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Laut Miniſterialreſcript vom 1. Auguſt v. J. wurde durch die Gnade Seiner Hoheit des Herzogs der Candidat Wilhelm Breidenſtein mit proviſoriſcher Ver⸗ ſehung einer am 1. October anzutretenden Lehrerſtelle am hieſigen Seminar beauf⸗ tragt*). Da durch den Mangel einer Lehrerkraft der naturwiſſenſchaftliche Unter⸗
der oberſten Claſſe unter dem Directorium des Oberſchulrathes Dr. Friedemann freiwillig ein Jahr länger blieb. 1830 bezog er die Univerſität Göttingen, wo er zwei Jahre dem Studium der Philoſophie und Theologie oblag. Nach Abſolvirung des ein⸗ jährigen Curſes am theologiſchen Seminare zu Herborn und ſeines Staatsexamens be⸗ ſchäftigte er ſich während ſeiner faſt ſiebenjährigen Candidatenzeit ununterbrochen in ſeiner Vaterſtadt mit Erziehung und Unterricht, war aber zugleich fortwährend in ſei⸗ nem theologiſchen Berufe thätig. Am 18. October 1835 empfing er die geiſtliche Ordi⸗ nation, um in Wiesbaden zeitweiſe zu vikariren; gleichzeitig wurde ihm auch der evan⸗ geliſche Religionsunterricht am Herzoglichen Pädagogium daſelbſt übertragen. Im Au⸗ guſt und September des Jahres 1838 machte er eine vorzugsweiſe pädagogiſche Reiſe in die Schweiz, wo er in einem näheren Umgange mit Niederer zu Genf über den Erziehungsgeiſt Peſtalozzi's ſich nähere Kunde zu verſchaffen Gelegenheit nahm. Mit dem 1. Januar 1840 wurde er zum Pfarrvikar in Kloppenheim bei Wiesbaden ernannt, aber ſchon im Juli 1841 mit dem Titel eines Pfarrers an die zweite Pfarrei zu Her⸗ born und als Lehrer an das dortige theologiſche Seminar verſetzt. Mit dem 1. October 1843 erhielt er ſeine Ernennung als zweiter Stadtpfarrer und außerordentlicher Pro⸗ feſſor am theologiſchen Seminar und ſeit dem 1. Januar 1847 war er zugleich Schul⸗ inſpector über 15 Schulen des Amtes Herborn. Mit dem 1. April 1849 erfolgte ſeine Beförderung zum ordentlichen Profeſſor am theologiſchen Seminar. Von dem ihm in ſo mancher Hinſicht theuer gewordenen Herborn ſchied er endlich, als ihn das Vertrauen Seiner Hoheit des Herzogs mit dem 1. März 1853 zur Direction des Schullehrerſemi⸗ nars nach Uſingen berief, wo ihm zugleich die Inſpection über die daſige Volksſchule anvertrant wurde.— Außer mehreren Predigten und Gelegenheitsreden ſind von ihm im Drucke erſchienen:„Die Verklärung Jeſu auf dem Berge ꝛc.“(im Herborner Se⸗ minarprogramme 1843 und beſonders abgedruckt), deßgleichen„das Leben Jeſu als Evangelienharmonie“ 1847, und„Homilie über die Bergpredigt“ 1851.
*) Wilhelm Breidenſtein, geboren am 31. Juli 1827 zu Weilburg, beſuchte die Ele⸗ mentarſchule zu Idſtein, und von 1843 bis 1846 das ehemalige Schullehrerſeminarium daſelbſt. Mit dem 1. Mai 1846 wurde er als Lehrgehülfe an der Elementarſchule zu Uſingen angeſtellt. Gleichzeitig war er als Zeichenlehrer an einem Inſtitute und ſpä⸗ ter als Zeichen⸗ und Geſanglehrer an der Realſchule daſelbſt beſchäftigt; deßgleichen


