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Zu der Vorfeier des Allerhöchsten Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers und Königs fand am Morgen des 26. Januar in der festlich geschmückten Aula ein öffentlicher Schul- akt statt. Chorgesänge wechselten mit Deklamationen und Vorträgen des Gymnasial- Musikvereins; insbesondere fand die nach allgemeiner Ansicht wohl gelungene Aufführung des„Sang an Agir“ verdiente Anerkennung. Die Festrede hielt der Direktor über E. M. Arndt. Am Abend des 27. Januar wurde ein von Angehörigen der Schüler, sowie von Freunden der Anstalt zahlreich besuchter Festkommers der oberen Klassen abgehalten.
Die schriftliche Reifeprüfung der Abiturienten und der dem hiesigen Gymnasium zum diesjährigen Ostertermin zugewiesenen Nichtschüler fand in den Tagen vom 11. bis 16. Februar, die schriftliche Abschlussprüfung in der Zeit vom 25. Februar bis 1. Mürz statt.
Am 2. März wurde unter dem Vorsitz des Königlichen Kommissars, Herrn Geheim- rat Dr. Lahmeyer die mündliche Entlassungsprüfung abgehalten. Sämmtlichen 14 Ober- primanern konnte das Zeugnis der Reife zuerkannt werden.
Die Entlassung der Abiturienten erfolgte am 9. März im Anschluss an die Ge- dächtnisfeier für den Hochseligen Kaiser Wilhelm J. Am Abend desselben Tags brachte der in seinen Tenor- und Bassstimmen sich fast ausschliesslich aus Schülern der oberen Klassen des Gymnasiums ergänzende Oratorienverein„Paulus“ unter der bewährten Lei- tung des Oberlehrers Dr. Gundlach Händels„Josua“ zum Vortrag.
Am 15. und 16. März wurde unter dem Vorsitz des Direktors die mündliche Prü- fung der Il dem Gymnasium zugewiesenen Nichtschüler abgehalten; 6 von ihnen bestan- den dieselbe.
Am 22. März beging das Gymnasium in herkömmlicher Weise die Gedenkfeier des Geburtstages des Hochseligen Kaisers und Königs Wilhelm I.
Donnerstag den 28. März fand unter dem Vorsitz des Direktors die mündliche Ab- schlussprüfung statt.
Das mit der Anstalt verbundene pädagogische Seminar besteht zur Zeit aus 2 Mitgliedern, den Kandidaten des höheren Schulamts Dr. Warth und Seiferth. Zu Seminarlehrern wurden die Oberlehrer Dr. Gundlach und Dr. Hey mach ernannt.
Der Gesundheitszustand war abgeschen von der bereits oben erwähnten Erkrankung des Professors Dr. Müller in dem verflossenen Schuljahr, sowohl was die Lehrer als auch was die Schüler der Anstalt anbetrifft, im ganzen ein günstiger; insbesondere wurden wir vor der auch in diesem Jahre in hiesiger Gegend wieder auftretenden Influenza fast ganz bewahrt.
Personalnotiz über den neu eingetretenen Lehrer.
Friedrich Lucas, geboren am 4. Januar 1862 zu Meldorf in Holstein als Sohn des Gymnasiallehrers M. Lucas, besuchte die Gymnasien zu Meldorf und Rendsburg und studierte von Ostern 1881 ab Geschichte, Geographie, Deutsch und alte Sprachen in Jena, Göttingen, Kiel und Marburg. Am 8. Juni 1888 bestand er in Marburg die Prüfung pro facultate docendi und leistete von Herbst 1888 bis dahin 1889 an dem Gymnasium zu Dillenburg das pädagogische Probejahr ab. Nach halbjähriger Thätigkeit am Gymnasium zu Rendsburg war er sodann in verschiedenen Privatstellungen thätig, bis er im Herbst 1893 dem Realgymnasium zu Wiesbaden als wissenschaftlicher Hilfslehrer überwiesen wurde. Von dort kam er am 18. Oktober 1894 in gleicher Eigenschaft an das Gymnasium zu Weilburg.
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