Jahrgang 
1916
Einzelbild herunterladen

I. Die Schule und der Krieg.

i Nr.

20 volle Monate ſind ſeit Ausbruch des Krieges verfloſſen, und noch immer nicht iſt

ein Ende des gewaltigen Ringens abzuſehen. Weiter tobt der Zweikampf zwiſchen den mächtigſten Völkergruppen der Erde, bis einer der Gegner am Boden liegen wird. Dem Krieg mit Waffen zu Lande, zu Waſſer und in der Luft hat ſich zugeſellt der Kampf der wirtſchaftlichen Kräfte, derart, daß ſelbſt der friedliche Bürger hinter der Front zum tätigen Mitkämpfer geworden iſt. Wir kennen das Ziel unſerer Feinde, in Sonderheit Englands, des Führers der feindlichen Mächte, ihrer treibenden Kraft. Das aufſtrebende Deutſchland ſoll von ſeiner Höhe herabgeſtürzt werden, es ſoll aus der Schar der Großmächte ausſcheiden, damit England weiter die Welt regieren kann. Aber unſere Gegner haben Deutſchlands Macht unterſchätzt, ſie haben die Kraft deutſchen Armes und deutſchen Geiſtes verkannt. Die Hoffnung unſerer Gegner, mit ihrer Uebermacht uns zu zermalmen, iſt zu ſchanden ge⸗ worden; nach bald zweijährigem Kampfe ſteht die Macht Deutſchlands und ſeiner treuen Verbündeten ungebrochen da, und es naht die Zeit, wo wir unſeren zahlreichen Feinden den Todesſtoß geben werden. : Welcher großen Zeit ſind wir Zeugen! Ewig unvergeßlich muß unſerer Jugend das Weltſchauſpiel ſein, das ſich vor ihren Augen abſpielt. Sie lernt daraus aber auch durch eigene Anſchauung, was für Eigenſchaften des Körpers und Geiſtes der einzelne Menſch ſich aneignen muß, um in der Geſamtheit als Volk unüberwindlich zu ſein, ſie lernt, was es heißt, einem großen Volk anzugehören, ſie lernt den Begriff verſtehen von der Vaterlandsliebe und Vaterlandstreue. So dürfen wir hoffen, daß die heranwachſende Jugend durch das Miterleben der großen Zeit ſich fortentwickeln wird zu einem ſtarken Geſchlecht, dem wir Deutſchlands Geſchick anvertrauen dürfen.

Eingedenk der Notwendigkeit, daß auch in Zeiten, in denen draußen die Kriegsfackel lodert, die friedliche Arbeit der Erziehung nicht ruhen darf, ſuchte auch unſere Anſtalt ihrl Aufgabe an der Jugend ſoweit als möglich zu erfüllen. Im großen ganzen iſt es wohe gelungen, wenn auch aus Mangel an Lehrkräften der Unterricht hier und da beſchnitten werden mußte. Das Intereſſe an den Ereigniſſen des Krieges wurde auch im Unterricht hochgehalten, wo und wie ſich Gelegenheit dazu bot. Des öfteren gab ein wichtiger Erfolg an der Front Anlaß, den Schulunterricht zu unterbrechen, um ſo den Schülern die Tat in das Gedächtnis einzugraben. Eine Reihe Schüler trat auch im weiteren Verlauf des Krieges freiwillig ins Heer ein, um an dem großen Werk mitzuhelfen. Von den jetzt 19 Jahre alt werdenden Schülern wurden mehrere für den Heeresdienſt ſchon ausgemuſtert. In den letzten Wochen beteiligten ſich unſere Schüler auch tätig an der Aufbringung der vierten Kriegsanleihe.

Der vorige Jahresbericht ſchilderte in Kürze das Geſchick derer, die als Schüler oder ſonſt mit der Anſtalt in enger Verbindung ſtanden und zum Waffenkampf mit hinausgeeilt waren. Das ſoll auch im diesjährigen Bericht fortgeſetzt werden. Ich beſchränke mich aber darauf, nur diejenigen anzuführen, die ſeit Kriegsausbruch der Schule angehört haben. Das Geſchick aller früheren Schüler ſoll ſpäter gebührend geſchildert werden. Was mir bekannt geworden iſt, iſt folgendes:.

Kuratorium der Anſtalt: Unſer Dezernent bei der Regierung, Herr Regie⸗ rungs⸗ und Schulrat Dr. Grau hat die Folgen der ſchweren Armverletzung, die er ſich im Oktober 1914 zugezogen hatte, noch nicht überwinden können. Er hat die Mitarbeit draußen an der Front aufgeben müſſen, widmet dafür aber ſeine Kraft der Arbeit im Innern.

g

inge

Be, en

rageh