Berater und Erzieher gewiß. Wie wenige verſtand er es, als eines Bauern Sohn, mit der kleinbäuer⸗ lichen Bevölkerung ſeiner ſüdweſtdeutſchen Heimat zu denken und zu fühlen. Er kannte die Nöte und Sorgen der Bauern und war bemüht, ihnen mit ganzer Hingabe zu helfen. Auf der anderen Seite erwartete er von ihnen auch Zutrauen und Mitearbeit. Wo ihm dieſe verſagt blieben, oder wo er gar auf Widerſtand ſtieß, und derartige Enttäuſchungen blieben auch ihm nicht erſpart, hielt er mit ſeinem Unwillen nicht zurück. Beſonders von den Leitern ſeiner Beiſpielswirtſchaften erwartete er uneinge⸗ ſchränktes Vertrauen, das ihm auch in weitgehendſtem Maße entgegen gebracht wurde. In vorbildli⸗ cher Weiſe verſtand er es, durch kluge Zurückhaltung alle politiſchen und konfeſſionellen Gegenſätze auszuſchalten, und wenn infolge wirtſchaftlicher Not auch in den Bauernverſammlungen des Oberlahn⸗ kreiſes die Wogen der Erregung hochgingen, war er es, der am eheſten die erhitzten Gemüter beruhi⸗ gen konnte.
Ein Wirtſchaftsberater mit derartigen Fähigkeiten, ſtets einig mit ſeinen Kollegen an der Höheren Landwirtſchaftsſchule, erzielte auch am pädagogiſchen Seminar die ſchönſten Erfolge. Obwohl er ſelbſt noch jung an Jahren war, lernten auch die älteren Kandidaten der Nachkriegszeit gerne von ihm, vor allem wohl deshalb, weil er es verſtand, das„heilige Feuer der Begeiſterung“ zu entfachen und den Blick zu weiten für die Bedeutung des Berufes als Landwirtſchaftslehrer und Berater. Stets erblickte er in den Seminarmitgliedern die Berufsgenoſſen und war trotz einzelner Enttäuſchungen bemüht, ſie auf kameradſchaftliche Weiſe zur Mitarbeit heranzuziehen. Wie gut verſtand er es, nach getaner Arbeit mit ihnen noch in fröhlicher Runde beiſammen zu ſein! Wie belebte er, unverwüſtlich an Kraft des Körpers und des Geiſtes, die Stimmung durch ſeinen Frohſinn und feinen Humor!
Auch in der Schule ſelbſt war ihm Erfolg beſchieden. Und fragt man nach der Eigenart und der Stärke ſeiner Erziehungstätigkeit, ſo lagen ſie nicht in erſter Linie in Einzelheiten der Methodik, für die er bei der drängenden Arbeit der Wirtſchaftsberatung oft nicht viel Zeit erübrigen konnte, ſie lagen vielmehr darin, daß er als echter Lehrer und Erzieher begeiſterungsfähig war. So konnte er ſeinen Schü⸗ lern und Schülerinnen eine Unterrichtsſtunde zum Erlebnis machen und dadurch, bewußt oder unbewußt, das Höchſte erreichen, was man von einem Jugenderzieher überhaupt erwarten kann, die Schüler mitzurei⸗ ßen zum Fühlen, Wollen und Handeln.
So ſehr Adam Weil durch ſeinen Beruf in Anſpruch genommen war, er brachte es als nimmermüder Ar⸗ beiter fertig, ſich auch auf anderen Gebieten zu Nutz und Frommen der Allgemeinheit zu betätigen. Das trat beſonders damals zutage, als er im Sommer des Jahres 1928 durch das Vertrauen ſeiner Kriegska⸗ meraden und der Weilburger Bürger zum Leiter des Ausſchuſſes gewählt wurde, der das Wiederſehensfeſt des 27. und 63. Feldartillerieregimentes vorbereiten ſollte. Auch hierbei verſtand er es meiſterhaft, alle Kräf⸗ te für die gute Sache einzuſpannen, und durch ſeine eigene Begeiſterung und Beredſamkeit alle anderen mit⸗ zureißen und die Veranſtaltung beſtens zu organiſieren.
Und dieſer Mann, der in ſeinem Berufe aufging, der ſich ſeinen Regimentskameraden zur Verfügung ſtellte, der die Leitung des Kriegerverbandes im Oberlahnkreis übernahm, fand bei alledem noch Zeit, ſich ſei⸗ ner Familie zu widmen. Gewiß hätten ſeine Gattin und Kinder ihn gerne noch häufiger in ihrer Mitte geſehen, doch waren dafür die Stunden, die er ſeinen Angehörigen widmete, umſo ſchöner. So ſorgte er auch für ſeine Familie mit der ganzen Tiefe eines echt deutſchen Gemütes.
Aus ſeiner erfolgreichen Tätigkeit in dem ſtillen und ſchönen Naſſauer Land wurde Adam Weil durch den ehrenvollen Auftrag abberufen, ſeine Dienſte dem Preußiſchen Landwirtſ chaftsminiſterium zu widmen. Nur ſchweren Herzens entſchloß er ſich dazu, dieſem Rufe zu folgen, und nur aus dem Gedanken heraus, in Berlin für die deutſche Landwirtſchaft in noch ſtärkerem Maße wirken zu können. Wie ſehr er in Weilburg und im Oberlahnkreis Wurzel gefaßt hatte, zeigte die allgemeine Trauer über ſein Scheiden. Selbſt harten Männern wurde es weh ums Herz, als ſie ſich von ihrem treuen Freund und Berater trennen mußten. Das kam beſonders in einer überfüllten Verſammlung zum Ausdruck, in der die Bauern des Oberlahnkreiſes ſich von ihm verabſchiedeten, und in der ihm der hochbetagte Bürgermeiſter Neu aus Sel⸗ ters ein Ehrengeſchenk des Simmentaler Züchtervereins überreichte.
Die Tätigkeit von Adam Weil als Miniſterialrat iſt in der von Miniſterialdirektor Dr. Arnoldi heraus⸗ gegebenen Gedächtnisſchrift gebührend gewürdigt worden. Hier ſei nur der Tatſache gedacht, daß er auch in ſeinem neuen Wirkungskreis in echt deutſcher Treue all denen zur Seite ſtand, mit denen er von früher her verbunden war. Die Weilburger Landwirtſchaftsſchulen, ſeine früheren Mitarbeiter und die Bauern des Oberlahnkreiſes hatten in ihm jederzeit einen zuverläſſigen Freund und Fürſprecher. Gerne empfing er, trotz überreicher Arbeit, in ſeinem Amtszimmer oder in ſeiner Berliner Wohnung aus dem Naſſauer Lan⸗ de Beſuch, und anderſeits war es eine Freude für ihn, gelegentlich in Weilburg und im Oberlahnkreis einige Tage der Erholung zu finden. Man merkte, wie wohl es ihm tat, wieder einmal Landluſt zu atmen
— 10—


