4. Zur Geſchichte der Anſtalt.
Der letzte Jahresbericht unſerer Schule wurde Oſtern 1917 ausgegeben, ſieben Jahre lang war die Ausgabe unterbrochen. Wenn jetzt wieder ein Jahresbericht erſcheinen kann, ſo liegt in dieſer an ſich gewiß nicht ſehr wichtigen Erſcheinung doch eine Tatſache von allgemeinerer Bedeutung. Sie beweiſt nämlich, daß wir in der Entwicklung unſeres Vaterlandes einen guten Schritt wieder vorangekommen ſind, und daß die Zeitumſtände, die zwangen, auf die Herausgabe von Berichten zu verzichten, überwunden ſind.
Das Schuljahr begann am 28. April 1924, es wird am 28. März 1925 endigen.
Das abgelaufene Schulſahr brachte verſchiedene Veränderungen in der Zuſammenſetzung des Lehrkörpers. Mit Wirkung vom 1. Mai 1924 trat PBrofeſſor Dr. Keller, der zum Oberſtudien⸗ rat ernannt wurde, in den Ruheſtand. 12 Jahre hatte er an der Oberrealſchule gewirkt. Er war ein Muſter peinlicher Pflichterfüllung und ein geſchickter Lehrer, den unſere beſten Wünſche in den Ruheſtand begleiten. — Den israelitiſchen Religionsunterricht der unteren und mittleren Klaſſen übernahm Lehrer Markus Gottlieb.— Am 2. Juni 1924 erwarb Studienrat Auguſt Blum zu Frank⸗ furt a. M. die Würde eines Dr. phil.— Studienrat Reit, den die Franzoſen aus Groß⸗Gerau ausgewieſen hatten, verließ uns wieder am Schluß des Sommer⸗Halbjahres(27. Oktober), da die Franzoſen die Ausweiſung zurückgenommen hatten.— Am 1. Dezember trat Studienaſſeſſor Göttig einen längeren Urlaub an, und wir erhielten mit Beginn des Jahres 1925 als Erſatz den Studienaſſeſſor Dr. Walter Brauer.— Aſſeſſor Göttig war der Gründer und der erſte Leiter unſeres Schülerorcheſters, als welcher er ſich große Verdienſte um das muſikaliſche Leben in unſerer Schule erworben hat. Die Leitung des Orcheſters hat nun Studienrat Dr. Wagner übernommen, ſo daß wir überzeugt ſein dürfen, daß die Leiſtungen unſeres Orcheſters nach wie vor auf der gewohnten Höhe bleiben.— Am 14. Januar 1925 wurde dem Studienaſſeſſor Otto Seitz die Amtsbezeichnung Studienrat verliehen.— Am 1. Februar ſtarb plötzlich an der Grippe Profeſſor RKobert Reinig. Durch 17 Jahre hat er an der Offenbacher Oberrealſchule gewirkt. Er war ein ruhiger und beſcheidener Mann von lauterer Geſinnung. Der Grundzug ſeines Weſens war Güte und Wohlwollen, beides brachte er ſeinen Amtsgenoſſen und ſeinen Schülern in reichem Maße ent⸗ gegen. Wir werden ihm ein freundliches Andenken bewahren. Zur Verſehung der verwaiſten Stelle ward uns Studienaſſeſſor Walter Beck zugewieſen.— Leider hatten wir in dieſem Schuljahre auch den Tod eines braven und guten Schülers zu beklagen. Am 21. Januar 1925 ſtarb der Uuterſekundaner Julius Kiſtner an der Grippe.
Am 21. Juni 1924 beehrte Herr Miniſterial⸗Direktor Ur ſtadt die Anſtalt mit ſeinem Beſuche und nahm am Unterricht der Staatsbürgerkunde in Oberprima teil. Am 9. Juni 1924 beſuchte Herr Miniſterial⸗ rat Dr. Dorfeld den Unterricht mehrerer Klaſſen.
Wegen der Prüfungen vom 25. Oktober 1924 und vom 13. März 1925 verweiſen wir auf Seite 12, 3 b dieſes Berichtes. Hier ſei bemerkt, daß die erſtere der Direktor leitete, die vom 13. März 1925 Herr Miniſterialrat Dr. Dorfeld.
Der regelmäßige Fortgang des Unterrichts wurde durch feierliche Veranſtaltungen mancherlei Art unterbrochen. Am 27. Mai 1924 hielten wir in der Lutherkirche für die evangeliſchen Schüler unſerer Schule eine Gedächtnisfeier ab. Sie galt der 1. Ausgabe des evangeliſchen Geſangbuches vor 100 Jahren, und Herr Pfarrer Oeckinghaus hielt den lithurgiſchen Gottesdienſt für uns ab.— Es folgte am 24. Juni 1924 der Jugendfeiertag, bei dem wir zunächſt in der Schule eine kurze Feier hielten. Die Anſprache war hierbei Dr. Blum zugefallen. Auch in dieſem Jahre hatte die Stadtverwaltung der Schuljugend die ſtets ſo willkommenen Feſttagsbrezeln geſtiftet.— Bei der Verfaſſungsfeier am 11. Auguſt 1924 hielt die Feſtanſprache Profeſſor Aſchenbrenner.— Mit dem 15. September 1924 hörten in den höheren Schulen Offenbachs die Speiſungen durch die ſogenannten Quäker auf. Es wurde deshalb am 25. September 1924 im Gymnaſium für die Teilnehmer der Speiſungen aus allen höheren Schulen eine gemeinſame Dankesfeier veranſtaltet, bei der Profeſſor Hartmann(Gymnaſium) die Anſprache hielt. In
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