I. Die Schule und der Krieg.
Acht volle Monate währt der gewaltige Krieg, den Deutſchland gegen eine Welt von Feinden auszukämpfen hat. Dank der Schlagfertigkeit unſeres Heeres und unſerer Flotte und Dank der wirtſchaftlichen Kraft unſeres Vaterlandes ſind wir mit Gottes Hülfe ſiegreich ge— blieben, und voller Zuverſicht ſehen wir der Zukunft entgegen, allen unſeren Feinden zum Trotz. Daß dieſer Welttrieg, der gewaltigſte aller Zeiten, auch unſeren Schulbetrieb beeinflußt hat, iſt mehr als ſelbſtverſtändlich. Die erſten Mobilmachungstage fielen in den Wiederbeginn der Schule nach den Sommerferien. Bei der aufgeregten Stimmung, die alle Bevölkerungs— kreiſe erfaßt hatte, war die ſofortige Wiederaufnahme eines geordneten Schulbetriebes un⸗ möglich, zumal auch der Eiſenbahnverkehr des militäriſchen Aufmarſches wegen geſperrt war. Der Unterrichtsbeginn mußte hinausgeſchoben werden. Eine große Zahl der Schüler ſtellte aber ihre Kraft in den Dienſt der Allgemeinheit, indem ſie unter Führung von Lehrern der Anſtalt ſich bei der Verpflegung der durch Weilburg kommenden Militärtransporte nützlich machte, den Landwirten bei der Bergung der Ernte half und Botengänge für die Behörden übernahm. Am 11. Auguſt konnte der Schulunterricht, wie auch die Tätigkeit des päda⸗ gogiſchen Seminars, wieder aufgenommen und nach und nach in geordnete Bahn zurückgeführt werden. Was der Krieg unſerer Schule gebracht und genommen hat, das wird ſich erſt in ſpäteren Zeiten überſehen laſſen. Ich beſchränke mich auf kurze Angabe der wichtigſten Vor⸗ fälle ſoweit ſie bis Ende März uns bekannt geworden ſind und ſoweit ſie Perſonen angehen, die im laufenden Jahr mit unſerer Anſtalt näher verbunden waren.
Vom Kuratorium der Landwirtſchaftsſchule trat unſer Dezernent bei der Regierung, Herr Regierungs⸗ und Schulrat Dr. Grau, in den aktiven Heeresdienſt. Am 28. September rückte er zur Front ab nach Flandern. Bei einem Sturmangriff bei Lomme b. Lille am 22. Oktober auf die Engländer wurde er als Kompagnieführer ſchwer am Arm verletzt und mußte zur Heilung der ſchmerzhaſften Wunde in die Heimat zurückkehren. Hier hat ſich die Verletzung nach operativem Eingriff ſo weit gebeſſert, daß baldige völlige Geneſung erwartet werden darf. Er wurde zum Leutnant d. L. befördert und mit dem Eiſernen Kreuz ausgezeichnet.
Von den übrigen Mitgliedern des Kuratoriums iſt niemand an den Kämpfen dort draußen beteiligt geweſen, da einerſeits das Vaterland ihrer Dienſte im Lande bedurfte, anderſeits das Alter hinderte. Doch brachten auch ſie durch Söhne und ſonſtige Familienangehörige ihre Opfer.
Vom Lehrerkollegium tauſchte Oberlehrer Dr. Heyl die friedliche Arbeit mit dem rauhen Kriegshandwerk. Es litt ihn, den jüngeren Vertreter des Kollegiums, nicht, abſeits zu ſtehen. Als Kriegsfreiwilliger fand er im Fußartillerieregiment Nr. 9 Aufnahme und zog nach monatelanger Ausbildung am 31. Oktober mit der ſchweren Mörſerbatterie nach Belgien. Am 4. Februar warf ihn das Kriegsgeſchick nach dem Oſten; er ſtand während der Maſuren⸗ ſchlacht in Reſerve. Später galt es die ruſſiſche Feſtungskette zu lockern. Er iſt inzwiſchen zum Unteroffizier aufgerückt.
Die übrigen Mitglieder des Kollegiums konnten wohl Söhne hinausſenden, ſie ſelbſt feſſelte aber der Dienſt an die Heimat.
Schärfer hat der Krieg ſich im Seminar fühlbar gemacht. Von 9 Mitgliedern verblieben am Schluß des Winters nur 3. Drei Kandidaten mußten ſofort bei Beginn der Mobilmachung dem Rufe des Vaterlandes folgen, zwei wurden etwas ſpäter in das Heer eingereiht.
Kandidat Zimmer ſtellte ſich am 2. Mobilmachungstage als Vizefeldwebel in Geldern und tat monatelang in den Schützengräben im Weſten Dienſt. Er wurde zum Leutnant be⸗ fördert und mit dem Eiſernen Kreuz ausgezeichnet. Die letzten Nachrichten kamen aus der Nähe von Soiſſons.


