Jahrgang 
1899
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Ueber unſere Gedenkfeier für Deutſchlands großen Staatsmann, den Fürſten Bismarck, berichtet dieDarmſtädter Zeitung folgendes:

Oppenheim, 9. Auguſt. Heute morgen veranſtalteten die Großh. Realſchule und die Höhere Mädchenſchule in der entſprechend dekorierten Halle auf der Lands⸗ krone eine öffentliche Trauerfeier für den Fürſten Bismarck, woran viele Eltern und Angehörige der Schüler und Schülerinnen, ſowie zahlreiche Freunde der beiden Anſtalten und Verehrer des Heimgegangenen teilnahmen. Nach dem Vortrag des Beethovenſchen Trauer⸗ marſches und der Deklamation einiger Gedichte hielt Herr Realſchuldirektor Dr. Schneider eine von Liebe zum Vaterland und dem großen Genius Bismarck getragene Gedächtnisrede. Redner zeichnete kurz den Entwickelungsgang des verewigten Kanzlers, in kernigen Worten die Höhepunkte ſeines herrlichen Wirkens hervorhebend, betonte, wie die deutſche Nation glücklich zu ſchätzen ſei, nicht nur auf religiöſem und litterariſchem, ſondern auch auf politiſchem Gebiete Männer beſeſſen zu haben auf letzterem Kaiſer Wilhelm I., Bismarck deren Charakter ſich gegenſeitig ergänzet und durch deren gemeinſames Schaffen ſo Großes hervorgebracht worden wäre, ſchilderte dann die trefflichen Charaktereigenſchaften dieſer eigenartigen, kraftvollen Per⸗ ſönlichkeit, das feſte Gottvertrauen, die glühende Vaterlandsliebe, das hohe Pflichtgefühl, die unerſchütterliche Treue gegen König und Kaiſer und das deutſche Volk, und ſchloß mit der Mahnung, unſre Dankbarkeit dem großen Toten dadurch zu bezeugen, daß wir, im Sinne des kaiſerlichen Erlaſſes, das ſtille Gelübte erneuerten, was der große Kanzler und unver⸗ gleichliche Meiſter der Staatskunſt unter dem Kaiſer Wilhelm I. geſchaffen habe, zu erhalten und auszubauen, und wenn es notthue, mit Gut und Blut zu verteidigen. Mit dem allgemeinen GeſangeDeutſchland, Deutſchland über alles endete die würdige und erhebende Feier für den deutſchen Nationalhelden.

Im Sommer wurde wie früher ein gut beſuchter und erfolgreich verlaufender Schwimm⸗ kurſus abgehalten.

Dem faſt einſtimmigen Wunſche der Eltern entſprechend, genehmigte die vorgeſetzte Be⸗ hörde durch Verfügung vom 24. Juni 1898 die Einführung der Ferienordnung vom 20. März 13Sil Die vierwöchigen Sommerferien begannen demnach im Jahre 1898 bereits am 4. Juli.

Bei der Schulfeier am 25. Nov. hielt Herr Kollege Kromm die FeſtredeUeber Groß⸗ herzog Ludwig IV.; am 27. Jan. Herr Kollege Dr. DittmarlUeber die Einheitsbe⸗ ſtrebungen des deutſchen Nationalgeiſtes ſeit 1806.

Durch Verfügung der vorgeſetzten Behörde vom 6. April 1898 wurde dem unterzeichneten Direktor auch die Leitung der Höheren Bürgerſchule(Mädchenſchule) übertragen.

Er wies deshalb am 18. April die Lehrerinnen dieſer Anſtalt, die Fräulein Eich, Brinkmann und Kempf, in ihr Amt ein, indem er zugleich die Bedeutung der Ueber⸗ nahme durch den Staat und die Aufgaben der Mädchenſchule hervorhob. Nach Verfügung vom 29. Okt. 1898 ſind die Höheren Bürgerſchulen, darunter die eben genannte, der Schul⸗ abteilung Großh. Miniſteriums des Innern unmittelbar unterſtellt.

Durch Allerhöchſtes Dekret vom 29. Okt. wurde dem Großherz. Reallehrer Herrn Kollegen Obenauer der Charakter alsProfeſſor verliehen.

Die elektriſche Beleuchtung wurde im ablaufenden Schuljahre im unteren Stock des Gebäudes und im Treppenhauſe eingeführt und auf Veranlaſſung des Direktors von der Allg. Elektr.⸗Geſellſchaft auf dem Gebäude ein Blitzableiter angebracht.

Der Stadt Oppenheim ſind wir für einen dazu beſonders verwilligten Betrag von 300 M., der vorgeſetzten Behörde für 250 Mk. zu Dank verpflichtet.

Durch letztere Zuwendung kann die elektriſche Kraft auch beim Unterricht verwendet werden.

Durch Verfügung vom 3. Febr. wurde dem Lehramts⸗Aecceſſiſten Dr. Köhm Aushilfe⸗ Leiſtung an der Anſtalt übertragen.(Nr. 59 in der Reihe der Lehrer ſeit 1847.) Er über⸗ nahm die Unterrichtsfächer des Herrn Koll. Prof. Obenauer, abgeſehen von 1 St. Deutſch, 2 St. Geſchichte und 2 St. Latein in Kl. 1. Latein in Kl. 1 und Kl. 3 wurde getrennt.