Jahrgang 
1860
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daß er längſt zu Aſche vergangen ſei er hat die Rückkunft des Jägers erwartet Ent⸗ ſetzen ergreift ihn, kaum traut er ſeinem Blick, als er den Fridolin von fern kommen ſieht. Eine furchtbare Ahnung taucht in dem Grafen auf, welches Schickſal den Jäger betroffen habe. Nachdem aber Fridolin die Antwort berichtet, die ihm am Eiſenhammer wurde(deren Sinn dem Fridolin ganz dunkel iſt), wird dem Grafen das immer mehr zur Gewißheit, was er vorher nur ahnte. Noch immer in Zweifel und Ungewißheit über Roberts Schickſal fragt er, indem er vor dem Gedanken an den furchtbaren Untergang Roberts zurückbebt:Und Ro⸗ bert? Sollt er dir nicht begegnet ſein. Aber die Verſicherung Fridolins, nirgends eine Spur von Robert gefunden zu haben, raubt dem Grafen jeglichen Zweifel, und indem ſich ſeinen Augen das künſtliche Gewebe der böſen Schadenluſt und die ganze Größe der hölliſchen Verleumdung aufthut, erkennt er, in welchen entſetzlichen Irrthum er durch böſe Künſte ver⸗ ſtrict war.Nun, ruft der Graf und ſteht vernichtet,Gott ſelbſt im Himmel hat ge⸗ richtet! Roberts Tod wird uns nicht vergegenwärtigt, nicht weitläufig und ausführlich be⸗ ſchrieben: er wird nur angedeutet; es iſt genug, daß wir den furchtbaren Tod aus der Antwort Fridolins erfahren. Es zeugt dies von dem tiefen Kunſtgefühl des Dichters, indem einerſeits dies eine nur deſto größere Wirkung auf das mit Ahnung erfüllte Gemüth des Leſers hervorbringt,(man vergleiche in dieſer Beziehung den Ring des Polykrates und den Taucher), andrerſeits die Einheit der Handlung dadurch gewahrt wird. In dem Gedichte laſſen ſich zwei Hauptperſonen und zwei Haupthandlungen unterſcheiden; in dem erſten Theile iſt Robert die Hauptperſon und ſomit die handelnde Perſon, von Strophe 16 tritt Fridolin als handelnde Perſon auf und bleibt es bis zum Schluß. Hätte nun der Dichter Roberts Untergang erzählen wollen, ſo müßten wir Fridolin verlaſſen, aber doch ſpäter zu ihm zu⸗ rückkehren, und dadurch würde die Handlung ſehr zerſtückelt. In dem zweiten Theil des Gedichtes und namentlich in den Strophen 25 29 drückt ſich in allen Worten und in dem ganzen Benehmen die reine Unſchuld Fridolins recht ſchön aus; er ahnt in ſeiner hohen Un⸗ ſchuld nichts von allen den Begebenheiten, deren Mittelpunkt er iſt. Wir müſſen uns ſogar denken, wie Kurz(in ſeinem Handbuch der Literatur) meint, daß Fridolin das gräßliche Ende ſeines Feindes, wie deſſen Verleumdung nie oder doch wenigſtens nicht eher erfahren hat, als bis ſein Geiſt ſchon zu männlicher Reife gediehen war; denn auf das zarte Gemüth des Jünglings hätten dieſe furchtbaren Geheimniſſe zerſtörend wirken müſſen; er wäre un⸗ fehlbar aus ſeiner ſchönen, kindlichen Heiterkeit, aus ſeinem ſchönſten Glück unwiderbringlich geriſſen worden. Die einfache Anordnung des Stoffes paßt gerade recht gut zum Inhalt, der ganze Ton des Gedichtes, die ruhige, einfache Darſtellung ſind dem Inhalte deſſelben ganz angemeſſen. So einfach die Sprache auch iſt, ſo kann man ſie doch nicht ſchmucklos nennen, noch viel weniger möchte ſich Götzingers Behauptung rechtfertigen laſſen, daß ſie oft an Undeutlichkeit leidet.

Die Quelle von Schillers Gedicht iſt die Erzählung des franzöſiſchen Novellenſchrei⸗ bers Retif de la Bretonne, der dies Mährchen einer ſeiner Novellen einverleibte. So werth⸗ los dieſe Erzählung an und für ſich iſt, ſo gewährt ſie aber als die Quelle des Gedichtes Intereſſe und verdient deshalb Berückſichtigung. Ich ſetze ſie deshalb zum Schluß hierher, wie ſie Götzinger nach der Ueberſetzung von Mylius gegeben hat.

Ein ſehr gottesfürchtiger Menſch war Bedienter im Hauſe der Gräfin von K...., deren ſteinrei⸗ cher Gemahl in der Gegend von Vannes oder Quimper Eiſenhämmer hatte. Weil dieſer treue Bediente