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Die vereinigung ehemaliger Schüler der Landwirtſchaftsſchule entwickelte ſich auch im verfloſſenen Jahre in zufriedenſtellender Weiſe. Zur Enthüllung des von den ehemaligen Schülern und Freunden geſtifteten Grabdenkmals für den erſten Direktor der Anſtalt, Herrn Heinrich Matzat, war eine größere Anzahl auswärtiger Mitglieder in Weilburgs Mauern erſchienen und verlebte nach der Feier einige gemütliche, der Erinnerung an den Verſtorbenen geweihte Stunden mit ihren hieſigen Kameraden. Die diesjährige Generalverſammlung findet im Laufe des März ſtatt und dürfte infolge der Verſetzung des langjährigen Schriftführers, Herrn Gerichtsſekretär Rudolf Schamp, eine andere Zuſammen⸗ ſetzung des Vorſtandes bringen.
Mit der eigentlichen Landwirtſchaftsſchule ſind ſolgende weitere Veranſtaltungen ver⸗ bunden: 1) eine landwirtſchaftliche Winterſchule; 2) landwirtſchaftliche Unterrichtskurſe für Elementarlehrer; 3) ein pädagogiſches Seminar für Kandidaten des landwirtſchaftlichen Lehr— amtes; 4) die Wetterdienſtſtelle Weilburg; 5) koſtenfreie Vorträge der Lehrer der Anſtalt in landwirtſchaftlichen Vereinen und Verſammlungen.
1. Die landwirtſchaftliche Winterſchule iſt eine auf die Volks- reſp. Fortbildungsſchule weiter bauende Fachſchule, beſtehend aus 2 Winterkurſen. Sie hat die Aufgabe, den Söhnen ſolcher Landwirte, welche auf eine tüchtige Berufsbildung bedacht ſind, die Berechtigung zum einjährig⸗freiwilligen Militärdienſt jedoch nicht erſtreben, Gelegenheit zum Erwerb der Kenntniſſe zu geben, welche zu einem rationellen, den Zeitverhältniſſen entſprechenden Betriebe der Landwirtſchaft erforderlich ſind. Das Schulgeld beträgt halbjährlich 50 ℳ und iſt in zwei Raten von je 25 Mk. anfangs
November und Januar an die Staͤdtkaſſe zu zahlen.
Bewerbungen um Freiſtellen bezw.
Nachlaß von Schulgeld ſind an das Landratsamt in Weilburg zu richten. Der Unterricht findet täglich von 9—12 und 1—3 Uhr ſtatt, ſodaß Schülern aus der
Umgebung von Weilburg Gelegenheit geboten iſt, täglich heimzukehren.
Die in Weilburg
bleibenden Schüler finden bei Familien in der Stadt gute Penſionen. Der Unterrichtsſtoff iſt auf zwei Winterkurſe verteilt, die je am 3. November beginnen
und etwa am 20. März ſchließen.
Den Beſuchern der landw. Winterſchule iſt dringend zu
raten, beide Kurſe zu beſuchen, da ſie nur dadurch eine gründliche Ausbildung erhalten können.
Der Lehrplan iſt folgender:
. Winter 1910/11. 1 Deutſch: Landwirtſchaftliche Geſetzeskunde; Einrichtung der Gerichte: Mittel und Wege für den Landwirt, um zu ſeinem Rechte zu gelangen, mit zugehörigen Geſchäftsaufſätzen, 4 St.
Rechnen: Die vier Spezies in ganzen Zahlen, gemeinen und Dezimalbrüchen in Anwendung auf Zins- und andere Geſchäftsrechnungen. Berechnungen im Anſchluß an Betriebslehre und Viehzucht, 4 St.
Chemie der tieriſchen Nährſtoffe, 4 St.
Phyſik: Ausgewählte Abſchnitte aus Me⸗ chanik, Optik, 1. St.
Viehzucht: 1. Geſundheitspflege von Rind und Schaf. Die wichtigſten Krankheiten und ihre Bekämpfung. 2 St.— 2. Haltung und Zucht von Rind, Schaf und Ziege. 2 St.— 3. Lehre von der Fütterung der Haustiere, Molkereiweſen. 5 St.
Landw. Betriebslehre: Einrichtung u. Führung der landw. Betriebe zur Erzielung nachhaltiger hoher Reinerträge. 4 St.
Landw. Buchführung: 2 St.
Feldmeſſen, Nivellieren u. Planzeichnen: 2 St.
Turnen: für die in Weilburg wohnenden Schüler, 2 St.
Winter 1911/12.
Deutſch: Einrichtung, Leiſtungen und An⸗ forderungen der Gemeinde, des Kreiſes, Be⸗ zirksverbandes, Staates und Reiches mit zu— gehörigen Geſchäftsaufſätzen, 4 St.
Rechnen: Die vier Spezies in ganzen Zahlen, gemeinen und Dezimalbrüchen in Anwendung auf Flächen⸗ und Körperberechnung. Berech⸗ nungen im Anſchluß an allgem. und beſond. Pflanzenbau, 4 St.
Chemie der Pflanzennährſtoffe, 5 St.
Phyſik: Elektrizität, Wetterkunde, 1 St.
Allgemeiner Ackerbau: Saat, Pflege, Ernte und Aufbewahrung, Bodenkunde, Bodenbear⸗ beitung, Düngung, 6 St.
Beſonderer Pflanzenbau: 1. Obſtbau und An⸗ bau des Getreides, der Hülſenfrüchte, Knollen— und Wurzelgewächſe, Olfrüchte, 4 St.— 2. Wieſenbau und Feldfutterbau, 2 St.
Viehzucht: 1. Geſundheitspflege von Pferd und Schwein, die wichtigſten Krankheiten und ihre Bekämpfung, 2 St.— 2. Haltung und Zucht von Pferd und Schwein, 2 St.
Turnen: für die in Weilburg wohnenden Schüler, 2 St. 4


