Jahrgang 
1892
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Nachrichten über das Leben des am 6. Februar 1892 verstorbenen Gymnasialdirektors Professor Dr. Bernhardt.

Emanuel Bernbardt wurde geboren den 3. Oktober 1821 zu Raubach im Kreise Altenkirchen. Den ersten Unterricht erbielt er von seinem Vater, dem Geistlichen des Ortes, welcher von da im Jahre 1829 verzog, um die Pfarrei Seelbach im Oberlahnkreise zu übernehmen. Nach dessen bald erfolgtem Tode trat der Sohn Ostern 1830 in das Pädagogium zu Hadamar ein. Drei Jahre gehörte er dieser Anstalt an, besuchte sodann noch ein Jahr lang ein damals hier bestehendes Privatpädagogium, welches zum Eintritt in das vierklassige Landesgymnasium vorbereitete, und ward Ostern 1834 in letzteres selbst aufgenommen. Nach absolviertem vierjährigem Kursus bezog er im Frübjahr 1838 die Universität Göttingen, um Philologie und Pädagogik zu studieren. Dort war es besonders Otfried Müller, welcher den jungen Hörer fesselte und seiner schon auf dem Gymnasium durch Friedemann und Krebs geweckten Begeisterung für die klassischen Studien immer neue Anregung gab. Bernhardt gchörte zu den letzten Schülern des grossen Gelehr- ten; nachdem dieser der Wissenschaft nur allzufrüh durch den Tod entrissen worden war, ging er im Frühjahr 1840 nach Marburg, um Karl Friedrich Hermann zu hören. Bei ihm durfte er um so cher auf bereitwillige Förderung seiner Studien hoffen, als Hermann selbst früher das hiesige Gymnasium besucht hatte und Schülern dessclben mit besonderer Herzlichkeit entgegenkam.

1841 bestand Bernhardt, erst zwanzigjährig, die nassauische Staatsprüfung für das höhere Lehrfach und trat Ostern 1842 beim Pädagogium zu Hadamar als Probekan- didat ein. Nach Ableistung des Probejahrs übernahm er die Leitung eines Privatinstituts in Biebrich, bis er im Mai 1844 zum Kollaborator am hiesigen Gymnasium ernannt wurde. Seit seinem Abgang zur Universität hatte die Schule eine wesentliche Umgestaltung er- fahren. Zu den vier Klassen, aus denen sie damals bestand, waren inzwischen vier weitere mit dem Lehrplan der Pädagogien hinzugekommen; es war also an Stelle der früheren vierstufigen Anstalt ein Vollgymnasium mit achtjährigem Kursus getreten.

Die Lehrthätigkeit des neuen Kollaborators erstreckte sich auf die vier unteren Klassen, und zwar hatte er im Deutschen, Lateinischen, Griechischen und in der Geo- graphie zu unterrichten. Seine erste Wirksamkeit an unserer Anstalt dauerte indessen nur zwei Jahre. Bereits Ostern 1846 ward er an das Gymnasium zu Wiesbaden ver- setzt, und dort kamen in fast 26jährigem Schaffen seine reichen Kenntnisse und hervor- ragenden Fühigkeiten zur vollen Entfaltung. Anfangs war der Kreis der ihm zufallenden Unterrichtsgegenstände ein sehr ausgedehnter; so hatte er beispielsweise im ersten Jahre auch im Rechnen und in der Geometrie zu unterrichten. Erst seit den fünfziger Jahren tritt der seiner Neigung besonders entsprechende griechische und daneben der lateinische Unterricht in den oberen Klassen mehr in den Vordergrund. Nachdem er 1850 Konrektor geworden war, erfolgte am 18. April 1861 seine Ernennung zum Professor. Aber noch in anderer Hinsicht fand seine ungewöhnliche Tüchtigkeit die verdiente Würdigung, indem er durch Allerhöchste Ordre vom 17. Juli 1871 zum Gymnasialdirektor ernannt und ihm vom 1. Oktober des gleichen Jahres an die Leitung des Königlichen Dom-Gymnasiums zu Verden übertragen wurde.

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