Jahrgang 
1882
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mehr nach den immerhin ſchon großen Störungen des Sommerſemeſters der Unterricht einen ruhi⸗ gen Fortgang nehmen werde, ſollte ſchon in den nächſten Tagen in höchſt unerwünſchter Weiſe ge⸗ täuſcht werden. Denn bereits am 28. Oktober ſah ſich der Prorektor Profeſſor Dr. Stacke, welcher ſeine Karlsbader Kur anſcheinend mit vortrefflichem Erfolge durchgemacht hatte, in Folge erneuten Unwohlſeins leider gezwungen, ſeine Thätigkeit abermals einzuſtellen und um einen Urlaub für die Dauer des ganzen Winterſemeſters nachzuſuchen, welcher ihm von der vorgeſetzten Behörde auch am 5. November bewilligt wurde.

In der Morgenandacht des 31. Oktobers beging das Gymnaſium in gewohnter Weiſe durch Bibellektion, Gebet, liturgiſche Geſänge und eine Anſprache des Direktors das Doppelfeſt der Kirchen⸗Reformation, ſowie des 65. Stiftungstages der Anſtalt. Sonntag den 8. November folgte dem Herkommen gemäß die gemeinſame Feier des hl. Abendmahles ſeitens der Lehrer und der konfirmierten Schüler, und zwar diesmal in der reformierten Kirche.

Da es für die Lehrer der Anſtalt unmöglich war, eine Vertretung von ſo langer Dauer, wie ſie durch die Beurlaubung des Prof. Stacke notwendig geworden war, ohne die größten Nachteile für die Anſtalt durchzuführen, ſo genehmigte Kön. Prov. Schulkolleg den Antrag des Direktors, den Kandidaten des höherenLehramts Julius Winneberger) aus Marburg zur Aushilfe für die Dauer des Win⸗ terſemeſters heranzuziehen. Dieſer wurde ſchon in der Morgenandacht des 11. November den Lehrern und Schülern vorgeſtellt und begann an demſelben Tage ſeine Thätigkeit. Mit ſeinem Eintritt mußte eine neue Verteilung der Lektionen vorgenommen werden, über welche die Lehrverfaſſung(S. 1 ff.) und die am Schluß befindliche Tabelle nähere Auskunft geben.

Am 10. November, dem Geburtstage Schillers, gaben die Schüler unter Leitung des Geſanglehrers Kapmeier in der Aula ein Concert, in welchem außer einer Sonate und einem Trio von Beethoven hauptſächlich SchillersLied von der Glocke in der Kompoſition von A. Romberg, eingeleitet durch einen Vortrag des Oberprimaners Rinne über das Gedicht, zur Auf⸗ führung kam. Herrn Pfarrer Schaub, ſowie den beiden Damen, Frl. Klinckſiek und Kap⸗ meier, welche die große Güte hatten dabei mitzuwirken, ſagt der Direktor für ihre freundliche Bereitwilligkeit hier nochmals den verbindlichſten Dank.

In der Woche vom 21. bis zum 26. November fertigten die Primaner zum zweiten Mal in dieſem Schuljahr unter Aufſicht ihrer Lehrer ſog. Tentamenarbeiten an.

Am 2. December reichte der Gl. Birkenſtamm, welcher ſchon ſeit Wochen ſeinen Unter⸗ richt nur mit Aufbietung aller körperlichen Kräfte hatte geben können, ein durch ärztliches Zeugnis unterſtütztes Geſuch um Beurlaubung bis zu den Oſterferien ein. So ſtanden wir denn wenige

*) Julius Winneberger, geb. zu Marburg am 14. Mai 1858, evangel.⸗luth. Konfeſſion, vorbereitet durch den Unterricht ſeines Vaters, beſuchte von Oſtern 1871 an das Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt, von welchem er Oſtern 1876 mit dem Zeugnis der Reiſe entlaſſen wurde. Von da an widmete er ſich dem Studium der klaſ⸗ ſiſchen Philologie, Geſchichte und Geographie auf den Univerſitäten zu Marburg und Verlin. Nachdem er vom 1. Oktober 1880 bis ebendahin 1881 ſeiner Militärpflicht als Einjährig⸗Freiwilliger genügt, wurde er durch Be⸗ ſchluß Kön Prov. Schulkollegiums zu Caſſel vom 5. November 1881 dem hieſigen Gymnaſium zugewieſen. Das Examen pro facultate docendi beſtand er zu Marburg am 20. Januar 1882.