angeknüpft und nicht ſelten auch ſogeich mit der Kamera feſtgehalten. Herrlich iſt auch das Schlößchen Tiefurt gelegen mit ſeinenzahlreichen Erinnerungen an die Hofdame v. Göchhauſen, die uns den„Urfauſt“ überlieferthat. Nicht minder ſehenswert iſt das Natur⸗ theater in dem Garten des Schloſſes Belvedere, wo Goethe mit Korona Schröter zum erſten Mal ſeine„Iphigenie“ aufführte. Beſonderes Glück hatten die Weilburger Beſu⸗ cher im Goethe⸗ und Schillerarchiv, wo ſievon dem Leiter ſelbſt, Prof. Hecker, mit den dort verwahrten Schätzen bekannt gemacht wurden. Er verſtand es, in hervorragender Weiſe an Hand der Urſchriften in die Arbeitsweiſe der Großen einzuführen, und bei ſeinen Worten ſchienen all die Originale wie das des„Urfauſt“, des„Werther“, des„Don Karlos“ und der„Nenien“ eine lebendige Sprache zu ſprechen. In ſeiner Liebenswür⸗ digkeit geſtattete er ſogar der einzigen Weilburger Primanerin— leider ihr allein— jenes berühmte und literarhiſtoriſch ſo außerordentlich bedeutungsvolle Schreiben Jeruſa⸗ lems an Keſtner, worin er dieſen„wegen einer vorzuhabenden Reiſe“ um ſeine Piſtolen bit⸗ tet, und den Abſchiedsbrief Goethes an Lotte in die Hand zu nehmen. Auch der Beſuch der Fürſtengruft wurde nicht verſäumt, wo Herr Dr. Schwarte in einer ſtillen Feier an den Särgen der beiden Dichterheroen ihre Raum und Zeit überdauernde Größe hervorhob und einen Strauß friſcher Roſen niederlegte. Mit Goethes Worten aus dem„Epilog zur Glocke“ gedachte er Schillers:
„Nun glühte ſeine Wange rot und röter
Von jener Jugend, die uns nie entfliegt,
Von jenem Mut, der früher oper ſpäter
Den Widerſtand der ſtumpfen Welt beſiegt,
Von jenem Glauben, der ſich ſtets erhöhter Bald kühn hervordrängt, bald geduldig ſchmiegt, Damit das Gute wirke, wachſe, fromme,
Damit der Tag dem Edlen komme.“
An Goethes Sarge ſprach er deſſen eigene Verſe aus dem„Vermächtnis“, die uns über die Vergänglichkeit des Leibes hinwegtröſten: „Kein Weſen kann zu nichts verfallen, Das Ewyge regt ſich fort in allen, Am Sein erhalte dich, beglückt! Das Sein iſt ewig; denn Geſetze Bewahren die lebend'gen Schätze Aus welchen ſich das All geſchmückt.“
Einen ſtimmungsvollen Abſchluß fand die letzte Schillerwoche in einem Fackelzug, der ſich vom Goethe⸗ und Schillerdenkmal durch durch die Straßen Weimars bewegte und all den hiſtoriſchen Stätten einen Abſchiedsgreß zuwinkte.
Die Weimarer Nationalfeſtſpiele wollen erreichen, daß die Jugendaus eigener An⸗ ſchauung die klaſſiſche Kulturepoche kennen lernt. Nur ſo wird ſie dem Geiſt der Wei⸗ mariſchen Großen ganz nahe kommen können, dem Geiſt, den ſie als Lebensgut in ſich auf⸗ nehmen ſoll. Und das iſt gerade heute nötiger als je. Denn kaum iſt es einer Zeit ſchwerer gefallen, über dem Alltag mit ſeinet materiellen Sorgen den Sinn für Höheres nicht zu verlieren als der heutigen, und kaum bedarf ein Volk mehr der Einigung durch ein ideelles Band als das unſere.
6. Chronik der Anſtalt.
Das Schuljahr wurde am 21. April mit einer gemeinſamen Schulandacht eröffnet, an dieſe ſchloſſen ſich die Aufnahmeprüfungen an. Wir konnten in die Sexta die ſtattliche An⸗ zahl von 28 Schülern aufnehmen. 1
Am 12. Mai verſammelten ſich Lehrer und Schüler zur Feier der Einführung des


