Jahrgang 
1915
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U II Nr. 2062 1, ebenso den Obersckundanern Walter Lobhmann und Wilbelm Appel auf Grund des Ministerial-Erlasses U II Nr. 2272 I. das Zeugnis der Reife für Prima, dem Untersekundaner Hubert Emilius auf Grund des Ministerial-Erlasses U II Nr. 2094 1 das Zeugnis über die wissenschaftliche Befähigung für den einjährig-freiwilligen Dienst zuerkannt.

Von diesen so hoffnungs- und begeisterungsvoll ins Feld gezogenen Schülern starben, tiefbetrauert von ihren Lehrern und Mitschülern, den Heldentod für Kaiser und Reich: Hermann Waldschmidt, der im Ersatzbataillon des Inf.-Reg. 87 zu Mainz eingestellt, dann zum Res.-Inf. Rgt. 222 gekommen war, in den Karpathen, Wilhelm Knoll im Marburger Ersatz-Jägerbataillon 11 bei dem Kloster Morslede in Belgien, wahrscheinlich am 3. Nov. und Walter Lohmann, im Inf. Reg. 116 Kaiser Wilhelm. Dieser wurde bei einem Nacht- angriff auf das Dorf Le Quesnoy von seinem Regiment zu dem benachbarten Regiment 87 versprengt und ficl bei diesem am 1. November, durch eine Granate gleich tödlich getroffen.

Ihr Andenken soll bei uns in Ehren bleiben!

Aber auch die jüngeren Schüler, die zu Hause bleiben mussten, waren nicht müssig, auch sie wollten ihre Kräfte dem Vaterlande weihen. Alle diejenigen, welche durch ihr Alter und ihre körperlichen Kräfte dazu befähigt waren, in erster Linie die Mitglieder des Jungdeutschlandbundes, verrichteten zunächst an dem wichtigen Weilburger Tunnel und anderen Punkten Wachtdienste, bis genügend Landsturmleute zur Stelle waren. Als die grossen Truppentransporte begannen, waren sie auf dem Bahnhof, auf dem eine Ver- pflegungsstation eingerichtet war, tätig und halfen mit bei der Erfrischung unserer tapferen Krieger. Ausserdem überbrachten die Radfahrer unter ihnen häufig amtliche Bekannt- machungen des Landratsamtes in die umliegenden Dörfer.

Auch der Postverwaltung stellten sie sich eifrig zur Verfügung und besorgten auf ihren flinken Rädern die Postsachen auf das Land.

Andere wieder zogen, in Gruppen vereinigt, in die Umgegend, um unseren wackeren Bauern beim Einbringen der Ernte zu helfen. Alles dies geschah unter der Leitung ver- schiedener Herren des Lehrerkollegiums und des Herrn Prof. Dr. Freybe von der hiesigen Landwirtschaftsschule. Herzlicher Dank sei allen auch an dieser Stelle dargebracht!

In dieser bewegten Zeit gedachte auch der hochverdiente frühere Direktor Geheimrat- Dr. Paulus seiner alten Anstalt und übermittelte uns ein Geldgeschenk zur Anschaffung patriotischer Bücher für die Schülerbibliothek. Innigen Dank auch ihm für dieses Zeichen treuen Gedenkens!

An der Sammlung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen beteiligt sich auch unser Gymnasium, und ich konnte bereits 200 Mk. an die zuständige Stelle ab- führen, da auch die Eintrittsgelder, die wir bei einigen in der Aula gehaltenen Vorträgen eingenommen hatten, zu der Sammlung geschlagen wurden.

An Stelle der regelmässigen Andachten fanden von Zeit zu Zeit, um dies gleich bier zu erwähnen, feierliche Kriegsandachten statt, bei denen unsere Gymnasialkapelle mit löblichem Eifer mitwirkte.

Am 24. August wurden die katholischen Schüler nach der ersten Stunde zur Trauerfeier für den verstorbenen Papst Pius X beurlaubt.

Am Sedantage fiel der Unterricht aus, und es fand dem Ernst der Zeit entsprechend nur eine feierliche Andacht statt.