Jahrgang 
1893
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die neuerbaute, aufs beste eingerichtete und mit vortrefflichen Geräten versehene Turnhalle- dem Unterricht übergeben werden.

Samstag den 1. Oktober entliess der stellvertretende Direktor den an das Gym- nasium zu Marburg versetzten Oberlehrer Dr. Lange unter dem Ausdruck aufrichtigen Bedauerns über den der Anstalt durch seinen Weggang widerfahrenen Verlust und mit Worten herzlichen Dankes für seine hingebende und erfolgreiche Wirksamkeit an derselben. Ebenso wurde der wissenschaftliche Hilfslehrer Eitel aus dem Verbande des Gymnasiums entlassen und der an seine Stelle tretende Hilfslehrer Stemmler eingeführt.

Montag den 3. Oktober wurde der unterzeichnete Direktor durch den Departements- rat des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums zu Cassel, Herrn Geheime Rat Dr. Lah- meyer vor versammelter Schule feierlich in sein neues Amt eingeführt. Derselbe legte in längerer Rede seine Auffassung von der Tragweite der neuesten Reformen für das humanistische Gymnasium und der erhöhten Bedeutung wissenschaftlicher Methode für den heutigen Unterrichtsbetrieb dar.

Zugleich mit dem Dienst-Antritt des neuen Direktors wurde auch das bis dahin mit dem Königlichen Gymnasium zu Marburg verbundene pädagogische Seminar an die hie- sige Anstalt verlegt, und wurden 4 Kandidaten des höheren Schulamts, Dr. Siele, Dr. Schmitthenner, Fuckel und Schnädter demselben zugewiesen. Zu Seminarlehrern. wurden ernannt die Gymnasial-Oberlehrer Gropius und Dr. Gundlach.

Am 18. Oktober fand eine Gedächtnisfeier des Geburtstags Sr. Majestät des hoch- seligen Kaisers und Königs Friedrich III. statt. Dieselbe wurde von dem Direktor mit Bibellektion und Gebet eröffnet, worauf Gesänge des Schülerchors und ein Redeversuch des Oberprimaners Barth folgten.

Am 22. Oktober beteiligte sich das Gymnasium an der feierlichen Einweihung des dem verewigten Direktor Dr. Bernhardt auf dem hiesigen Friedhof von alten Schülern gesetzten Denkmals. Dem um die Anstalt so hoch verdienten Manne sowie seinem lang- jührigen Kollegen und Mitarbeiter, dem ebenfalls ia die Ewigkeit abgerufenen, von allen, die ihn zu würdigen verstanden, hochverehrten Professor Stoll hatten bereits wenige Wochen vorher verschiedene Kollegen und Schüler aus alter und neuer Zeit ein Denkmal der Liebe und Pietät dadurch gesetzt, dass sie die wohlgelungenen Brustbilder der beiden hochverdienten Schulmänner in die schon durch eine grössere Zahl von ölbildern früherer Rektoren und Lehrer reich geschmückte Aula stifteten.

Am 22. November starb im 85. Lebensjahre zu Marburg der Oberschulrat Dr. Schmitt, der 17 Jahre lang mit unermüdlicher Pflichttreue und vielem Erfolge zum Teil unter recht schwierigen Verhältnissen das Gymnasium als Direktor geleitet und sich dann nach erfolgter Pensionierung in die alte Musenstadt zurückgezogen hatte, um sein wohlverdientes otium cum dignitate zu geniessen. Das Lehrerkollegium entsandte zu der unter allgemeinster Beteiligung stattfindenden Leichenfeier einen Vertreter, und der Direk- tor gedachte des Entschlafenen am folgenden Samstage vor versammelter Schulgemeinde in geziemender Weise.

Am 1. Sonntage nach dem Reformationsfest, am 6. November, gingen die evange- lischen Lehrer und Schüler gemeinsam zum heiligen Abendmahl.

Am 23. Dezember begannen die 14tägigen Weihnachtsferien, nachdem am Abend zuvor das übliche Weihnachtskonzert stattgefunden hatte.

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