Jahrgang 
1872
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Die Rede des Isokrates gegen die Sophisten in ihren Be- ziehungen zu der Frage über die Abfassungszeit des plato- nischen Phaedrus.

In den Abhandlungen der philosophisch-philologischen Classe der k. baierischen Academie der Wissenschaften vom Jahre 1855(Bd. VII., Abt. 3) gelangt Leonhard Spengel in seiner interessanten Abhandlung Platon und Isokrates zu Resultaten über das Verhältniss dieser beiden Männer zu einander, die bei der Frage über die Abfassungszeit des platonischen Phaedrus nicht unbeachtet bleiben können. Auf Grund sorgfältiger Betrachtung der uns noch erhaltenen isokratischen Reden weist er in denselben unverkennbar geringschätzige herabsetzende Aeus- serungen über speculative Philosophie nach. Wenn nun dem gegenüber Plato an jener merkwürdigen und viel besprochenen Stelle im letzten Theile seines Phaedrus(pag. 270 A) den Sokrates die Hoffuung aus- sprechen lässt, dass gegenüber jener getadelten Richtung eines Lysias der junge Isokrates, mit philosophischer Begabung ausgestattet, Besseres und Höheres erwarten lasse, so muss man offenbar auf den Gedanken geführt werden, dass Plato ein solches Urtheil über Isokrates nicht habe aussprechen können, sobald er einmal dessen Ansichten über Beschäf- tigung mit Philosophie aus solchen Aeusserungen kennen gelernt hatte. Dabei tritt gleichzeitig die Frage heran, bis zu welcher Zeit zurück sich diese geringschätzigen Urtheile in den isokratischen Reden ver- folgen lassen. In die früheste Zeit des öffentlichen Auftretens des Iso- krates, gleich als er seine Rhetorenschule eröffnet hatte, fällt die Rede aœxxd zον oqiασπτ, etwa um 396, und Spengel kam nun in seinen Untersuchungen zu der Ueberzeugung, dass sich schon in dieser Rede Urtheile über Philosophie ähnlich jenen aus späterer Zeit finden.

Es soll nun Gegenstand dieser Abhandlung sein, im Anschlusse an Spengels Untersuchungen zu prüfen, ob und inwieweit sich dies in der erwähnten Rede nachweisen lässt, und inwiefern das Ergebniss mit den anderen für die Bestimmung der Abfassungszeit des Phaedrus mass- gebenden Momenten in Ujebereinstimmung zu bringen ist.

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