lear nach freier Wahl, zuletzt Schillers Ubersetzung der Iphigenie in Aulis(Euripides). Einzelne Abschnitte aus Goethes Iphigenie memoriert. Repetition des Wichtigsten aus Aristoteles' Poetik. Dispositions- übungen.
Themata der Aufsätze:
. Ne multa, sed multum. . a) Warum nimmt die Gastfreundschaft mit zu- nehmender Kultur ab? b) Nur der hat genug, der sich's genug sein läſst. 3. a) Brutus und Cassius, ein seltenes Freundes-
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aar. b) Pie Bedeutung Cäsars für die gleichnamige Tragödie. c) Was bedeuten die Worte in König Lear: „Jeder Zoll ein König?“ d) Lear und Gloster, zwei Bilder gefallener, aber tragischer Grölſse. . Warum gehort ein gewisses Maſs mathematischer Kenntnisse zur allgemeinen Bildung? . Was verstehen wir unter Mitleiden?(Klassen- aufsatz.) . Eine Sentenz aus Sophocles' Ajax(V. 473. 479. 485. 522. 646. 682. 713 nach eigener Auswahl). . Die Heldengrölse des Verräters Hagen, nac dem Nibelungenliede. Das Wesen der Energie. .. Das Antike in Goethes Iphigenie. . Ausfuhrliche Lebensbeschreibung.
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11. Inwiefern wird mit Recht gesagt, daſs unsere Litteratur nicht, wie die Litteratur anderer Nationen, nur eine, sondern zwei klassische Dichterperioden gehabt hat?(Abiturienten- Aufsatz.) Spiefs.
C. B: Kurze Obersicht über die Geschichte der deutschen Sprache und ihre verwandtschaft- lichen Beziehungen zu den übrigen indogermanischen Sprachen. Einführung in die erste Blüteperiode der deutschen Litteratur im Anschlufs an das„Hilfs- buch“ von Herbst. Nibelungenlied, vom Lehrer vor- übersetzt. Walter von der Vogelweide. Neuhoch- deutsche Lektüre: Die schwierigeren philosophi- schen Gedichte Goethes und Schillers, Goethes Torquato Tasso und Iphigenie(Vergleich mit dem Euripideischen Stücke), Shakespeares Macbeth und Julius Cäsar. Vorträge aus dem Gebiete der Lektüre und der Litteraturgeschichte. Dispositions- übungen. Lessing, Hamburg. Dramaturgie II, 73— 83 mit Herbeiziehung der einschlägigen Stellen aus Aristoteles' Poetik.
Themata der Aufsätze:
1. Welches Volk sich selbst empfunden, Ward vom Feind nie überwunden.
2. Welche Bedeutung haben die Worte in Schillers Künstlern:.
„Nur durch das Morgenthor des Schönen Drangst du in der Erkenntnis Land'e?
3. Gern will ich jeden anerkennen,
Der, was er treibt, zum Grund versteht,
Doch den nur weifs ich Freund zu nennen,
Durch dessen Brust ein Zug des Schönen geht. (Klassenaufsatz.)
4. Gedankengang in Schillers Künstlern.
5. Welcher Held des Nibelungenliedes erregt unser besonderes Interesse?
6. Uber Goethes Wort:
„O weh der Lüge! Sie befreiet nicht, Wie jedes andre wahrgesprochne Wort
Die Brust“.(Klassenarbeit).
7. Entspricht der Sophocleische Ajax den An- forderungen, welche Aristoteles in seiner Poetik an den tragischen Charakter stellt?
8. In den Ocean schifft mit tausend Masten der Jüngling.(Klassenarbeit.)
9. Ausführliche Lebensbeschreibung.
10. Segen der Arbeit.(Abiturienten-Aufsatz.) Adam.
3. Latein: 8 St.— a) Poetische Lektüre: C. A und B:
Horaz Carm lib. I und II, Epist. I 1, 2. 2 St. Paechler. b) Prosaische Lektüre: 4 St. C. A: Cicero orat. Phil. I, II. Tacit. Ann. II. Extemporieren aus Sallust. Müller.
C. B: Tacitus Histor. IV; Cicero pro Sestio; Extemporieren aus Livius. Otto.


