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Das Winterhalbjahr wurde am 11. Oktober in gewohnter Weise eröffner und dabei drei neue Schüler aufgenommen. Bei der Eröffnung stellte der Direktor der versammelten Schulgemeinde den Hülfslehrer Friedrich Geiss-Bender“) vor, der vom Königl. Provinzial-Schulkollegium mit der Vertretung des erkrankten und deshalb für ein halbes Jahr beurlaubten Professors Schwarz beauftragt worden war.
Am 30. Oktober feierte die Schule in herkömmlicher Weise das Reformations- fest und zug'eich ihren Stiftungstag(31. 10. 1817.). Hierbei entwarf der Religions- lehrer Hülfslehrer Geiss-Bender in grossen Umrissen ein Lebensbild des schweizerischen Reformators Johann Calvin zugleich zur nachträglichen Feier von dessen 400 jähri- gem Geburtstag. Im Anschluss an das Reformationsfest fand die übliche gemein-— schaftliche Abendmahlsfeier der evangelischen Lehrer und Schüler, Sonntag, den 31. Oktober in der refomierten Kirche statt.
Am 4. November beehrte der Herr Provinzial-Schulrat Dr. Wass-— ner aus Kassel, der das Dezernat für das Königl. Gymnasium übernommen hatte, die Anstalt mit seinem Besuche und wohnte dem Unterrichte in allen Klassen bei.
Am 6. November, dem 100 jährigen Geburtstage des früheren Lehrers des Gym— nasiums Dr. Rudolf Kohlrausch wurde die Physikklasse mit dem Filde dieses verdienstvollen Lehrers geschmückt, der am 8. 3. 1858 als Professor der Physik an der Universität zu Erlangen seinem Lebramte und der Wissenschaft durch einen frühen Tod entrissen wurde. Bild und Rahmen sind ein Geschenk des pietätvollen Sohnes, des Präsidenten der physikalischen und Technischen Reichsanstalt und Universitätsprofessors a. D. Dr. Friedrich Kohlrausch zu Nlarburg, der selbst ein Schüler unserer Anstalt war und inzwischen am 17. 1. 1910 zu Marburg gestorben ist. Vgl. Zeitschrift Hessenland 1900 S. 327. 1910 S. 29 flg.
Am 14. Dezember veranstaltete die Schule im grossen Saale des Abendvereins eine öffentliche musikalische Abendunterhaltung. In ibrem ersten Teile trugen Schüler der oberen Klassen zwei Stücke für kleines Orchester, sowie Stücke auf dem Klavier und der Geige vor, im zweiten Teile brachte der Schülerchor unter Leitung des Gesang- lehrers Pfetzing„König Goldner, eine Märchendichtunginneun Gesän-— gen für gemischten Chor und Soli mit verbindendem Texte von Hermann Müller(op. 8)“ zur Aufführung. Die Aufführung war sehr gut besucht und fand den lebhaftesten Beifall. Von der Gesamteinnahme, 212,25 M., Wurden 67 M. des Reinertrags(130,45 M.) dem hiesigen Vaterlän- dischen Frauenverein zur Erhaltung der Schwesterstation überwiesen, der Rest für Schul- zwecke verwandt.
*) Friedrich Geiss-Bender, geboren am 3. 2. 1882 zu Ellern(Reg.-Bez. Koblenz), evangelisch, besuchte von Ostern 1895 bis 1902 das Gymnasium zu Kreuznach, studierte in Bonn Theologie und klass. Philologie, war von Ostern 1906 bis Mich. 1907 Erzicher am Ev. Pädagogium zu Godesberg und destand am 30. 7. 1907 die Lehramtsprüfung in Bonn. Das Seminarjahr leistete er von Mich. 1907 bis 1908 am Königl. Gymnasium zu Weilburg ab, das Probejahr am Königl. Friedrichsgymnasium zu Kassel von Mich. 1908 dis 1900, wo er zugleich mit der Vertretung eines erkrankten Oberlehrers beauſtragt war.


