Die Compoſition des Gedichtes iſt durchaus keine kunſtvolle, wie etwa im„Taucher“ oder im„Kampf mit dem Drachen.“ Das Gedicht nähert ſich mehr der einfachen Erzäh⸗ lung, welche die Begebenheiten ſchlicht aneinanderreiht. Nur einmal wird die fortlaufende Erzählung der auf einander folgenden Begebenheiten unterbrochen, nämlich in den Strophen, die die Beſchreibung der Meſſe enthalten. Die Zeichnung des Hauptcharakters wird voraus⸗ geſchickt; daran knüpft ſich die ruhige Darſtellung der Verhältniſſe vor dem Beginn der ei⸗ gentlichen Handlung.
Fridolin dient mit gottesfürchtiger Geſinnung und aufopfernder Pflichttreue ſeiner Herrin. Durch dieſe Gewiſſenhaftigkeit in ſeinem Berufe und durch ſein offenes, gutes Gemüth erwirbt er ſich ihre Anerkennung. Sie hat nicht blos Worte, um ſein Verdienſt hervorzuheben, ſondern weiß auch durch die That ihm den ſchönſten Lohn für ſeine hinge⸗ bende Pflichttreue zu Theil werden zu laſſen; ſie betrachtet ihn wie zum engſten Kreiſe der Familie des Hauſes gehörend und hat inniges Wohlbehagen an dem durch äußere Geſtalt wie durch die Güte ſeines Herzens ſich auszeichnenden Diener. Dies edle und zarte Verhältniß hat längſt Neid und Groll in der Bruſt Roberts erweckt; er faßt den Entſchluß, Fridolin zu verderben— ein Plan, deſſen Ausführung ihm leicht gelingen muß, da die Zu⸗ gänglichkeit des Grafen für Einflüſterungen und ſeine ſchnelle Entſchiedenheit im Handeln ihm dabei ſehr zu Statten kommen. So ſucht er bei einer paſſenden Gelegenheit die Gedanken des Grafen auf jenes Verhältniß hinzulenken, die Verdächtigung folgt unmittelbar darauf. Trefflich hat nun der Dichter in den Wechſelreden zwiſchem dem Grafen und Robert in den Strophen 5— 10 die beiden Träger des Geſprächs gezeichnet. Mit ſchmeichelnder Rede lobt Robert das Glück des Grafen mit beſonderer Hinweiſung auf die unerſchütterliche Treue ſeines Weibes. So ſehr auch der Graf von der Unbeſtändigkeit weiblicher Tugend im Allgemeinen überzeugt iſt, ſo glaubt er doch, daß ſein Weib ſowohl durch ihre eigene Stellung als auch durch die Rückſicht auf ihn jeder Verſuchung entrückt ſei. Den Worten des Grafen immer beiſtimmend, ſucht Robert ſeinem Ziele allmählich näher zu kommen, indem er die Perſonen und Verhältniſſe beſtimmter bezeichnet und dem einmal rege gewordenen Verdachte des Grafen mehr Nahrung giebt. Je mehr er mit ſei⸗ nen Enthüllungen zurückhält, je mehr er ſich nöthigen läßt, Alles herauszuſagen, deſto mehr reizt er das Verlangen des Grafen, bis dieſer ihn durch eine furchtbare Drohung zum Geſtändniß zwingt. Jetzt, da er ſich den Schein gewahrt hat, als thue er es nur ungern und nothgedrungen, vollendet er ſein verbrecheriſches Werk, und indem er die Gräfin zu ſcho⸗ nen und zu entſchuldigen ſucht, als habe ſie aus Mitleid mit dem in einer traurigen und ſtraf⸗ baren Einbildung befangenen Diener die Sache geheim gehalten, um ihn nicht dem furccht⸗ baren Zorn und der Rache des Grafen ausſetzen zu wollen, verleiht er ſeinen Verleumdungen die größte Wahrſcheinlichkeit, ſo wie er andrerſeits ſeiner Argliſt noch die Krone aufſetzt durch das Geſtändniß, er empfinde Reue darüber, daß er wider Willen eine ſolche Enthül⸗ lung gemacht habe.
Jetzt beginnt die eigentliche Handlung. Vollſtändig überzeugt von der Wahrheit jener Mittheilungen hat der Graf, der uns ſchon vorher als raſch zur That geſchildert wird und deſſen Zorn im höchſten Grade entflammt iſt, ſeinen furchtbaren Entſchluß gefaßt. Er reitet zum nahen Eiſenhammer und ertheilt zweien Knechten die Anweiſung zur Vollzie⸗


