Jahrgang 
1887
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Verf. Königl. Prov.⸗Schulkollegiums vom 22. Januar 1887, S. 367, wodurch der Direktor mit der Wahrnehmung der Geſchäfte des Kgl. Kommiſſarius bei der bevorſtehenden Entlaſſungsprüfung beauftragt wird.

III. Chronik der Schule.

Montag den 3. Mai wurde, nachdem vormittags die Prüfung der neu eintretenden Schüler ſtattgefunden hatte, nachmittags 4 Uhr das Schuljahr in üblicher Weiſe eröffnet.

Der Gymnaſiallehrer Pfarrer Hüpeden war nach einer 6 ½ jährigen treuen und ge⸗ ſegneten Thätigkeit an der Anſtalt zu Oſtern an das Kgl. Friedrichsgymnaſium zu Kaſſel ver⸗ ſetzt worden. Infolge deſſen rückten die Gymnaſiallehrer von Kamptz und Dr. Rittau in die nächſt höheren Stellen auf. Zur proviſoriſchen Verſehung der letzten ordentlichen Lehrerſtelle wurde der Hülfslehrer Schöbe*) vom Kgl. Gymnaſium zu Weilburg hierher berufen und trat mit Beginn des Semeſters ein.

Am 1. Juni trat der Kandidat Boſſe**) zur Ableiſtung des pädagogiſchen Probejahres an der Anſtalt ein.

Die Unterſuchung des Waſſers aus dem Gymnaſialbrunnen durch die landwirth⸗ ſchaftliche Verſuchsſtation zu Marburg ergab auch diesmal wieder ein günſtiges Reſultat.

Vom 15. Juni bis zum 10. Auguſt war der Hülfslehrer Dr. Euler zu einer militäriſchen Dienſtleiſtung nach Hannover einberufen. Seine Lehrſtunden wurden für dieſe Zeit von dem Gymnaſiallehrer Dr. Rittau und den Kandidaten Schubart und Seifarth übernommen.

Die Sommerferien dauerten vom 5. Juli bis zum 1. Auguſt.

Am 22. Juli ertrank ein braver Schüler der Anſtalt, der Quintaner Friedrich Fiſcher, beim Baden in der Weſer. Er wurde von ſeinen Lehrern und Mitſſchülern, ſoweit dieſelben nicht in die Ferien verreiſt waren, zu Grabe glleitet.

*) Oskar Schöbe, geboren am 26. Januar 1857 zu Lützen, Kreis Merſeburg, beſuchte von Michaelis 1869 bis Oſtern 1877 das Gymnaſium zu Wittenberg, ſtudierte von Oſtern 1877 bis Michaelis 1880 in Halle Theologie und Philologie. Nachdem er am 6. und 7. Januar 1882 in Halle die Prüfung pro facultate docendi beſtanden, ſtellte er ſich dem Kgl. Provinzialſchulkollegium zu Magdeburg zur Verfügung und wurde von demſelben von Anguſt 1882 bis Auguſt 1883 zur Ableiſtung ſeines pädagogiſchen Probejahrs dem Gymnaſium zu Zeitz über⸗ wieſen. Nachdem er ſich dann dem Kgl. Provinzialſchulkollegium zu Kaſſel zur Verfügung geſtellt hatte, wurde er von dieſem als Hilfslehrer an der Realſchule zu Bockenheim vom November 1883 bis Oſtern 1884 und am Kgl. Gymnaſium zu Weilburg a. L. von Oſtern 1885 bis 1886 beſchäftigt.

**) Wilhelm Boſſe, geboren am 19. März 1861 zu Burg(Gebiet der Stadt Bremen), beſuchte von Oſtern 1870 Oſtern 1875 das Progymnaſium zu Eſchwege, und trat dann Oſtern 1875 in die Obertertia des Gymnaſiums zu Rinteln ein. Nachdem er dort ſein Abiturientenexamen gemacht, beſuchte er von Oſtern 1880 bis Michaelis 1885 zum Studium der klaſſiſchen Philologie, des Deutſchen und der Geſchichte die Univerſitäten München, Leipzig, Bonn, Halle und Marburg. Nachdem er dann vom Kgl. Provinzialſchulkollegium zu Kaſſel zur Ableiſtung ſeines püdagogiſchen Probejahres vom 1. Juni 1886 ab dem Kgl. Gymnaſium zu Rinteln überwieſen worden war, beſtand er am 16. Juli 1886 zu Marburg das Examen pro facultate docendi.