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Zeichenapparats dient ein Saal und ein großes Zimmer im Parterre des nördlichen Seitenflügels. Auch das Grandpierre'ſche Cabinet, eine Privatſammlung aus⸗ gebalgter Thiere, befindet ſich in dieſem Saale, und ſteht durch die dankenswerthe Liberalität des Eigenthümers dem Seminar zur Benutzung für den betreffenden Unterricht offen. Die ſechs noch übrigen Räume nehmen die Claviere der Inter⸗ nirten auf oder werden zu Uebungen auf der Violine benutzt. Im zweiten und dritten Stock haben Lehrer ihre Wohnungen, welche letztere ſich in der Nähe der Arbeits⸗ oder Lehrſäle befinden. Im erſten Stock des ſüdlichen Flügels befindet ſich die Wohnung des Pedellen. Desſelben Flügels zweiter und dritter Stock ent⸗ hält die Wohnung des Directors und eines Lehrers. Dieſe Wohnungen liegen in der Nähe der Schlafſäle, des Muſik⸗ und des Lehrzimmers der dritten Klaſſe.
Der Garten lehnt ſich an den Hauptflügel des Schloſſes nach Oſten zu an und beſteht aus ſechs übereinander liegenden Terraſſen, wovon jede ohngefähr vier Localmorgen hält. Zwei dieſer unmittelbar an das Schloß angränzenden Ländereien ſind dem Seminar überwieſen und enthalten einen großen Seminar⸗Muſtergarten nebſt Baumſchule und vier andere Gärten für Lehrer. Eine der ſechs Terraſſen iſt mit fremden und einheimiſchen Bäumen und Sträuchern bepflanzt und mit Spa⸗ ziergängen durchzogen. Dieſes Wäldchen ſowohl als mehrere in der Nähe be⸗ findliche Alleen bieten hinlänglichen Raum zur Bewegung der Zöglinge im Freien dar.—
Der Geſundheitszuſtand der Zöglinge im verfloſſenen Schuljahre war im Ganzen ein ziemlich befriedigender; nur wurden im Januar in Folge der Witterung viele von einem allgemein herrſchenden Katarrh mehr oder weniger befallen und Einer lag längere Zeit an dem Nervenfieber ſchwer darnieder.
Am 3. Februar l. J. traf die Anſtalt durch das Hinſcheiden des durch ſeine literariſchen Leiſtungen auch in weiteren Kreiſen bekannten und bisher mit der Lei⸗
tung des Seminars beauftragten Conrectors Dr. Schenckel ein großer Verluſt.) Schon im verfloſſenen Sommer litt er an Heiſerkeit und mit dem Anfange des Winterſemeſters verſchlimmerte ſich ſein Zuſtand ſo ſehr, daß er kaum noch 14 Tage die Lehrſäle betreten konnte. Von da an verließ er nicht mehr ſeine Wohnung und ertrug ſein immer zunehmendes Leiden mit der Gottergebenheit, die nur bei


