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Thurm?“ Die Himmelskraft hat ſich der Feſſel entrafft und„wälzt den ungeheuren Brand durch die volkbelebten Gaſſen.“„Hoffnungslos weicht der Menſch der Götterſtärke.“ Das Haus iſt zerſtört, alles hat der Vater verloren; aber die Seinigen ſind ihm geblieben, ihm fehlt kein theures Haupt.— Auch dieſes fällt.„Von dem Dome, ſchwer und bang, tönt die Glocke Grabgeſang.“ Damit ſtehen wir ſchon in der VI. Betrachtung. Der Uebergang wird vermittelt durch die Worte des Meiſters:„in die Erd' iſt's aufgenommen, glücklich iſt die Form gefüllt, wirds auch ſchön zu Tage kommen?“ Mit dieſer beſorgten Frage blickt der Meiſter auf den köſtlichen Inhalt hin, den er hoffend in die Glockenform in der Erde barg—„noch köſtlicheren Samen bergen wir traurend in der Erde Schoß“, unſere geſtor⸗ benen Lieben. Die Mutter, die Seele des Hauſes iſt es; mit ihrem Tode iſt es eine ver— waiſte Stätte;„des Hauſes zarte Bande ſind gelöſt auf immerdar.“ Hier endigt der erſte Theil des Ganzen: das häusliche Leben kann nun nicht mehr Gegenſtand der Betrachtung ſein, denn das Haus ſelbſt liegt in Trümmern und die bewegende Seele deſſelben iſt todt. Hier nun, wo ſich mit dem Tode der Gattin die zarten Bande des Hauſes auf immerdar löſen, führt den Dichter der Gedanke der Todesruhe zur Idee der Ruhe von der Arbeit und zur Schilderung des Feierabends hinüber. So ſind alſo beide Theile ſehr ſinnig mit⸗ einander verbunden, und durch die Aehnlichkeit der Gedanken Leben und Arbeit, Tod und Feier⸗ abend bahnt ſich der Dichter den Uebergang zur VII. Betrachtung. Der Zuſammenhang der VII. Betrachtung mit dem 7. Spruche des Meiſters ergiebt ſich noch leichter und unmittel⸗ barer. Der Glockenguß ruht, und dies Ausruhen von der Arbeit führt den Dichter auf die Vorſtellung des Feierabends der Geſellen. Dieſelben Glockentöne, welche die Mutter auf ihrem Wege zur Grabesruhe begleiteten, rufen den müden Arbeiter von ſeinem Werke. Die VII. Betrachtung beginnt mit der Schilderung des Feierabends, den uns der Dichter in vier verſchiedenen Bildern vorführt. Es wird Nacht, doch die Dunkelheit ſchreckt den ſichern Bür⸗ ger nicht, über dem das Auge des Geſetzes wacht; hieran ſchließt ſich die Betrachtung des Segens der geſetzlichen Ordnung und der geregelten Thätigkeit im Staate; in der Freiheit heiligem Schutz entwickeln ſich die Kräfte des Staats,„Arbeit iſt des Bürgers Zierde“ und „Segen iſt der Mühe Preis.“ Dieſe Betrachtung wird mit dem Wunſche geſchloſſen, daß dies Band, wodurch die geſetzliche Ordnung und die geregelte Thätigkeit im Staate erhalten wird, nie gelöſt werden möge. Aber auch hier wird es gelöſt. Das Zerſchlagen der Form in dem 8. Spruche des Meiſters(„nun zerbrecht mir das Gebäude— wenn die Glock ſoll auferſtehn, muß die Form in Stücken gehen“) giebt ſich von ſelbſt zu einem Symbol der Staatsumwälzung her, die in Contraſt mit der früheren friedlichen Ordnung und Thätigkeit ſteht. Wenn in Flammenbächen das glühnde Erz ſich ſelbſt befreit, dann ſpeit es Verderben zündend aus, da kann ſich kein Gebild geſtalten— dem entſprechend: wenn„das Volk, zer⸗ reißend ſeine Kette, zur Eigenhülfe ſchrecklich greift, da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.“ Hierzu iſt die Glocke in Beziehung geſetzt, denn der Aufruhr zerrt an der Glocke Strängen, daß ſie heulend ſchallt.„Freiheit und Gleichheit hört man ſchallen“ und in weiterem Verfolg wird uns vom Dichter die zerſtörende Gewalt der Begriffe, die von den Menſchen einſeitig und falſch aufgefaßt werden, ausgemalt. Städte und Länder werden eingeäſchert.— Die Glocke iſt von der Form befreit; der Meiſter hat die Form zerbrochen mit weiſer Hand, zur rechten Zeit; darum ſchält ſich aus der Hülſe der metallne Kern, blank und eben. Nach alter Sitte er⸗ hält die Glocke durch die Taufe die Weihe. Im Hinblick auf die vorangegangene Schilderung


