Jahrgang 
1908
Einzelbild herunterladen

21

Sonnabend, den 14. September wurden die Abiturienten aus der Anstalt entlassen.

Am 12. September starb leider infolge einer Operation in Wiesbaden der Expositus Tiesler, der von Herbst 1904 bis Ostern 1907 als Lehrer des Hebräischen und der katholischen Religionslehre an dem hiesigen Gymnasium tätig gewesen war. (Vergl. Programm 1904 1905.) Stets eifrig bemüht, seine Pflichten zu erfüllen, war er wegen seines freundlichen Wesens und seines kollegialen Sinnes bei Schülern und Lehrern gleich beliebt. Das Gymnasium wird sein Andenken in Ehren halten.

Am 13. September wurde das mit der Anstalt verbundene pädagogische Seminar der vorgeschriebenen Revision unterzogen. Herr Provinzial-Schulrat Dr. Baier wohnte zunächst den Probelektionen der Kandidaten bei, revidierte darauf die Akten und die Bibliothek des Seminars und hielt sodann eine Konferenz der Seminarlehrer ab. Am Nachmittage fand eine Seminar-Sitzung statt, in welcher der Herr Provinzial-Schulrat seine Beobachtungen mitteilte, den Seminarlehrern für ihre Mühewaltung dankte und die Kandidaten ermahnte, sich zu tüchtigen Lehrern auszubilden.

Donnerstag, den 26. September veranstaltete Herr Louvrier für die Schüler der oberen und mittleren Klassen in der Aula einen auch von Gliedern der hiesigen Gesell- schaft zahlreich besuchten, recht lehr- und genussreichen Rezitationsabend.

Sonnabend, den 28. September wurde das Sommer-Halbjahr mit einer Andacht ge- schlossen. Zugleich wurden die drei dem Seminar verbliebenen Kandidaten Bleisch, Dr. Clason und Lomb aus dem Verbande der Anstalt entlassen.

Donnerstag, den 15. Oktober wurde das Winter-Halbjahr in herkömmlicher Weise eröffnet. Gleichzeitig wurden die vom Königlichen Provinzial-Schulkollegium dem päda- gogischen Seminar zugewiesenen Kandidaten Geiss-Bender, Dr. Gottschalk, Grevel. Dr. H. Müller, L. Müller, Dr- Rösch und Dr. Semiller der Schulgemeinde vorgestellt und in ihre Amtspflichten eingeführt. An demselben Tage schied aus diesem Leben der frühere Lehrer der Anstalt, Professor Leyendecker, der nach einundzwanzigjähriger erfolgreicher Tätigkeit an der hiesigen Anstalt am 1. Oktober 1897 in den wohlverdienten Ruhestand getreten war und seit dieser Zeit in Wiesbaden lebte. Das Gymnasium wird dem verdienten Manne stets ein chrendes Andenken bewahren.

Sonnabend, den 26. Oktober beteiligte sich das Gymnasium neben anderen höheren Schulen der Umgegend an einer von dem Lehrerkollegium der vereinigten Volks- und Realschule zu Nassau veranstalteten Feier zum 150. Geburtstag des Reichsfreiherrn vom und zum Stein. Der Primus der Oberprima Fritz Langreuter sprach den von einem früheren Schüler des Gymnasiums gedichteten Prolog und ein vereinigter Schüler- chor brachte unter Leitung des Professors Dr. Gundlach das niederländische Dankgebet zum Vortrag.

Sonnabend, den 9. November wurde von dem evangelischen Teil der Anstalt das Reformationsfest gefeiert. Die Ansprache hielt der Direktor über die Bedeutung Luthers für Kirche und Schule.

Montag, den 11. und Dienstag, den 12. November nahm der Direktor an einer von Königlichem Provinzial-Schulkollegium berufenen Versammlung der Leiter der päda- gogischen Seminare der Provinz teil, in welcher die bisher gemachten Erfahrungen aus- getauscht und Vorschläge für eine neue Fassung derOrdnung der praktischen Ausbildung der Kandidaten für das Lehramt an höheren Schulen in Preussen erörtert wurden.