Dieſes Stäbchen tauch' ich ein; Sehn wir's überglaſ't erſcheinen, Wird's zum Guſſe zeitig ſein. Jetzt, Geſellen, friſch! Prüft mir das Gemiſch, Ob das Spröde mit dem Weichen Sich vereint zum guten Zeichen. IV. Denn wo das Strenge mit dem Zarten, Wo Starkes ſich und Mildes paarten, Da giebt es einen guten Klang. Drum prüfe, wer ſich ewig bindet, Ob ſich das Herz zum Herzen findet! Der Wahn iſt kurz, die Reu iſt lang. Lieblich in der Bräute Locken Spielt der jungfräuliche Kranz, Wenn die hellen Kirchenglocken Laden zu des Feſtes Glanz. Ach! des Lebens ſchönſte Feier Endigt auch den Lebens⸗Mai, Mit dem Gürtel, mit dem Schleier Reißt der ſchöne Wahn entzwei. Die Leidenſchaft flieht, Die Liebe muß bleiben; Die Blume verblüht, Die Frucht muß treiben. Der Mann muß hinaus In's feindliche Leben, Muß wirken und ſtreben Und pflanzen und ſchaffen, Exlliſten, erraffen, Muß wetten und wagen Das Glück zu erjagen. Da ſtrömet herbei die unendliche Gabe, Es füllt ſich der Speicher mit köſtlicher Habe, Die Räume wachſen, es dehnt ſich das Haus. Und drinnen waltet Die züchtige Hausfrau, Die Mutter der Kinder, Und herrſchet weiſe Im häuslichen Kreiſe, Und lehret die Mädchen, Und wehret den Knaben, Und reget ohn' Ende Die fleißigen Hände,
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Und mehrt den Gewinn Mit ordnendem Sinn, Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden Und dreht um die ſchnurrende Spindel den Faden, Und ſammelt im reinlich geglätteten Schrein 130 Die ſchimmernde Wolle, den ſchneeichten Lein, Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer, Und ruhet nimmer. Und der Vater mit frohem Blick Von des Hauſes weitſchauendem Giebel Ueberzählet ſein blühend Glück, Siehet der Pfoſten ragende Bäume, Und der Scheunen gefüͤllte Räume Und die Speicher vom Segen gebogen, Und des Kornes bewegte Wogen; Rühmt ſich mit ſtolzem Mund: 140 Feſt wie der Erde Grund, Gegen des Unglücks Macht Steht mir des Hauſes Pracht! Doch mit des Geſchickes Mächten Iſt kein ew'ger Bund zu flechten, Und das Unglück ſchreitet ſchnell. 5. Wohl! nun kann der Guß beginnen; Schön gezacket iſt der Bruch. Doch, bevor wir's laſſen rinnen, Betet einen frommen Spruch! 150 Stoßt den Zapfen aus! Gott bewahr das Haus! Rauchend in des Henkels Bogen Schießt's mit feuerbraunen Wogen. V. Wohlthätig iſt des Feuers Macht, Wenn ſie der Menſch bezähmt, bewacht, Und was er bildet, was er ſchafft, Das dankt er dieſer Himmelskraft; Doch furchtbar wird die Himmelskraft, Wenn ſie der Feſſel ſich entrafft, 160 Einhertritt auf der eignen Spur, Die freie Tochter der Natur. Wehe, wenn ſie losgelaſſen, Wachſend ohne Widerſtand, Durch die volkbelebten Gaſſen Wälzt den ungeheuren Brand! Denn die Elemente haſſen Das Gebild der Menſchenhand.


