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Chronik.
Am 19. März 1910 wurde das Schuljahr 1909/1910 geſchloſſen.
An Stelle des von hier verſetzten Kaplans Waßmann übernahm am 1. April 1910 der Kaplan Kraus den katholiſchen Religions-Unterricht. Er wurde am 1. Oktober durch den Kaplan Keutner erſetzt.
Für das Sommerhalbjahr hatte ſich der ehemalige Kandidat des hieſigen pädagogiſchen Seminars Dr. Herholz, der keine Stelle hatte, koſtenlos zur Verfügung geſtellt. Es wurden ihm 2 Stunden Feldmeſſen in der II. und eine Stunde ſpezieller Pflanzenbau in der I. übertragen, die er bis zu den Sommerferien gegeben hat, wo er eine Hülßslehrerſtelle in Salzwedel erhielt. Seinen bisherigen Unterricht übernahm dann Prof. Dr. Helmkampf.
Am 24. Mai 1910 wurden die Oberlehrer Steffler, Freybe und Dr. Helmkampf zu Profeſſoren mit dem Range von Räten 4. Klaſſe ernannt.
Am 6. Juni fiel der Nachmittags⸗Unterricht wegen Hitze aus.
In den vom 1. Juli bis 2. Auguſt dauernden Sommerferien wurde an Stelle der wegen Platzmangels, Dunkelheit und Kälte völlig unzureichenden chemiſchen Klaſſe ein neues, größeres und helles Lokal mit den erforderlichen Nebenräumen im oberſten Stock des Nebengebäudes der Schule ausgebaut und zu Beginn des zweiten Sommer⸗Vierteljahres bezogen. Damit iſt Dank der Bereitwilligkeit der Stadtbehörden ein ſeit Jahren ſchwer empfundener Übelſtand beſeitigt.
Am 11. Auguſt fiel der Unterricht der Kirchweihfeier wegen aus.
Am 24. desſelben Monats wurde das von ehemaligen Schülern und ſonſtigen Freunden geſtiftete Grabdenkmal für den erſten Direktor der Schule, Matzat, unter Teilnahme der ganzen Schule feierlich enthüllt. Es beſteht aus einem 2 Meter hohen unbehauenen Granit— block aus dem Fichtelgebirge mit dem ſprechend ähnlichen Portrait-Medaillon des Verſtorbenen von dem Bildhauer Cauer und bildet ſeitdem eine hervorragende Zierde des hieſigen Friedhofes.
Am 2. September unternahm die ganze Schule zur Sedanfeier einen Ausflug nach dem Feldberg und der Saalburg.
Vom 8. Auguſt bis 10. September fand der 32. Fortbildungskurſus für Elementar⸗ lehrer ſtatt.
Zur Abgangsprüfung für das Sommerhalbjahr waren 7 Schüler der I. Klaſſe zugelaſſen. Vom 5. bis 9. September fand ihre ſchriftliche Prüfung ſtatt, deren Themata folgende waren:
b veytſcher Aufſatz: Der Charakter Hermanns in„Hermann und Dorothea“ iſt darzuſtellen und zu beurteilen. — Franzöͤſiſche Arbeit: Überſetzung eines franzöſiſchen Stückes ins Deutſche und eines Deutſchen ins Franzöſiſche.
IrFlaſhematiſche Aufgaben: a) Ein Dreieck zu zeichnen, von welchem gegeben ſind Winkel und die beiden Abſchnitte d und e, die ſeine Halbierungslinie auf der gegenüberliegenden Seite bildet. ) Vr* Vi† us Vſuit²—*Vr ra.
c) die Kante eines Würfels mißt 6 dm 2 mm. Wie groß iſt ſeine Oberfläche, ſowie der Durchmeſſer und die Oberfläche einer Kugel von gleichem Inhalt?;) Chiliſalpeter koſtet 9,80 ℳ(für 50 kg). Wie teuer darf man den Doppelzentner ſchwefelſaures Ammoniak bezw. Stickſtoffkalk bezahlen, wenn die Stickſtoffwirkung in den 3 Düngemitteln wie 100: 85: 65 angenommen wird? Wievielkg der letzteren Düngemittel ſind auszuſtreuen, um die Wirkung von 40 kg Chiliſalpeter zu erreichen?
naturwiſſenſchaftliche Arbeit: Die chemiſchen Vorgänge in den Gärungsgewerben. 1
Landwirtſchaftliche Arbeit: Einrichtung und Zweck der landwirtſchaftlichen Konſumvereine.
Am 20. September folgte die mündliche Prüfung unter dem Vorſitz des Herrn Regierungs⸗ und Schulrats Below aus Wiesbaden als Kommiſſar der Kgl. Regierung. Als Vertreter des Kuratoriums fungierte Herr Domänenpächter Knappvon Hof Gnadenthal. 6 Schüler be⸗ ſtanden. Ihre Namen ſind folgende:
357. Johann Marx, Sohn des Winzers Bernhard M., in Commlingen, Landkreis Trier, geb. 4. Januar 1891, aufgenommen in III Oſtern 1908.
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