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Die erste Stunde des 18. Oktober war der Erinnerung an den hochseligen Kaiser Friedrich gewidmet. In der Versammlung der Lehrer und Schüler hielt Herr Ober- lehrer Dr. Müller einen kurzen Vortrag über die Einigung Italiens und ihre Rück- wirkung auf Deutschland. Die Feier wurde mit Gebet und Gesang begonnen und mit Gesang geschlossen.
Am Reformationsfest, den 3. November, nahmen die evangelischen Lehrer und Schüler in der Kirche gemeinsam das Abendmahl.
Am Abend des 21. Dezember fand das übliche Weihnachtskonzert statt, das sich eines zahlreichen Besuchs von seiten des Publikums zu erfreuen hatte.
Den 23. Dezember mittags 12 Uhr wurden die Schüler, nachdem sie vorher ihre Zeugnisse empfangen hatten, in die Weihnachtsferien entlassen, und kehrten den 6. Januar 1890 aus denselben zurück.
Zur Feier des Geburtstages Sr. Majestüt des Kaisers und Königs nahmen die Lehrer und Schüler je nach ihrer Konfession an den Festgottesdiensten in der evangelischen und katholischen Kirche teil. Dann fand den 27. Januar, morgens 10 Uhr ein Aktus in der Aula des Gymnasiums statt, bei welchem der Gymnasiallehrer Dr. Weis die Festrede hielt. Er sprach über Alexander von Humboldt.
Die schriftliche Entlassungsprüfung, an welcher 8 Abiturienten teilnahmen, wurde in der letzten Woche des Februar, vom 24.— 28., vorgenommen. Am 18. März schloss sich die mündliche unter Leitung des Direktors an. Allen wurde die Reife zuerkannt.
Klassenprüfungen fanden statt: mit der VI und V am 20. Dezember, mit der IV am 7., mit der III? am 22. Februar, mit der III1 am 5. März, mit der II2 am 13. März.
Der Gesundheitszustand war in Folge der auch hier seit Weihnachten herr- schenden Influenza ein recht ungünstiger. Vier Lehrer wurden davon ergriffen; zum Glück nicht zu derselben Zeit, sodass der Unterricht nicht unterbrochen zu werden brauchte. Am längsten litt an der Krankheit Herr Wiegandt, der vom 7. bis 18. Januar beur- laubt war. Auch viele Schüler, in einzelnen Klassen zeitweise die Hälfte, wurden mehr oder weniger heftig befallen. Einen Todesfall aber haben wir, Gott sei gedankt, nicht zu beklagen. Herr Patschovsky war im November v. J. wegen einer Augenkrankheit genötigt, seinen Unterricht 4 Wochen lang auszusetzen; ebenso Herr Brückel mehr- mals auf einige Tage wegen Erkältung.
Herr Oberlehrer Gropius war vom 9.—13. Januar wegen eines Trauerfalls in seiner Familie beurlaubt; Herr Pfarrer Eberz durch Dienstgeschätte öfter verhindert, seine Stunden zu halten.
Samstag den 22. März wird die erste Morgenstunde dem Gedächtnis des Hoch- seligen Kaisers Wilhelm I. gewidmet werden. Herr Dr. Primer wird die Ansprache halten. Darauf folgt die Entlassung der Abiturienten durch den Direktor.
Personalnotiz über den neu eingetretenen Lehrer. Ferdinand Heymach, evangelischer Konfession, wurde am 10. April 1856 zu Idstein geboren und Herbst 1876 vom hiesigen Gymnasium mit dem Zeugnis der Reife entlassen. Nachdem er in Göttingen und Strassburg Geschichte und Germanistik studiert


