Jahrgang 
1915
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Geſchichte.

Das Schuljahr 1913/14 fand einen tragiſchen Abſchluß. In der Nacht vom 1. auf den 2. April 1914 wurde Direktor Kienitz⸗Gerloff unſerer Anſtalt unerwartet durch einen jähen Tod entriſſen; ſeine ſterblichen Ueberreſte wurden in aller Stille nach Offenbach a. M. zur Einäſcherung überführt. Mit ihm ſchied der zweite Direktor der Anſtalt aus dem Leben. Sein älteſter Kollege und Freund, Prof. Ottmann, widmete ihm folgenden Nachruf:

Am 2. April in der Frühe endete der Direktor unſerer Landwirtſchaftsſchule Prof. Dr. Kienitz⸗ Gerloff ſein Leben. Mit ihm iſt ein Mann von uns geſchieden, der bekämpft und beſchütt, gefürchtet und geliebt, eine hervorragende Stellung in unſerer Stadt ſich mit großem Geſchick errungen und ſiegreich behauptet hat. Am 15. Januar 1851 geboren, lag er dem Studium der Naturwiſſenſchaften auf den Univerſitäten zu Berlin und Heidelberg ob und wuͤrde im Dezember 1873 auf Grund einer DiſſertationBeiträge zur Entwicklungsgeſchichte des Lebermoos⸗Sporogoniums zum Dr. phil. promo⸗ viert. Am Anfange des Jahres 1875 beſtand er in Berlin das Examen pro facuttate docendi, abſol⸗ vierte ſein Probejahr an der Luiſenſtädtiſchen und an der Friedrichs⸗Realſchule daſelbſt und wurde am 1. April 1876 als ordentlicher Lehrer angeſtellt. Zu Oſtern 1878 verließ er Berlin, um an der hieſigen Landwirtſchaftsſchule eine ordentliche Lehrerſtelle anzutreten. Damit war er in ſeinem sse. An einer Landwirtſchaftsſchule, zumal wenn ſie von einem ſo entſchiedenen Freunde der Naturwiſſen⸗ ſchaften wie Matzat geleitet wurde, konnte er ſeine Vorliebe für die Botanik uneingeſchränkt betätigen. Sein Ernſt und Eifer im Beruf, ſein tiefes und umfaſſendes Wiſſen, unterſtützt durch ein ungewöhn⸗ liches Zeichentalent, ſein Streben die Schüler zu eigenen Beobachtungen in der freien Natur, beim Experiment, ſowie am Mikroſkop anzuleiten und aus den Beobachtungen ſie die richtigen Schlüſſe ziehen zu laſſen, hoben ihre Leiſtungen ſehr bald auf ein Niveau, welches die Fachmänner unter den zahlreichen Beſuchern unſerer Landwirtſchaftsſchule in gerechtes Erſtaunen verſetzte. Neben dem Un⸗ rerricht fand er noch Zeit zu einer umfangreichen Schriftſtellerei auf ſeinem Spezialgebiete. Außer ſehr vielen Aufſätzen in populären Zeitſchriften verfaßte er ſowohl methodiſch bedeutſame Lehrbücher und eine Geſamtdarſtellung des ganzen Gebietes ſeiner Wiſſenſchaft von einem beſonderen Stand⸗ punkte aus, als auch endlich eine Reihe ſeldſtändiger Einzelunterſuchnngen, die ihn in Zuſammenhang mit bedeutendſten Männern ſeiner Wiſſenſchaft brachten und ihm deren Wertſchätzung eintrugen. Und trotz dieſer zwiefachen Tätigkeit war er ein Freund der Geſelligkeit. Sich in der jedesmalig beſten Geſellſchaft zu bewegen war ihm ein Lebensbedürfnis, und er war ſich auch der Stärke ſehr wohl bewußt, die ihm aus der Beherrſchung der Umgangsformen erwuchs. Den größten Einfluß hat auf ihn ſein Vorgänger ausgeübt, Matzat. Ihm verdankte er vor allem die eigentliche philoſophiſche Begründung und die Erweiterung ſeiner Lehrkunſt; aus dem Umgang mit ihm iſt ſein bedeutendſtes Werk hervorgegangenDie Methodik des botaniſchen Unterrichts(1904), welche von der geſamten Kritik ſo günſtig aufgenommen wurde, daß er wohl auch jetzt noch als erſte Autorität auf dieſem Gebiete bezeichnet werden kann,. Am 24. Auguſt 1908 ſtarb Matzat; ihm folgte der älteſte Profeſſor, Kienitz⸗Gerloff. Sein Takt und die allgemeine Anerkennung ſeiner wiſſenſchaftlichen Bedeutung beſiegten die Schwierigkeiten, die innerhalb eines Kollegiums aus dem Uebergang von der Parität zur Superiorität ſich leicht ergeben können. Die Schuldisziplin hat er ſtraffer gehandhabt, den Lehrern, entſprechend der allgemeinen Richtung der Zeit, in der Methodik eine größere Freiheit und Verantwortung gelaſſen, der hygieniſchen Ausſtattung der Schulräume eine größere und ſehr notwendige Sorgfalt gewidmet. Wenn er auch die Größe ſeines Vorgängers nicht erreicht hat, mit dem zu rivaliſieren ihm übrigens nie in den Sinn gekommen iſt, ſo hat er doch durch raſtloſes Bemühen eine ungewöhnliche Höhe er klommen; er hat den Erkenntnisſchatz ſeiner Wiſſenſchaft mehrhaft bereichert und die Kunſt, ſie zu lehren, erheblich verbeſſert: ein doppeltes Verdienſt, das auch die Zukunft nicht vergeſſen wird.

Die Leitung der Amtsgeſchäfte bis zur Wiederbeſetzung der erledigten Direktorſtelle übernahm Prof. Dr. Ottmann.

Am 3. April fand unter dem Vorſitz des Herrn Regierungs- und Schulrats Dr. Grau aus Wiesbaden die mündliche Reifeprüfung von 10 Schülern der I. Klaſſe ſtatt.(Siehe 37. Jahresbericht.)

Die Oſterferien dauerten vom 3. April bis 20. April.