Jahrgang 
1915
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Oberlehrer Dr. Schmidt der grossen Bedeutung des Reformationstages(31. Oktober 1517) für unsere evangelische Kirche und für unsere Schule, die am 31. Oktober 1817 bei der Dreihundertjahrfeier des Reformationsfestes gegründet und eröffnet wurde. Bei der kirchlichen Feier des Reformationsfestes am Sonntag, den 1. November, fand die herkömmliche gemeinschaftliche Abendmahlsfeier der evangelischen Lehrer und Schüler in der lutherischen Kirche statt.

Dem Direktor der Anstalt wurde am 22. Dezember von Allerhöchster Stelle der Charakter als Geh. Studienrat erteilt.

Am 23. Dezember wurde der Unterricht vor den Weihnachtsferien mit einer ge- meinsamen Weihnachtsandacht geschlossen.

Im neuen Jahre mussten mit Beginn des Unterrichts am 5. Januar die beiden erkrankten Professoren Dr. Haesecke und Najork bis zum Ende des Schuljahres vertreten werden. Unterrichtskürzungen und-schiebungen und Zusammen- legungen von Klassen waren unvermeidlich. Die Anderung in der Unterrichtsverteilung zeigt die UÜbersicht unter I 2b Seite 5 dieses Berichts. Die Schwierigkeiten der Vertretung steigerten sich, als im Februar noch dtei weitere Oberlehrer etwa je zwei Wochen ver- treten werden mussten und der Oberlehrer Erdniss am 15. Februar als Landsturmmann zu den Fahnen einberufen wurde. Mit seiner Vertre- tung wurde am 23. Februar der Kandidat des höheren Lehramts Dr. Heinrich Dietrich¹) aus Fritzlar vom Kgl. Provinzial-Schulkollegium bis zum 31. März beauf- tragt.

Am 27. Januar vormittags fand in der Aula die öffentliche Schulfeier des Allerhöchsten Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers und Königs statt mit Schriftverlesung, Deklamationen und Gesangsvorträgen des Schülerchors. In der Festrede erörterte der Oberlehrer Erdniss den Weltkrieg als eine Folge der Entwicklung Deutschlandsseit 1648. Bei der Feier überreichte der Direktor als Allerhöchstes Geschenk Sr. Majestät dem Primus der Unterprima und der- zeitigen primus omnium Herbert von Klossowski das deutsche Marine-Album.

Am 17. Februar fiel von 9 Uhr an nach dem Eintreffen der Nachricht von dem grossen Siege des Generalfeldmarschalls von Hindenburg in Masuren über die Russen der Unterricht aus nach Abhaltung einer kurzen allgemeinen Schulfeier.

Die Kaisergedenkfeiern wurden in der üblichen Weise bei den gemein- samen Morgenandachten gehbalten.

¹) Heinrich Dietrich, geboren am 11. 2. 1800 in Fritzlar, katholisch, besuchte das Wilhelms- gymnasium zu Kassel. Nach Ablegung der Reifeprüfung am 28. 2. 1900 studierte er klassische Philologie und Geschichte auf den Universitäten zu Kiel, Marburg, Münster, München u. Giessen, wo er am 28. 8. 1914 die Prüfung für das höhere Lehramt bestand, nachdem er am 11. 3. 1914 mit einer Abhandlung überdie antike Technik des Speer- und Diskuswurfes sich in Giessen die akademisc he Doktorwürde erworben hatte. Er suchte als Kriegsfreiwilliger im Artill. Regt. Nr. 47 zu Fulda seiner Militärpflicht zu genügen, wur- de dann aber infolge Erkrankung und Operation entlassen.

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