Jahrgang 
1862
Einzelbild herunterladen

114

erkennen kann, ſind ein Zeichen, daß das Metall zu viel Zinn habe; der entgegengeſetzte Fall, daß zu viel Kupfer darin enthalten iſt(V. 85, 148).

Nun ruht die Arbeit, bis die Glocke ſich verkühlet; dann wird der Mantel zerbrochen, und aus der Hülſe, ſchält ſich blank und eben, der metallne Kern. Die Glocke wird getauft, erhält einen ordentlichen Namen, und ſteigt dann, mit der Kraft des Stranges aus der Gruft gehoben, in das Reich des Klanges, in die Himmelsluft.

I.IX. ſind Betrachtungen, welche an die Verrichtungen beim Glockenguß geknüpft werden. Jede Betrachtung ſteht in einer dreifachen Beziehung; ſie knüpft ſich zuerſt unmittel⸗ bar an die jedesmalige Verrichtung beim Guſſe; ſie betrifft zweitens Vorfälle des Lebens, bei denen die Glocke ertönt; ſie reiht ſich endlich drittens der vorhergehenden Betrachtung auf das innigſte an, ſo daß ſie ohne die Arbeitsſprüche des Meiſters ein wohl in einander gefüg⸗ tes Ganzes bilden.

Die erſte Betrachtung hat den Zweck, die vielfachen Betrachtungen, die dem Meiſter in den Mund gelegt werden, einzuleiten und zu rechtfertigen. Es geziemt ſich für den Men⸗ ſchen, bei jeder Handlung und Arbeit immer deren Bedeutung und Zweck vor Augen zu haben. II. enthält ſodann die Anwendung des in l. ausgeſprochenen Gedankens auf die Glocke. Die Glocke iſt beſtimmt, bei jedem wichtigen Ereigniß des Menſchenlebens zu tönen:Hoch auf des Thurmes Glockenſtube, da wird es von uns zeugen laut; und darum iſt es nöthig, das rechte Verhältniß der Metalle zu treffen;(ſo ſchließt ſich II. an 2daß die zähe Glocken⸗ ſpeiſe fließe nach der rechten Weiſe). Die Glocke verkündet Alles, was das wechſelnde Ver⸗ hängniß dem Menſchen bringt;denn mit der Freude Feierklange begrüßt ſie das geliebte Kind u. ſ. w. Hiermit iſt die III. Betrachtung gegeben; und eben weil es der Feierklang der Freude ſein ſoll, war am Schluſſe von 3 die Sorge des Meiſters darauf gerichtet,daß vom reinlichen Metalle rein und voll die Stimme ſchalle. III. ſchließt:O daß ſie ewig grünen bliebe, die ſchöne Zeit der jungen Liebe! Dieſe Worte bilden den Uebergang von der III. zur IV. Betrachtung, und deuten auf die nächſte Lebensperiode. Sie bleibt nicht grünen die ſchöne Zeit, und kann es nicht. Der Bund für das ganze Leben wird geſchloſſen und oft iſt die Wahl nicht gut. Die Miſchung des Kupfers mit dem Zinn, daß die Glocke wohlgerathe, iſt dem Meiſter das Symbol des Bundes der männlichen Kraft mit der weib⸗ lichen Milde; ſo ſchließt ſich die IV. Betrachtung an die Worte des Meiſters in der 4. Strophe: Prüft mir das Gemiſch, ob das Spröde mit dem Weichen ſich vereint zum guten Zeichen. Der Bund iſt alſo geſchloſſen und es treten nun die Pflichten der Hausfrau und die Be⸗ ſtrebungen des Mannes ein; beide Theile gehn nach verſchiedenen Richtungen, aber auf einen Zweck aus. Das neu gegründete Haus wächſt und in vermeſſenem Selbſtvertrauen rühmt ſich der Mann mit ſtolzem Mund:Feſt, wie der Erde Grund, gegen des Unglücks Macht ſteht mir des Hauſes Pracht! Durch dieſen Gedanken, in welchem die bethörte Sicher⸗ heit des Hausvaters ausgedrückt wird, bereitet ſich die nachfolgende Betrachtung vor. Eben ſo eng ſchließt ſich die V. Betrachtung an den vorhergehenden 5. Spruch des Meiſters an, der im Hinblick auf die bevorſtehende Gefahr beim Ausſtoßen des Zapfens, wobei die Maſſexrauchend in des Henkels Bogen ſchießt mit feuerbraunen Wogen, in die Worte ausbricht:Gott bewahr das Haus! Was am Schluſſe der IV. Betrachtung mit Beſorg⸗ niß ausgeſprochen war,mit des Geſchickes Mächten iſt kein ewger Bund zu flechten und das Unglück ſchreitet ſchnell, das wird jetzt zur Wirklichkeit.Hört ihrs wimmern hoch vom