Jahrgang 
1934
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A. Die höhere Landwirtſchaftsſchule.

1. Schulziel und Berechtigungen.

Die Landwirtſchaftsſchule Weilburg, die Nachfol⸗ gerin des 1876 aufgehobenen Königl. Landwirt⸗ ſchaftlichen Inſtituts zu Hof Geisberg bei Wies⸗ baden, wurde am 10. Oktober 1876 eröffnet und nach der Ordnung für die preußiſchen Landwirt⸗ ſchaftsſchulen vom 10. Auguſt 1875 eingerichtet.

Da die alte BezeichnungLandwirtſchaftsſchule zu vielen Verwechſelungen Anlaß gab, wurde im Jahre 1927 die neue BezeichnungHöhere Land⸗ wirtſchaftsſchule gewählt. Sie ſoll beſagen, daß dieſe Anſtalt zu den höheren öffentlichen Schulen gehört. Sie beſteht zur Zeit aus 6 Klaſſen, und zwar aus Sexta, Quinta, Quarta, Untertertia, Obertertia und Unterſekunda.

Der Schulbezirk der Höheren Landwirtſchafts⸗ ſchule erſtreckt ſich über die ganze Provinz Heſſen⸗ Naſſau, alſo über die Regierungsbezirke Kaſſel und Wiesbaden. Die Anſtalt iſt die einzige ihrer Art in der Provinz und iſt nicht zu verwechſeln mit denLandwirtſchaftsſchulen(den früheren landwirtſchaftlichen Winterſchulen), die in jedem Kreis beſtehen und die Fachſchulen für den mitt⸗ leren und kleineren bäuerlichen Beſitzſtand ſind. Die Höhere Landwirtſchaftsſchule iſt die Sonder⸗ ſchule für den großbäuerlichen Berufsſtand und für kleinere Gutsbetriebe in Heſſen⸗Naſſau und den angrenzenden Gebieten. Sie ähnelt in ihrer Ein⸗ richtung den Realanſtalten, unterſcheidet ſich aber von ihnen durch den ſtarken naturwiſſenſchaftlich⸗ landwirtſchaftlichen Einſchlag. Dadurch eignet ſie ſich beſonders für ſolche Schüler, die weniger ſprachlich begabt ſind.

Die erſte und vornehmſte Aufgabe der Höheren Landwirtſchaftsſchulen bleibt es, dem deutſchen Landvolk zu dienen durch Erziehung zu Charakter⸗ feſtigkeit, Berufsfreudigkeit und Verantwortungs⸗ bewußtſein. Sie nimmt in erſter Linie ſolche Schü⸗ ler auf, die aus der Landwirtſchaft ſtammen oder ſich ihr ſpäter widmen wollen. Sie weiſt aber auch Schüler aus anderen Berufskreiſen nicht zurück: wer Kaufmann, Handwerker, Techniker werden will, beſonders wenn dieſe Berufe Beziehungen zur Landwirtſchaft haben, wird gerade an der

Höheren Landwirtſchaftsſchule wertvolle Grund⸗ lagen erwerben können. Sie kann daher im wei⸗ teren Sinne als höhere Landſchule angeſprochen werden.

Die gewaltige Umſtellung, in der ſich ſeit dem 30. Januar 1933 unſer geſamtes Volk, vor allem auch die deutſche Landwirtſchaft und das deutſche Erziehungsweſen befindet, nötigt die Höhere Land⸗ wirtſchaftsſchule, ihr bisheriges Erziehungsideal zu überprüfen. Die Uebermittlung eines gediegenen Fachwiſſens war für ſie von jeher nur der kleinere Teil ihrer Aufgabe. Sie hat das Wiſſen auf eine breitere, allgemeine Grundlage geſtellt. Die Höhere Landwirtſchaftsſchule Weilburg war darüber hinaus bemüht, die Urteilskraft und Denkfähigkeit ihrer Schüler zu fördern, damit dieſe ſich ſpäter in allen neuen Lebenslagen zurechtfinden. Der körperlichen Ertüchtigung hat ſie im Rahmen des vorliegenden Lehrplans die größte Sorgfalt gewidmet. Sie wird nunmehr auf dieſem Gebiet durch die völkiſchen Jugendbünde ergänzt. Dem ſchwierigſten Gebiet der Erziehung, der Charakterbildung, muß die Schule im Sinne nationalſozialiſtiſcher Einſtellung in Zu⸗ kunft ganz beſondere Aufmerkſamkeit widmen, und auch hierbei iſt eine Zuſammenarbeit mit dem Elternhaus, den Jugendbünden und der Kirche dringend notwendig. So wird die Höhere Landwirt⸗ ſchaftsſchule bemüht ſein, im Sinne national⸗ ſozialiſtiſcher Weltanſchauung Führer heranzubil⸗ den, die geeignet ſind, der deutſchen Landwirtſchaft und ſomit dem deutſchen Volke zu dienen.

Nach Genehmigung durch den Herrn Miniſter für Landwirtſchaft, Domänen und Forſten werden ſeit Oſtern 1931 auch Mädchen aufgenommen. Es iſt dies inſofern ſehr zu begrüßen, als die Frau im ländlichen Berufsleben von jeher eine beſon⸗ ders wichtige Rolle ſpielt, und ihr daher mög⸗ lichſt viele und gründliche Ausbildungsmöglichkeiten offen ſtehen müſſen.

Ueber die Berechtigungen der Höheren Land⸗ wirtſchaftsſchulen iſt vorläufig folgendes beſtimmt:

1.Das Abſchlußzeugnis der zunächſt ſechs⸗ klaſſigen Höheren Landwirtſchaftsſchulen ſchließt die mittlere Reife ein. 3